Kommt mit den Flüchtlingen auch die Kriminalität in die Oberpfalz?

Diese Frage schwingt oft mit, wenn über Migration diskutiert wird. Eine Analyse der Zahlen für die Oberpfalz.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Für diese Anfrage muss Florian Beck etwas länger recherchieren. Der Sprecher des Oberpfälzer Polizeipräsidiums weiß, dass es beim Thema Flüchtlingskriminalität heikel und politisch wird. Umso wichtiger sind ihm verlässliche Fakten. Was er ohne Recherche sagen kann ist, dass sich im Alltag Oberpfälzer Polizisten seit der Flüchtlingswelle 2015 einiges geändert hat. Der Bedarf an polizeilicher Unterstützung sei gestiegen. Beck nennt die Betreuung von Asylbewerbern bei der Erstaufnahme, Einsätze in Unterkünften und Amtshilfe für Behörden. Aber Beck ist auch wichtig: "Angst um die Ordnung im Land muss niemand haben." Ansonsten verweist Beck auf die Statistik der Oberpfälzer Polizei, betont aber auch, dass die Zahlen überlegt interpretiert werden sollten. Begehen Zuwanderer mehr Straftaten als Deutsche?Eine ganz klare Antwort gibt die Statistik nicht her. Tatsache ist aber wohl, dass Zuwanderer häufiger in der Kriminalitätsstatistik vorkommen. Klar ist die Häufigkeitszahl der Straftaten je Einwohner insgesamt: Im Jahr 2017 gab es 4040 Straftaten je 100 000 Einwohner. Der Wert ist zuletzt gesunken, 2008 lag er noch bei 4490 Straftaten je 100 000 Einwohner. Die Zahlen bestätigten Florian Beck: Es gibt seit 2015 nicht mehr Kriminalität. Im Gegenteil: Die Oberpfälzer Polizei verzeichnete 2017 mit 44 374 Straftaten den niedrigsten Stand in den letzten 10 Jahren.

Um aber auch für Zuwanderer eine Häufigkeitszahl anzugeben, fehlt der Wert, wie viele Zuwanderer in der Oberpfalz leben. Diese Kategorie erfassen die Ämter nicht. Regierung der Oberpfalz und Bamf liefern keine Zahlen. Für die Landratsämter ist die Auswertung mit viel Aufwand verbunden, aber möglich - nur für die Stadt Regensburg nicht. Von dort gibt es auch nach mehrfacher Nachfrage keine Zahlen - und so auch keinen Wert für die gesamte Oberpfalz.

Die Zahlen der hilfsbereiten Landkreise sind jeweils für einen Zeitpunkt, Fluktuation wird nicht erfasst. Diese dürfte unter Zuwanderern aber relativ groß sein. Außerdem tauchen in den amtlichen Statistiken Menschen nicht auf, die nach Deutschland eingereist sind, ohne sich zu melden. Auch diese Gruppe gehört zu den Zuwanderern der Polizeistatistik. Eine eindeutige Häufigkeitszahl ist für Zuwanderer aus diesem Grund nicht zu errechnen. Die vorliegenden Zahlen lassen aber darauf schließen, dass der Wert höher wäre als die 4040 pro 100 000 Einwohner insgesamt.. Weshalb begehen Zuwanderer eher Straftaten?Experten sind sich einig, dass Alter und Geschlecht eine Rolle spielen: Drei Fünftel aller Asylbewerber sind männlich, 75 Prozent unter 30 Jahre. Junge Männer sind in jeder Gesellschaft häufiger auffällig. Darauf verweist der Kriminologe und frühere Justizminister von Niedersachsen, Christian Pfeiffer, der sich intensiv mit dem Thema befasst hat.

