Lyrisch und kulinarisch nachhaltig

Journalist Michael Fuchs-Gamböck legt zwei neue Bücher vor

Michael Fuchs-Gamböck
von Holger Stiegler (STG)Profil
Michael Fuchs-Gamböck

Hier ein Interview mit Tori Amos, dort ein Gespräch mit Ute Lemper und natürlich noch eine Rezension des neuen Albums von Bruce Springsteen. Wer Texte des Journalisten Michael Fuchs-Gamböck bei OberpfalzMedien liest, dürfte zu den Freunden guter Musik gehören. Jetzt hat der 55-Jährige aus Dießen am Ammersee gleich zwei Bücher vorgelegt – auf den ersten Blick ohne Musikbezug.

ONETZ: Herr Fuchs-Gamböck, vielen Lesern dieser Zeitung sind Sie als profunder Musikkritiker bekannt. Jetzt lernt man Sie auch als Lyriker kennen. Andererseits: Musik und Lyrik gehören auch irgendwie zusammen, oder?

Michael Fuchs-Gamböck: Zur Lyrik kam ich als Jugendlicher durch die „klassischen Romantiker“ wie Novalis oder Von Eichendorff. Mit 17 oder 18 habe ich die so genannten Underground-Poeten wie Allen Ginsberg, Charles Bukowski, William S. Burroughs und Jörg Fauser für mich entdeckt. Die alle ziemlich eng mit der Rock-Szene verbunden waren. All diese Literaten prägen meine eigene Lyrik. Und dann gibt es da noch Jim Morrison, Sänger von The Doors, dessen Werk für mich essenziell ist, was die eigenen Gedichte betrifft. Also, ja: Musik und Lyrik gehören irgendwie zusammen. Weil sie einen ganz eigenen Rhythmus besitzen, ein besonderes Lebensgefühl ausdrücken. Ich hoffe, meine eigenen Verse tun das auch.

ONETZ: Was ist die Antriebsfeder, was die Inspiration für Ihre Gedichte?

Fuchs-Gamböck: Ich will mir diese immer konfusere, unübersichtlichere Welt mit Worten erklären, gerne in Reimen. Die Tatsache, hier auf Abruf zu sitzen - und keine Ahnung zu haben, woher ich komme, wohin ich gehe -, ist letztlich die Antriebsfeder für meine Zeilen. Wobei das „Prinzip Hoffnung“, dass alles gut werden wird, die entscheidende Rolle für meine Gedichte spielt.

ONETZ: Das Vorwort zum Gedichtband hat Konstantin Wecker beigesteuert, dessen Liedtexte sich oftmals auch wie Gedichte lesen. Wie ist es dazu gekommen?

Fuchs-Gamböck: Konstantin kenne ich seit ungefähr 30 Jahren persönlich, wir sind eine Art Seelenverwandte. Ich habe ihn mehrfach in meiner Funktion als Journalist interviewt. Schon beim ersten Mal gab es eine enge Verbindung zwischen uns. Ich habe ihm meine Gedichte zukommen lassen, mit der Bitte um ein Vorwort. Konstantin hat sie gelesen, sie gefallen ihm. Und dann hat er das Vorwort geschrieben. Worauf ich bis heute extrem stolz bin.

ONETZ: Berührend, heiter, schonungslos – diese drei Attribute fallen mir spontan zu Ihren Gedichten ein. Ist das Ihr Anliegen oder liege ich da komplett falsch?

Fuchs-Gamböck: Danke für diese Einschätzung, die teile ich gerne. Wobei mit der „Heiterkeit“ - dieses Attribut überlasse ich jedem einzelnen Leser selbst. Ich bin sicher kein Humorist. Aber ich hoffe, ich besitze Humor. Doch jeder Mensch kennt seine eigene Form von Humor. Gelacht werden darf jedenfalls gerne in unserem Haus.

