Wer am Samstag für die Vernissage in Bayreuth im Navi die Maximilianstraße 6-14 suchte, stieß unweigerlich auf das dortige Finanzamt. Das wunderte: Was will der OKV von der Finanzbehörde der Oberfränkischen Hauptstadt? Und was hat ein Finanzamt mit Kunst zu tun? Dennoch, alles richtig: Das Alte Schloss Bayreuth in der Innenstadt hat mehr zu bieten als „nur“ ein Amt, denn einige der geräumigen Schlosszimmer werden für Kulturelles genutzt. 72 Werke von 31 Künstler aus der Max-Reger-Stadt sind für zwei Wochen in diese Schlosszimmer umgesiedelt worden.
„Fremdgehen“ ist natürlich nichts wirklich Neues für den Verein. Regelmäßig versetzt OKV seine Kunst hinaus in andere Gefilde mit Ausstellungen in Frankreich, Italien, Marienbad, Pilsen oder Annaberg-Buchholz. Das in dieser Aufzählung eher nahe gelegene Alte Schloss Bayreuth stellt für den OKV Weiden, den es seit 1962 schon gibt, dennoch eine Premiere dar.
Nun darf man sich die dortige Ausstellung nicht wie in einem historisch eingerichteten Schloss denken, wo schwere Möbel von ebenso „schwerer Kost“ an den Wänden ergänzt werden. „Alte Schinken“ hat der OKV nicht mitgebracht. Vielmehr bereichern bis Ende September moderne Malerei, skurrile Plastiken, Sakrales, Impressionismus, Surrealismus oder Gegenstandsmalerei die weiß getünchten Ausstellungsräume.
Für Stil und Anschaulichkeit sorgte das OKV-Aufbauteam. Alle Gemälde, Fotografien, Grafiken, Bleistiftzeichnungen und mehr wurden persönlich vor Ort bestens platziert. Dass im Alten Schloss überhaupt ausgestellt werden kann, davon wusste Künstler Armin Friedrich-Braun. Das OKV-Mitglied wohnt in Bayreuth und hat vermittelt.
Künstlerische Impulse über Bezirks- und Landkreisgrenzen hinweg wolle man damit aussenden, sagt Irene Fritz bei der Vernissage. „Der OKV geht fremd“, zitiertedie Vorsitzende die Künstlerin Marthe Leithenmayr und meint schmunzelnd, ganz so dramatisch sei es nicht. Man sei mit der Aula der Realschule (wo die Weidener Ausstellungen stattfinden) weder verlobt noch verheiratet.
Um den Gästen aus Bayreuth die Künstlergilde vorzustellen, wählt Fritz als Vergleich den Oberpfälzer Granit. Wie der Stein bestehe der Verein aus kleinen Teilchen mit verschieden schimmernden Facetten. „Unterschiedliche Bildwinkel gelten lassen, die Gegensätze aushalten oder miteinander verbinden“, das sei ihr persönlicher Leitsatz. Ein schöner Satz, der passender nicht sein könnte. Dies sei auch etwas, was die Kunst gut könne, sagt die Vorsitzende weiter. Hinter jedem Werk stehe eine Persönlichkeit, deren Arbeiten einen kleinen Schatz darstellen würden.
Die Ausstellung im Bayreuther Schloss dauert bis 30. September und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sie wird von den Künstlern aus Weiden persönlich betreut.

























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