Nicht mehr feierlich: Arbeitnehmer müssen demnächst auf viele freie Tage verzichten

Tag der deutschen Einheit ein Samstag, Allerheiligen ein Sonntag: Der Kalender meint es gerade nicht gut mit Arbeitnehmern, denn ungewöhnlich viele Feiertage fallen aufs Wochenende. Und 2021 wird es nicht besser, eher im Gegenteil.

Blöd gelaufen: Zweiter Weihnachtstag und Samstag an einem Tag. Trotzdem gibt es auch in diesem Jahr für Arbeitnehmer nur einmal frei.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Wer sich immer noch ärgert, dass der Tag der Deutschen Einheit diesmal auf einen Samstag gefallen ist, muss die nächsten Monate erst recht stark sein: Die Kalenderkonstellation meint es gerade nicht gut mit erholungsbedürftigen Arbeitnehmern. Vor allem im Jahr 2021 gehen mehr als die Hälfte der möglichen Feiertage verloren, weil sie aufs Wochenende fallen.

Grundsätzlich sieht das Arbeitsjahr in Bayern 14 gesetzliche Feiertage vor. Nur wo Protestanten die Mehrheit stellen, fällt Mariä Himmelfahrt weg. Fünf Feiertage sind fest mit einem Wochentag verbunden (Oster- und Pfingstmontag, Karfreitag, dazu Christi Himmelfahrt und Fronleichnam immer an einem Donnerstag).

Die verbliebenen neun Termine werden jeweils an einem festen Datum begangen. Und weil ein normales Jahr 52 Wochen und einen Tag dauert, „wandern“ diese Feiertage mit den Jahren um eben immer diesen einen Tag durch die Woche. Wenn der 3. Oktober in diesem Jahr ein Samstag war, fällt er 2021 auf einen Sonntag. In Schaltjahren beträgt dieser Sprung zwei Tage.

Fünf von neun fallen aus

So kann es ein Jahr gut oder schlecht mit Arbeitnehmern meinen, 2021 meint es schlecht. Schon 2020 fallen vier Feiertage aufs Wochenende, kommendes Jahr sind es dann sogar fünf von neun. Konkret geht es um zwei Samstage und drei Sonntage, die dadurch auch den Arbeitnehmern im Handel verloren gehen, die samstags arbeiten.

2022 wird es dann etwas besser – auf den ersten Blick: Dann fallen „nur“ mehr drei Feiertage aufs Wochenende, zwei Sonntage, ein Samstag. Dafür liegen Heiligabend und Silvester jeweils auf einem Samstag. Beides sind strenggenommen keine gesetzlichen Feiertage. In vielen Betrieben ist es dennoch üblich, früher Feierabend zu machen, Arbeitnehmer bekommen einige Stunden geschenkt.

Feiertage am Wochenende – Eine Übersicht für Bayern in den Jahren 2020 bis 2025

Nun sind erstmal sie mit Geschenken an ihren Betrieb an der Reihe. Schließlich werden „ausgefallene“ Feiertage nicht vergütet. Das Ifo-Institut hat sich im Jahr 2018 mit der Frage befasst, welche Auswirkungen ein Feiertag mehr oder weniger auf die Wirtschaftsleistung hat. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Effekte von Branche zu Branche sehr unterschiedlich sind. Für die gesamte Wirtschaft kommen sie zum Schluss, dass ein zusätzlicher Feiertag etwa 0,12 Prozent Wirtschaftleistung kosten würde. Aktuell entspricht das rund 4,7 Milliarden Euro. Bei zuletzt 44,5 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sind das 106,5 Euro je Arbeitnehmer. Die Rechnung ist natürlich völlig vereinfacht, berücksichtigt zum Beispiel die vielen Minijobber nicht. Dennoch zeigt sie, dass der finanzielle Feiertagseffekt zu beachten ist.

Nicht die erste Priorität

Auch deshalb ist sich Josef Bock der Konstellation sehr wohl bewusst. Der ehrenamtliche DGB-Vorsitzende in Weiden sagt aber auch, dass das Thema angesichts der Coronakrise derzeit nicht ganz oben bei den Prioritäten der Gewerkschaften steht. „Hier eine dauerhafte andere Regelung zu erreichen, ist momentan schwer.“

Das sieht auch der hauptamtliche DGB-Sekretär Peter Hofmann so. „Bevor man über das Nachholen von Feiertagen nachdenken kann, muss man die regelmäßigen Angriffe der Arbeitgeber auf das Arbeitszeitgesetz abwehren“, sagt er. Statt zu mehr Freizeit gehe die Entwicklung nach wie vor in Richtung Arbeitsverdichtung.

Die Arbeitgeberseite reagiert tatsächlich allergisch auf Forderung nach neuen Feiertagen, oder einen Ausgleich für ausgefallene. Zuletzt war dies bei der Diskussion um den Reformationstag als bundesweiten Feiertag zu bemerken. Eine Zustimmung könne es nur geben, wenn gleichzeitig der Anteil der Arbeitnehmer an der Pflegeversicherung steigt. Dies sei nötig, weil weiterer Arbeitszeitausfall die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen schwächt. Dies koste Arbeitsplätze und schade so letztlich den Arbeitnehmern.

Peter Hofmann hat bemerkt, dass die Arbeitgeber die Corona-Pandemie nutzen, um etwa für eine Ausweitung von Ladenschluss- und Sonntagsarbeit zu werben. Dagegen wehren sich die Gewerkschaften seit Jahren, sagt Hofmann. Er sei froh, dass es gelungen ist, die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten rückgängig zu machen.

Warum keine Einmalzahlung?

Josef Bock möchte die „verschenkten“ Feiertage dennoch nicht ganz vergessen. Man könne den Effekt zum Beispiel durch eine Einmalzahlung auffangen, sagt Bock. „Arbeitnehmer haben gerade wegen Corona viel Belastungen akzeptieren müssen.“ Wenn Arbeitgeber nun kalenderbedingt Geld sparen oder mehr verdienen, könnten sie einen Teil abgeben.

Das würde nicht nur die Binnennachfrage stärken, findet der Gewerkschafter Bock: „Es wäre auch eine wirkliche Anerkennung für Verkäuferinnen, Krankenschwestern und Lkw-Fahrer, die in der Pandemie besonders viel leisten.“ Nur auf dem Balkon für sie zu klatschen, reiche nicht.

Ansonsten bleibt Arbeitnehmern in Bayern nur, die kommenden beiden Jahre durchzuhalten und sich auf 2023 bis 2025 zu freuen. Dann meint es der Kalender deutlich besser mit ihnen. Nur je einer von der 14 gesetzlichen Feiertagen in Bayern fällt dann aufs Wochenende, jeweils auf einen Sonntag.

Hintergrund:

Andere Länder...

In einigen EU Ländern wird mit Feiertagen am Wochenende anders umgegangen als in Deutschland: In Großbritannien, Luxemburg, Polen und Spanien wird er am folgenden Montag oder Dienstag nachgeholt. In Belgien gibt es einen Ausgleichstag, allerdings kann hier der Arbeitgeber bestimmen, wann. Für die meisten dieser Länder gilt aber auch: Es gibt deutlich weniger gesetzliche Feiertage als in Bayern. Nur in Spanien ist dies anders: Je nach Region gibt es sogar mehr Feiertage.

Zahlen zur Corona-Pandemie für Bayern und die Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz
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