Kulturszene setzt Lichtzeichen

Mit der Lichtaktion „Night of Light“ hat die Veranstaltungsbranche in der Nacht von Montag auf Dienstag auf ihre akute finanzielle Notlage im Zuge der Corona-Beschränkungen aufmerksam gemacht.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Es hatte schon fast den Charakter von Mahnmalen, die überall in Deutschland beleuchtet wurden. „Die Veranstaltungswirtschaft steht auf der Roten Liste der akut vom Aussterben bedrohten Branchen“, hatte es im Vorfeld als Begründung von den Initiatoren der Aktion „Night of Light“ geheißen. Über 9100 Gebäude waren es nach Aussage der Verantwortlichen, die angestrahlt wurden – von Schloss Sanssouci in Potsdam und dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig über den Friedrichstadtpalast in Berlin und die Zeche Zollverein in Essen bis hin zum Fernsehturm in München und der Meistersingerhalle in Nürnberg. Und in Wacken wurden beispielsweise sogar die üblichen Positionen der Hauptbühnen rot beleuchtet.

Bundesweit hatten sich an der Aktion mehr als 8300 Firmen beteiligt, darunter Betreiber von Eventlocations, Hallen, Kinos und Kleinkunst-Theatern sowie Technikausstatter, Messebauer, Zeltverleiher oder Tagungshotels, um auf ihre akut schlechte finanzielle Situation aufmerksam zu machen. Initiiert worden war die Aktion vom Tom Koperek, Vorstand des Live- und Markenkommunikation-Anbieters LK-AG aus Essen.

Auch in der Oberpfalz leuchtete es nicht nur an zahlreichen markanten Orten und Gebäuden hell, darüber hinaus wurden Passanten und Zuschauer, die das Farbspektakel auch genossen, mit Faktenwissen eingedeckt. So geschah dies beispielsweise in Windischeschenbach durch die Firma LTTG Showtechnic. Sie bestrahlten nicht nur das Firmengebäude, sondern auch den Butterfassturm der Burg Neuhaus, die (fast schon sinnbildliche) Ruine des Oberpfälzer Hofs sowie den Fernsehturm in Letzau. „Wegen der behördlichen Auflagen im Zuge der Corona-Krise ist einem riesigen Wirtschaftszweig praktisch über Nacht die Arbeitsgrundlage entzogen worden – so auch uns“, berichtet Firmen-Chef Tobias Grünes. Die Veranstaltungsbranche inklusive Kultur- und Kreativwirtschaft sei nach Beschäftigtenzahl und Umsatzgröße die zweitgrößte Branche in Deutschland. „Wir sprechen von 2,5 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von 250 Milliarden Euro pro Jahr“, so Grünes.

Die "Night of Light": In Bayern werden Gebäude aus Solidarität für Kultur Rot erleuchtet:

Weiden in der Oberpfalz

Die Liste der bestrahlen Gebäude und der teilnehmenden Firmen in der Region ist lang – und unvollständig: Die Burg Leuchtenberg als Spielstätte des Landetheaters Oberpfalz, das Velodrom, der Salzstadl und das Thon-Dittmar-Palais in Regensburg, die Stadthalle in Vohenstrauß, die Diskothek „WS Kulmain“, die Max-Reger-Halle in Weiden als zentrale Veranstaltungsstätte oder das Schmidt-Haus in Nabburg. „Natürlich sind wir solidarisch und machen dabei mit“, betont Reinhard Westiner, der das Kleinkunstprogramm im dortigen Gewölbekeller verantwortet. Es gelte ein Zeichen zu setzen und damit jene zu unterstützen, die von der Kultur und den Veranstaltungen leben müssen. „Unser Programm ab August ist eigentlich voll, die Künstler sind gebucht. Wir müssen abwarten, was wir davon realisieren können“, so Westiner.

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