An Oberpfälzer Grundschulen fehlen Lehrer

An deutschen Grundschulen fehlen hunderte Lehrer - auch in der Oberpfalz, sei die Personaldecke dünn, sagt BLLV-Bezirksvorsitzende Ursula Schroll. Die Regierung der Oberpfalz stellt die Lage anders da. Aus Schrolls Sicht rechne sich die Behörde die Lage schön.

In Gera in Thüringen musste zuletzt eine Woche der Unterricht ausfallen, weil Lehrer fehlen. So weit ist es in der Oberpfalz noch nicht. Angespannt ist die Lage aber auch hier, sagt Ursula Schroll vom BLLV
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Im Kampf gegen Lehrermangel hat die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, mehr Durchlässigkeit zwischen den Schulstufen gefordert. "Es muss auch möglich sein, dass ein Gymnasiallehrer nach einer kleinen Zusatzqualifikation an einer Grundschule unterrichten kann." Voraussetzung sei, dass alle Lehrer das gleiche Geld bekämen. Derzeit verdienen Grundschullehrer weniger als Kollegen am Gymnasium.

Eine noch weitergehende Reform bringt die Oberpfälzer Bezirksvorsitzende des Bayerischen Lehrer und Lehrerinnenverbands, Ursula Schroll, ins Gespräch: Eine grundlgende Reform der Ausbildung, ein Lehrer müsse von Grundschule bis Gymnasium unterrichten können. Die Spezialisierung wäre nach Alter denkbar, also für Grundschule, Mittel- und Oberstufe. "Lehrer sollten Kinder unterrichten, nicht Fächer", sagt die Rektorin an der Schule in Mühlhausen bei Neumarkt.

"Unserer Meinung nach sollten angehende Lehrer in einem Bachelor-Studiengang zunächst die Grundlagen studieren und sich erst später auf eine Schulform spezialisieren", lautet die Forderung von GEW-Vorsitzender Tepe. Besonders an Grundschulen fehlen Lehrer. Nach einer Prognose der Kultusministerkonferenz fehlen bis 2030 im Schnitt jedes Jahr 660 Grundschullehrer. In einer Grundschule in Gera ist wegen Personalmangels seit Montag eine Woche der Unterricht ausgefallen.

Von solchen Fällen weiß Schroll für die Oberpfalz nichts, dennoch sei auch hier die Lage an Grund- wie Mittelschulen angespannt. Dem widerspricht allerdings die Regierung der Oberpfalz. "Derzeit ist keine Lehrerstelle an Grundschulen in der Oberpfalz unbesetzt", heißt es aus Regensburg. Insgesamt stehen 2500 Grundschullehrkräfte zur Verfügung. "Alle langfristig erkrankten Lehrkräfte werden durch Lehrkräfte der Mobilen Reserve ersetzt."

Ein anderes Bild zeichnet Schroll. Tatsächlich seien Planstellen besetzt, häufig aber nicht mit adäquat ausgebildeten Kräften oder mit Lehrern die teils deutlich zu wenige Wochenstunden arbeiten. Viele Stellen besetzen etwa Studenten, die nach dem bestandenen ersten Staatsexamen die Zeit bis zum Referendariat überbrücken müssen. Praktisch stehe keine mobile Reserve zur Verfügung, weil die vorgesehenen Kräfte gebunden sind, um langfristige Ausfälle zu ersetzen. "Gerade in den vergangenen Grippe-Wochen sind wir teils auf dem Zahnfleisch dahergekommen", berichtet Schroll aus der Praxis.

Zwar sollen neue Studienplätze geschaffen werden, bis diese Maßnahme die Situation entspannt, werden noch mehrere Jahre vergehen, rechnet Schroll vor. In der Bedarfsplanung für Lehrerstellen sieht Schroll ein zusätzliches Problem. Tatsächlich verweist die Regierung darauf, dass die Planung schwer sei, weil Lehrer meist sehr kurzfristig den Antrag zur Versetzung in den Ruhestand stellen. Für Schroll ist das kein Argument: Lehrer seien sehr wohl eingeschränkt, wenn es um die Versetzung in den Ruhestand geht. Außerdem gebe es Erfahrungswerte, die eine Planung ermöglichen müssten.

Ursula Schroll

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