„Bei der Dressur und der Pädogogik gelten oft die gleichen Prinzipien. Das merkt man besonders bei den Domspatzen“, schreibt Gerhard Hecht, einer von 13 Autoren, die „Rrrr“ zu einem Leseerlebnis machen. Es geht um „das wirkliche Regensburg“, „Nischen“ und „Nestbeschmutzung“. Es geht um das Aufwachsen und das Zugereistsein. Und wie Joseph Berlinger es ausdrückt: „Überall wird geweint, gelacht, geküsst, gevögelt, geliebt und gehasst.“ Herausgeber Gisela Bender und Jürgen Huber sind nach Weiden in den Kunstverein gekommen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Sie sehen Regensburg als Entdeckungsreise der Autoren, die die Wirkungszone des Alltäglichen ergründen. Zwischen der Stadtluft, die frei macht und den Menschen, die seit anno dazumal diesen Lebensraum zu dem machten, was es jetzt ist.
"Rrrr" ist laut Huber ist der schriftliche Voyeurismus in das Leben von Hörbuchsprecher, Denkmalpfleger, Regisseure, Autoren, Psychotherapeuten, Übersetzer, Künstler, Journalisten und selbsternannte Werte-Ermittler. Es beschreibt erlebtes Vergangenes, machmal mit Häme und Groll, aber stets versöhnlich.
Schauplatz: Orte, die die üblichen Touristen nie kennenlernen werden, außer jene widmen sich diesen 150 Seiten über skurrile Regensburger Säufer, dem Gravenreuther oder Kasernenviertel. In Kleinbuchstaben entsteht von Barbara Krohn eine visuelle einjährige Reise durch alle Jahreszeiten und wie diese Regensburg prägen, verändern und welche Auswirkungen das auf die Bewohner hat. Für den Leser ergibt die Sammlung an Kurzgeschichten und Poesie eine angenehme facettenreiche Vertrautheit, ein Deja-Vu sozusagen.
Weil es eben 13 unterschiedliche Charaktere sind, ändert sich der Schreibstil und zeigt dadurch Regensburg von kurzweiligen Sichtweisen. Es lässt den Leser eintauchen, in das Flair, das das Ergebnis von Wirtschaft und Wachstum in Symbiose mit Heimat und Kulturverbundenheit ist. "Rrrr" ist der literarische Reiseführer, der die selbstbewussten Eigenheiten eines Regensburgers zur Schau und in Frage stellt.
Über die Entstehung erzählen die Herausgeber im Gespräch mit Wolfgang Herzer (Vorsitzender Kunstverein) und Moderator Stefan Voit (Ressortleiter Kultur bei Oberpfalz-Medien) im Kunstverein. Parallelen zu anderen Städten werden automatisch gezogen, denn das Erlebte, die Probleme, das Glückliche scheint sich unabhängig vom Wohnort überall gleich abzuspielen.
Ein endgültiges Fazit ist hier jedoch nicht die Absicht. Vielmehr unterhalten sich vier bekannte Persönlichkeiten, die in ihrer Tätigkeit jedoch eines erreichen wollen: Dass Kunst in all ihren Formen wieder diskutiert wird, dass diese Vielschichtigkeit den bewussten Menschen dazu anregt, sich prägen zu lassen. Literatur, Theater und Malerei gleichermaßen, die durchaus pogressiv und politisch kritisch agiert, soll wieder in aller Munde sein. Beginnend in Regensburg. In eben diesen Wirtshäusern und Kneipen, in charmanten Ecken und auch im Bus. „Den Fernseher ausschalten“, fordert Jürgen Huber. Willentlich hinausgehen soll der Einheimische und Zugroaste, sich umschauen mit Bewunderung. Regensburg gehe es gut, solange es weltoffen ist, davon ist der Herausgeber überzeugt. „Faszinierend was junge Leute auf der Platte haben.“ Dass sei auch Grund dafür, dass Regensburg so erfolgreich ist.
Und obwohl die Steinerne Brücke nicht zum Mittelpunkt von "Rrrr" gehört, ganz von einer mehrmaligen Erwähnung können Bender und Huber im Gespräch dann doch nicht ablassen. Und obwohl diese die zahlreichen Fotografien von eben dieser kritisieren, weil Regensburg doch so viel mehr sei, als dieses eine Kulturgut, so scheinen sie sie doch zu lieben, die Verbindung von Altstadt und Stadtamhof - die älteste Brücke Deutschlands.














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