24.04.2020 - 17:11 Uhr
MünchenOberpfalz

Corona reißt Schulen aus dem digitalen Dornröschenschlaf

Seit die Schulen wegen der Corona-Pandemie Mitte März geschlossen wurden, müssen die Kinder zu Hause lernen. Das funktioniert mehr schlecht als recht. Ein Kommentar von Alexander Pausch.

Eine Lehrerin sitzt vor einem Computermonitor mit dem Programm "Mebis · Landesmedienzentrum Bayern".
von Alexander Pausch Kontakt Profil
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Der bayerische Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler) ist voll des Lobes für die Schulfamilie: für die Lehrer, für die Schüler und vor allem für die Eltern. Der 60-jährige Jurist und Politikwissenschaftler spricht vom Neuland "Lernen zu Hause", das alle beschreiten mussten und vom Kraftakt der Lehrkräfte, den Schülern ein angemessenes Lehrangebot zur Verfügung zu stellen.

In der Tat, viele Lehrer machen weitaus mehr, als nur Aufgabenblätter und Wochenpläne auf digitalem Wege zu den Schülern zu übermitteln. Sie schicken kurze, selbstproduzierte Audiofiles mit Erklärungen, manche drehen sogar Videos für ihre Schüler oder laden zur Videokonferenz. Wieder andere kommunizieren mit ihrer Klasse über die Lernplattform Mebis oder über das Smartphone.

Der Großteil des Unterrichts zu Hause bleibt aber analog, von ein paar Links zu Videos oder Beiträgen im Netz abgesehen. Die Arbeitsblätter, die per E-Mail oder über eine Plattform eintreffen, werden ausgedruckt, nach der Bearbeitung gescannt und zur Kontrolle digital der Lehrkraft übermittelt. Vorausgesetzt, es gibt im Haushalt ein digitales Endgerät.

Warum das Ministerium sechs Wochen braucht, um das zu erkennen, bleibt das Geheimnis seines Chefs. Immerhin soll es jetzt Leihgeräte geben - ob diese vor Schuljahresende zur Verfügung stehen, dürfte in den Sternen stehen. Schließlich hatte der damalige Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) schon im Dezember 2017 voller Stolz auf Mebis hingewiesen, in dem bis zum Jahreswechsel 2017/2018 alle Lehrkräfte vertreten sein sollten. Dennoch ist die Lernplattform bis heute nicht voll einsatzfähig.

Die Corona-Pandemie hat die Schulen aus dem digitalen Dornröschenschlaf gerissen. In Neuland "Internet" jedenfalls sind die Schüler weiter als viele Lehrer und die Schulen. Ein Trauerspiel.

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