Oberpfälzer Onlinehändler: Niemand vernichtet Retouren

Versandhändler, die intakte Rücksendungen lieber vernichten als neu zu verwerten? Oberpfälzer Händler sagen, bei ihnen komme so etwas nicht vor. Aus einem ganz einfachen Grund.

Im Warenverteilzentrum von Witt in Weiden geht Ware nicht nur raus, sie kommt auch wieder zurück. Vernichtet wird sie aber nie.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Gelassen haben die großen Versandhändler der Region auf die Pläne des Bundeskabinetts reagiert, gegen das Vernichten von intakten Retoursendungen vorzugehen. Sowohl der Autozubehör-Spezialist Autoteile Pöllath aus Pressath, die Weidener Witt-Gruppe und Conrad Electronic aus Hirschau teilten auf Nachfrage mit, dass ihr Unternehmen davon nicht betroffen sei.

Keines der Unternehmen vernichtet demnach Ware, die Kunden zum Umtausch zurückgesendet haben. Laut einer Studie der Uni Bamberg komme das in Deutschland millionenfach vor, weil es für die Versender günstiger sein soll, als die Ware erneut zu verpacken und einzulagern.

Nur im Promille-Bereich

Bei der Otto-Gruppe, zu der der Modeversender Witt gehört, gibt es diese Praxis nicht, sagt Sprecher Thomas Voigt auf Nachfrage. Das habe man dem Umweltministerium auch so mitgeteilt, genau wie die beiden großen Konkurrenten Amazon und Zalando. Weshalb die Umweltministerin diesen Nebenaspekt eines größeren Gesetzesvorhabens ins Zentrum rückt, versteht man bei der Otto-Gruppe nicht. Die EU-Vorgabe habe zum Ziel, weniger Ware produzieren zu lassen, die letztlich nicht gebraucht wird. Retouren machen laut Voigt einen sehr kleinen Teil aus, wenn überhaupt.

Bei der Otto-Gruppe gehen demnach rund 97 Prozent der Retouren unmittelbar und praktisch automatisch wieder in den Versandkreislauf. Bei 3 Prozent der Ware sei eine Reparatur oder Reinigung nötig, bevor auch sie wieder in den Verkauf geht. Übrig bleibe ein "Promillebereich" von defekter oder extrem verschmutzter Ware, die entsorgt werden müsse.

Ganz ähnlich schildert ATP-Geschäftsführer Peter Pöllath die Praxis in seinem Unternehmen. "Die Verschrottungen bei defekter Ware bewegen sich in minimalen Größenordnungen." In der Ersatzteilbranche sei die Rücklaufquote ohnehin minimal. Auch Conrad berichtet von einer Retouren-Quote im niedrigen einstelligen Bereich. Die Ware werde in erster Linie zum Wiederverkauf ins Lager gebracht, "oder an Lieferanten retourniert bzw. Sonderverkäufen zugeführt".

Zwang nicht nötig

Höher ist die Retourenquote bei Textil-Versendern. Die Erfahrung zeige: Je besser die Ware passen muss, desto häufiger geht sie zurück. Am höchsten sei der Rücklauf bei Bademode, sagt Voigt, ohne genaue Zahlen zu nennen. Bei Witt sei der Rücklauf im Branchenvergleich eher niedrig. Die ältere Zielgruppe des Unternehmens überlege sich ihre Käufe etwas besser.

Branchenübergreifend bleibe die Menge der zurückgeschickten Produkte stabil, obwohl immer mehr Pakete versendet werden. Die Rücklaufquote sinke also. Das liege daran, dass die Unternehmen viel unternommen haben, um Kunden passgenaue Bestellungen zu ermöglichen. "Rücksendungen verursachen Kosten, die will jedes Unternehmen gering halten", erklärt Voigt. Zwang sei da gar nicht nötig.

Das plant das Bundeskabinett

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