ONETZ: Ihr Gedichtband entfaltet eine zusätzliche Dimension durch die Illustrationen zweier Gestalter. Was war zuerst da – das Wort oder das Bild?

Fuchs-Gamböck: Definitiv das Wort. Ich habe meine beiden Freunde, die Illustratoren Gabriele Rothweiler und Fred Jürgen Rogner, erst dann „belästigt“, als klar war, dass es einen Verleger gibt, der diesen Gedichtband realisieren wird. Dann gingen die Beiden an die Arbeit. Aber am Ende freuen wir uns sehr über das Ergebnis. Und dass überhaupt ein Verleger mutig genug ist, in der heutigen Zeit etwas Exotisches wie einen Gedichtband in die Welt zu werfen.

ONETZ: Bleiben wir beim Thema Kennenlernen: Musikexperte, Lyriker und dazu noch Fachmann fürs Kulinarische. Mit „Beste Reste“ legen sie ein ganz besonderes Kochbuch vor, das die Lieblings-Reste-Rezepte von 40 Promis kompakt wiedergibt. Wie machen Sie sich selbst als Koch?

Fuchs-Gamböck: Am Besten meine Frau fragen. Die ist Peruanerin, aber sie sagt gerne: „Die Küche meiner Heimat ist ziemlich langweilig, immer nur Reis, Kartoffeln, Fleisch oder Fisch.“ Da sie gerne isst, obwohl sie spindeldürr ist, lässt sie sich von mir bekochen. Und im Gegenzug spült sie ab. Ich liebe das Kochen. Abspülen ist nicht so meines. Hauptsache, am Ende des Tages ist jeder satt…

ONETZ: „Kochen ist der Rock’n Roll des Lebens“, schreiben Sie in Ihrem Vorwort. Was wäre also das Leben nur mit Convenience-Food?

Fuchs-Gamböck: Mein kulinarischer Alptraum! Weil es dann nur noch um Nahrungsaufnahme geht, das nackte Überleben. Aber nicht mehr um Genuss.

ONETZ: Ilse Aigners Brezensuppe, Heinz Rudolf Kunzes Resterltarte, Michaela Mays Tiroler Gröstl und Peter Lohmeyers Piroschki – wie viele der 40 Rezepte haben Sie selbst ausprobiert?

Fuchs-Gamböck: Kein einziges, um ehrlich zu sein. Weil ich eine, sagen wir, recht individuelle Art zu kochen habe. Ich habe noch kein einziges Mal nach Rezept aus einem Buch gekocht.

ONETZ: Von welchem Gericht und welchem Koch waren Sie am meisten überrascht?

Fuchs-Gamböck: Tatsächlich von dem des bekannten Produzenten Ralph Siegel. Alleine schon wegen des Begleitschreibens von ihm: „Vorzugsweise ab Mitternacht zu empfehlen, allein vor dem Eisschrank. Wichtige Voraussetzungen sind eine große Pfanne und ein halbgefüllter Kühlschrank. Ein kühles Guinness dazu und die Nacht ist gerettet.“ So etwas finde ich extrem lässig.

ONETZ: Das Buch ist ein klarer Fingerzeig gegen vermeidbare Lebensmittelabfälle und damit auch gegen das „Haltbarkeitsdatum“. Was raten Sie den Verbrauchern?

Fuchs-Gamböck: Bitte nur an Lebensmitteln einholen, von denen man überzeugt ist, dass man sie wirklich verzehrt. Nie mit hungrigem Magen ins Geschäft stapfen. Dann wird immer zu viel gekauft. Und im besten Falle ein Haustier besitzen, das die Reste vertilgt, wenn man seinen Appetit überschätzt hat.

Service:

Zwei neue Bücher

Beste Reste – 40 Promis kochen mit den Resten aus ihrem Kühlschrank, ISBN: 978-3-9819878-7-4, 3H-Verlag

Es ist ein Kommen, ist ein Gehen ISBN: 978-3-9457153-5-2, Reiffer

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