„Oberpfälzer Wald“-Tourismus wächst sanft

Große Sprünge wie in den vergangenen Jahre konnte Josef Laumer nicht mehr verkünden. Der Präsident des Tourismusverbandes Ostbayern ist dennoch zufrieden: "Mit plus 1 Prozent bei den gewerblichen Ankünften und 0,8 Prozent bei den gewerblichen Übernachtungen wurde der hohe Standard bestätigt."

Markus Reimer, Innovationsexperte aus Furth im Wald, macht deutlich: Wir stecken mitten in der Digitalisierung – und sie ist umfassend.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der Tourismustag Oberpfälzer Wald in der Weidener Max-Reger-Halle hält wenig Überraschungen parat. Schwerpunkt der Nabelschau ist der Megatrend Digitalisierung, der für die Touristiker nicht mehr ganz so Neuland sein dürfte: "Er verändert auch den Tourismus", weiß deshalb Landrat Andreas Meier, Vorsitzender der Tourismusgemeinschaft Oberpfälzer Wald, "bestehende Denkweisen, Abläufe und Kommunikationsstrukturen" - auch durch die Verlagerung auf mobile Endgeräte. "Die Reise beginnt lange vor dem Aufenthalt, und wird auch inspiriert durch das Feedback auf den sozialen Medien."

Nur Weiden schwächelt

Die Kennzahlen im Oberpfälzer Wald bewegen sich im Rahmen der ostbayerischen Entwicklung: "Bei den Ankünften verzeichnen wir 2018 mit 387 199 ein Plus von 1,3 Prozent, bei den Übernachtungen mit 1 052 231 von einem Prozent", erläutert Christina Kircher, Tourismusreferentin des Landkreises Neustadt. Nur die Stadt Weiden verzeichne bei beiden Ziffern ein Minus von 1,8 beziehungsweise 2,2 Prozent zum Vorjahr.

Wirtschaftsfaktor Gäste

Die Auslastung in den gewerblichen Betrieben steigt. "Betrug diese im Jahr 2009 noch durchschnittlich 23 Prozent, liegt sie im Jahr 2018 bei 30,6 Prozent", verdeutlicht Josef Laumer, im Hauptberuf Landrat aus Straubing. Der Tourismus in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim habe 2018 einen Bruttoumsatz von 2,238 Milliarden Euro generiert: "Davon entfallen auf das Gastgewerbe 980,5 Millionen Euro, auf den Einzelhandel 811,7 Millionen Euro und auf die sonstigen Dienstleistungen 446,1 Millionen Euro." Um den Standard zu halten, müsse man im Wettbewerb mit anderen Standorten in Qualität investieren. Ein Beispiel für eine qualitativ nachhaltige Weiterentwicklung des sanften Naturtourismus sei das Leuchtturmprojekt "Natur-Navi".

"Mit 76 Prozent Naturparkfläche, vielen Akteuren im Bereich Naturschutz, und einem zertifizierten Wanderwegenetz mit dem Goldsteig und dem Nurtschweg" sei man als Modellregion für Naturtourismus prädestiniert gewesen, erklärt Stephanie Wenisch, Tourismusreferentin des Landkreises Tirschenreuth, die Teilnahme an einem Wettbewerb des Bayerischen Umwelt- und Wirtschaftsministeriums mit dem Projekt "Natur-Navi durch den Oberpfälzer Wald". Nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit steht seit August die digitale Plattform, die alle Angebote für Naturfreunde bündelt und Naturerlebnis mit digitalen Angeboten verknüpft, zur individuellen Routenplanung im Netz. "Schon heute nutzen 75 Prozent der Wanderer ein mobiles Endgerät", verdeutlicht Wenisch. Der Wettbewerbsgewinner "Natur-Navi" wartet mit digitaler Wanderkarte auf, die eine automatisierte Routenplanung mit Etappenzielen ermöglicht.

Lob fürs Natur-Navi

Die Verknüpfung mit vielen Informationen aus der TVO-Datenbank - Naturdenkmäler mit Audioguides, Veranstaltungen, Gaststätten und Unterkünfte - und dem Buchungssystem findet sogar die Anerkennung des Hauptreferenten, Innovationsexperte Markus Reimer: "Das Natur-Navi ist eine tolle Sache", lobt der Further. "Viele kommen nur mit Insellösungen wie Online-Buchungsportalen daher, und fragen sich nicht, wie wird jemand darauf aufmerksam?"

Mit der Verknüpfung vieler Informationen, der Tourenplanung, den Veranstaltungen sei das "ein großes Ding". "Die Nutzer wollen mit wenigen Klicks alle Infos haben - wenn nicht, gehen sie woanders hin." In seiner unterhaltsamen Präsentation dreht der Auditor für QM-Systeme das ganz große Rad: "Die digitale Herausforderung: Kür oder Notwendigkeit im Tourismus? Warum wir nicht mehr warten können." Die rhetorische Frage beantwortet sich selbst: "Sie kommt nicht auf uns zu, sie ist mitten in der Gesellschaft, das dürfte uns nicht überraschen."

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