Weitere Gründe sind die Lebensumstände, das Leben in größeren Unterkünften auf engem Raum mit fremden Menschen. 20,9 Prozent der Zuwanderer-Straftaten in der Oberpfalz ereigneten sich 2017 in einer Asylbewerberunterkunft. 2016 waren es fast 30 Prozent. Besonders oft sind deshalb auch die Opfer dieser Straftaten Zuwanderer. Der Anteil liegt bei über 20, bei Rohheitsdelikten wie Körperverletzung bei fast 50 Prozent. Allerdings verweisen Experten auch auf die "kulturelle Prägung" mancher Zuwanderer. In einem Gespräch mit dem BR nennt Kriminologe Pfeifer die "Machokultur" vieler Männer, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, als Erklärung für den höheren Anteil an Sexualstraftaten.

Welche Straftaten begehen Zuwanderer?Auffällig ist der hohe Anteil an Rohheitsdelikten wie Körperverletzung. Sie machen 2017 36,2 Prozent der Zuwanderer-Straftaten aus. Auf alle Straftäter bezogen liegt der Wert bei 17,5 Prozent. 3,3 Prozent der von Zuwanderern begangenen Straftaten waren Sexualdelikte. Bei allen Straftaten macht der Bereich 1,5 Prozent aus. Bei sogenannten Straftaten gegen das Leben, Diebstählen und bei Drogenkriminalität weichen Zuwanderer nicht vom Gesamtschnitt ab.

Wie hat sich die Zuwandererkriminalität entwickelt?Die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer ist mit der verstärkten Migration gestiegen. 2012 erfasste die Oberpfälzer Polizeistatistik 314 tatverdächtige Zuwanderer. 2015 waren es 1222. Der Wert stieg weiter: auf 1737 im Jahr 2016 und 1937 im Jahr 2017. Um diesen Anstieg zu interpretieren, fehlt wieder eine Zahl zu den Zuwanderern insgesamt. Werte mit den geschilderten Einschränkungen, gibt es u.a. für die Stadt Weiden. Hier stieg die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer von 2016 auf 2017 von 170 auf 239 also um fast 40 Prozent. Die Stadt gibt an, dass die Zahl der zur Jahresmitte gemeldeten Zuwanderer von 1016 auf 1052, also um 3 Prozent gestiegen ist.

Auffällig ist zudem, dass seit 2015 insgesamt die Zahl der Körperverletzungen in der Oberpfalz zunehmen, und dass dabei häufiger Stichwaffen im Spiel sind. Gewalttäter greifen schon seit 2009 häufiger zu Messern. Damals wies die Statistik 59 Vorfälle aus, seither stieg der Wert kontinuierlich auf 172 Fälle 2017. Der Anteil nichtdeutscher Verdächtiger (nicht nur Zuwanderer, Menschen ohne deutschen Pass) stieg in der Zeit von 14,7 auf 43,1 Prozent

Kommentar - von Wolfgang Würth:

Die Oberpfälzer Polizeistatistik beantwortet nicht alle Fragen, aber eine ganz klar: Kriminalität nimmt seit 2015 ganz sicher nicht überhand in der Oberpfalz. Wer behauptet, die Migration gefährde Sicherheit und Ordnung, verbreitet ganz einfach nur Unwahrheiten.

Die Zahlen zeigen andererseits aber auch, dass es sehr wohl Probleme gibt. Vor allem wenn diese Probleme von Experten mit dem kulturellen Hintergrund mancher Zuwanderer verbunden werden, muss in Sachen Integration nachgebessert werden. Kultur darf keine Entschuldigung sein, wenn jemand sich Frauen gegenüber unangemessen verhält oder im Streit zum Messer greift.

Integrationsexperte Ahmad Mansour warnt vor falscher Toleranz: Flüchtlinge sind nicht die Kuscheltiere ihrer Helfer, sie können Kritik aushalten, sich an eine neue Kultur anpassen. Der Palästinenser Mansour sagt, er selbst sei das beste Beispiel. Bedingung sei, dass die Gesellschaft die Integration einfordert. Je früher, desto besser für alle.

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