Weiden in der Oberpfalz
01.02.2024 - 15:26 Uhr
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Missbrauch in syrischer Familie? Prozessauftakt mit Fragezeichen

Ein 33-jähriger Syrer steht seit Donnerstag wegen heftiger Vorwürfe vor Gericht. Er soll seine Familie misshandelt, Frau und eine Tochter sexuell schwer missbraucht haben. Der Mann räumt manche Vorwürfe ein, andere bestreitet er vehement.

Warten auf die Richter: Der Angeklagte (vorne, Zweiter von rechts) mit Verteidigern und Dolmetscher auf dessen Dienst der Mann aber meistens verzichtete. Bild: Würth, Wolfgang
Warten auf die Richter: Der Angeklagte (vorne, Zweiter von rechts) mit Verteidigern und Dolmetscher auf dessen Dienst der Mann aber meistens verzichtete.

Steht seit Donnerstag ein Tyrann vor dem Landgericht, der Frau und Kinder über Jahre verprügelt, missbraucht und vergewaltigt hat? Oder muss sich ein Mann vor verantworten, der für die Familie sorgen wollte, dabei überfordert und zu sehr in den kulturellen Vorstellungen des Heimatlandes gefangen war? Die Frage stellt sich nach dem ersten Tag im Prozess gegen einen 33-jährigen Mann aus Syrien.

Die Vorwürfe sind heftig. Zwischen 2019 und 2023 war der Mann mit einer Syrerin zusammen. Die Frau brachte drei Töchter mit in die Beziehung, zusammen bekam das Paar zwei Söhne. Alle fünf Kinder soll der Vater oft "völlig grundlos" geschlagen haben, genau wie die Mutter. Teilweise soll er Gürtel und Füße genutzt, der Partnerin mit einem Aschenbecher eine Platzwunde am Kopf zugefügt haben. Zudem habe er nicht nur die Frau mindestens in zehn Fällen zum Sex gezwungen, auch die älteste, damals 10 bis 13-jährigen Tochter, habe er missbraucht, "beischlafähnliche Handlungen" vollzogen.

Ohrfeigen? Ganz normal

Der 33-Jährige gab zu, dass Ohrfeigen für ihn ein normales Mittel der Erziehung waren. Die älteste Stieftochter beschrieb er als Problemkind, das Lehren den Mittelfinger zeigt. Drei- oder viermal pro Woche habe er sie geohrfeigt, bei den anderen sei dies seltener vorgekommen. Härtere Gewalt bestritt der Mann.

Genau wie die Missbrauchsvorwürfe. Er habe darauf geachtet, nie mit einem Kind alleine zu sein. Wegen einer Schussverletzung im Unterleib aus dem Krieg in Syrien, müsse er zudem Medikamente nehmen, die eine Erektion nicht zulassen. Wenn er die Mittel kurz absetzt, könne er Sex haben, erklärte er zu Richter Peter Werners Frage, wie die leiblichen Söhne zustande gekommen sind. Im Gegenzug fragte er den Richter, ob es hier wirklich möglich ist, wegen der Vergewaltigung der eigenen Frau belangt zu werden.

Widersprüche bei der Frau

Immer wieder erklärte der Mann, es sei ihm wichtig gewesen, die Familie zu versorgen, nicht auf Sozialleistungen angewiesen zu sein. Deshalb habe er trotz Kriegsfolgen zwei Jobs angenommen, arbeitete auf dem Bau, obwohl er nicht schwer heben soll. Der Stress haben ihn oft überreagieren lassen.

Zu seinen Gunsten entwickelte sich dann die Aussage der Frau, auf deren Vorwürfe die Anklage aufbaut. Richter Werner klärte sie auffallend detailliert darüber auf, dass sie keine Aussage machen muss, wenn sie sich dadurch selbst belasten würde - etwa, wenn sich herausstellen würde, dass sie die Ermittlungen durch falsche Aussagen ins Rollen gebracht hat. Offensichtlich gibt es Widersprüche bei der 32-Jährigen. Tatsächlich gab die Frau zunächst an, dass alles nicht so schlimm gewesen war, machte dann vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, und zog die Strafanträge gegen den Mann zurück. Später befragte das Gericht die Kinder ohne Öffentlichkeit. Der Prozess geht nächste Woche weiter.

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