Kommentar: Unsere wichtigste Ressource ist uns in der Coronakrise nicht allzu viel wert

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Die einen gehen wenigstens wieder für Stunden in die Schule, die anderen Kinder kämpfen sich noch zu Hause - auch mit den Eltern - ab. Oder umgekehrt. Das "Homeschooling" ist keine Erfolgsgeschichte, meint unser Redakteur Josef Maier.

Noch sind nicht alle bayerischen Schüler wieder zurück in ihren Klassenzimmern.
von Josef Maier Kontakt Profil
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Es gibt Zeugnisse - dieses Mal schon im Mai. Allzu berauschend fallen sie nicht aus. Benotet wurde die bayerische Schulpolitik in der Coronakrise.

Auch die Schullandschaft wurde in der Pandemie völlig auf links gezogen. Erst in gut drei Wochen haben die letzten Schüler wieder Präsenzunterricht. Nach einem Vierteljahr. Viele Lehrer halten per Videokonferenz den Kontakt zu ihren Schülern, geben Tipps. So richtig koordiniert ist die ganze Sache aber nicht: Auf allen möglichen Kanälen kommt der Schulstoff in die Haushalte. Bei zwei oder drei Kindern ist es für die Eltern nicht einfach, den Überblick zu behalten. Deutsch, Mathe, Englisch - E-Mail, Whatsapp, Schulmanager, Mebis oder sonst noch was. Ein buntes Allerlei. Das müsste doch einheitlicher zu regeln sein.

Dass die Schul-Digitalisierung im Argen liegt, ist Fakt. Wenn Kultusminister Michael Piazolo ankündigt, dass es auch im neuen Schuljahr zeitweise Heim-Unterricht geben wird, dann müssen ab sofort Vorkehrungen für eine bessere elektronische Infrastruktur getroffen werden. So wie jetzt kann es im Herbst nicht weitergehen. Dass Endgeräte an Schüler, wenn diese keine haben, verliehen werden, ist nur ein Punkt. Die Schulen bräuchten ohnehin einen Spezialisten, der Hard- und Software in Schuss hält, Lehrer schult und notfalls Eltern einweist. Jedes größere Unternehmen hat EDV-Abteilungen. An vielen Schulen muss das ein Lehrer nebenbei machen - unglaublich.

Bleibt noch die Frage, wer das bezahlen soll: Für fast alles ist Geld da in dieser Coronakrise. Warum nicht für die Kinder?

Wenn die Pandemie weiter abebbt, wenn die Talkshows wieder andere Themen als Corona haben, dann werden Politiker ohnehin ein ums andere Mal wiederholen, dass Bildung doch der wichtigste Rohstoff hierzulande sei. Die letzten Wochen haben aber eines deutlich gezeigt: In Wirklichkeit ist uns diese Ressource doch nicht so viel wert.

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München
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