Neu und doch vertraut: Joe Krieg Quartett mit Johannes Geiß beim Jazz-Zirkel-Weiden

Vier Jazz-Musiker aus dem Dunstkreis der Würzburger Szene und ein Saxofonist mit Weidener Wurzeln: Alter Wein in neuen Fässern auf der Bühne im Bistrot Paris.

Zurück zu seinen Wurzeln: Saxofonist Johannes Geiß, ein Weidener Gewächs, gesellt sich als Gast zum regulären Joe Krieg Quartett. Ausschließlich eigene Kompositionen des Gitarristen stehen auf dem Programm.
von Louis ReitzProfil

Seit zwölf Jahren leitet der Würzburger Gitarrist Joe Krieg sein eigenes Quartett, und immer wieder gesellen sich dazu illustre Gäste aus allen Bereichen des Jazz. Diesmal ist es Johannes Geiß, ein Gewächs der Weidener Szene, der mit der Band "Moop Mama" beim jüngeren Publikum Kultstatus genießt.

Als 17-Jähriger machte Johannes Geiß mit der Gruppe "Chamäleon" auf sich aufmerksam, es folgten Konzerte mit dem Markus Geiselhart Quintett und dem "Groove Legend Orchestra". Vor zehn Jahren präsentierte er sich im Quartett mit Michael Arlt schon als ausgesprochener Profi und begeisterte mit seinem Tribut an Lee Konitz. Nun steht er mit einem ehemaligen Schüler von Michael Arlt gemeinsam auf der Bühne. Joe Krieg hat seine Lektionen gelernt und unterrichtet mittlerweile selbst an der Uni Würzburg. Vor allem als Komponist lässt er aufhorchen: Am Samstagabend im Bistrot Paris gibt es keine Standards aus dem "American Songbook", ausschließlich eigene Kompositionen sind angesagt. Der Zusammenklang von Gitarre und Altsaxofon ist vertraut, doch die Melodien sind frisch und spannungsgeladen.

Von Funk bis Soul

Präzise und souverän werden die Themen meist unisono vorgestellt, aber es entwickeln sich immer wieder Dialoge zwischen den Instrumenten. Pianist Joachim Werner erweist sich als genialer Mittler zwischen Melodie- und Rhythmusgruppe, geschmackvoll setzt er auch Keyboard-Klänge ein, und bei "Jazz & Beat" sorgt er für brodelnde Orgelklänge, Joe Krieg steuert funky Gitarrenriffs bei, und Johannes Geiß lässt sein Saxofon mit soulig angereicherten Klängen kochen. Die "Jazz Crusaders" lassen grüßen. Felix Wiegand spielt einen soliden Bass in den tiefen Lagen und fasziniert immer wieder durch stimmige Solopassagen, Christian Kraus erweist sich als zuverlässig swingender Rhythmiker, aber auch als einfühlsamer Begleiter bei balladesken Stücken.

Sie spielten vor 16 Jahren erstmals zusammen: Saxofonist Johannes Geiß und Gitarrist Joe Krieg. Seitdem kam es immer wieder zu gemeinsamen Projekten.

Souvenirs aus Frankreich

Joe Kriegs Kompositionen tragen meist französische Titel und sind oft Mitgliedern seiner Familie gewidmet. Seine Mutter stammt aus Südfrankreich, aus der Gegend um Toulouse - die französische Lebensart scheint auf die Kompositionen einzuwirken. Beschwingt und leicht kommen die Melodien daher und erinnern an gängige Klischees: Musette-Walzer, Django Reinhardt, Paris. "Regarde le ciel", eine Widmung an seine Mutter, vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit.

Vor allem das ausgewogene Klangbild prägt den Abend. Johannes Geiß spielt sein Saxofon ganz ohne Verstärkung, die Gitarre überzeugt ebenfalls durch den vertrauten Klang, den Jazzgitarristen wie Kenny Burrell, Barney Kessel oder Jim Hall geprägt haben. Lediglich bei Einleitungen oder zur Untermalung werden sparsam Effektgeräte dazugeschaltet.

Latin-Jazz und ungerade Rhythmen

Natürlich gibt es auch Stücke mit Latin-Atmosphäre oder mit ungeraden Rhythmen. Bei "Captain Odd" sind die Zuhörer aufgefordert, die "krummen" Taktarten herauszufinden. Am Ende des Konzerts steht mit "Martino" noch eine Widmung an den bekannten Gitarristen Pat Martino, der für Joe Krieg von großer Bedeutung war. Mit der Zugabe geht es noch weiter in die Tradition zurück. Die quirlige, ins Ohr gehende Melodie erinnert an Zeiten, als in Frankreich der "Hot Jazz" dominierte, aber auch hier ist der Einfluss des Modernen Jazz und vor allem des Westcoast-Jazz deutlich spürbar. Das Publikum reagiert begeistert auf einen Abend mit spannungsgeladener, technisch brillant gespielter Musik.

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