Orgel-Kaiser trifft König Max

Mit einem gut besuchten glanzvollen Orgelkonzert endeten die diesjährigen Max-Reger-Tage. Hanns-Friedrich Kaiser spielte in St. Michael Werke von Joseph Haas, Heinrich Reimann und Max Reger.

Hanns-Friedrich Kaiser kennt alle Klangmöglichkeiten seiner Weimbs-Orgel. Er faszinierte bei Haas, Reimann und Reger mit überlegenem, lebendigem und spannungsreichem Spiel.
von Peter K. DonhauserProfil
Die 2007 erbaute Weimbs-Orgel (III/P/53) ist vom deutsch-romantischen Orgelbaustil inspiriert und eignet sich besonders für Musik von Max Reger.

14 attraktive Reger-Konzerte in drei Wochen: Verschiedene Formate, Besetzungen, Adressaten, Orte und Ansprüche, gebündelt durch das den Horizont weitende Motto „Vorbilder und Nachklänge“. Petra Vorsatz und Horst Petzold gedenken und danken deswegen vor dem sonntäglichen Konzert.

An dessen Anfang steht die Suite A-Dur op. 25 des Reger-Schülers Joseph Haas (1879-1960) aus dem Jahr 1909, mit Einflüssen des Lehrers wie gewaltigen Eruptionen, aber auch ätherisch-wagnernden Piano-Passagen. Haas ersetzt die ursprünglichen Suiten-Tanzsätze durch freie Formen wie Improvisation, Capriccio und Romanze - wunderbar mild tragend hier die Doppelflöte 8’. Zum Brennpunkt wird die abschließende Passacaglia; ihre 19 Variationen halten einen Respektabstand zu den 20 in Bachs c-Moll-Opus BWV 582.

Feuerbrand bei Reger

Ein oft zitiertes, aber fast nie gespieltes Schlüssel-Werk für Reger ist Reimanns (1850-1906) Phantasie für die Orgel op. 25 über den Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (1895), die laut Adalbert Lindner „den ersten Feuerbrand in Regers Geisteswerkstätte geschleudert hatte“. Schon 1899 meldet Reger mit seinem gleichnamigen Werk op. 40/1 „Vollzug“ an Lindner. Reimanns „Morgenstern“ ist harmonisch nicht so kühn und zukunftsorientiert, experimentiert in der etwas umschweifigen Introduktion mit rezitativischen Elementen, im Adagio gar mit einer retrospektiven dreistimmigen Passage. Die Form der Choralstrophen ist nicht so klar profiliert wie bei Reger. Aber schon Reimann endet mit einer Fuge (ihr Thema ist von der Umkehrung des Choralanfangs abgeleitet) und schiebt als Höhepunkt die Choralmelodie ein.

Man kann dem jungen Reger für seine „Morgenstern-Phantasie“ nur Respekt zollen: Für die klar gegliederte, großräumige Architektur des Werks, die gekonnt-anspruchsvolle Kompositionstechnik, die zukunftsweisende Harmonik, die plastische Textausdeutung der Strophen: Da leuchtet allerorten sein blitzgescheiter, überlegener Intellekt aus den Noten.

Orgel als Orchester

Kaiser hat das stimmige Konzept der 2007 erbauten Weimbs-Orgel in St. Michael (53/III/P) maßgeblich gestaltet, sie eignet sich besonders für Musik der deutschen Romantik. Er kennt ihre weit gespannten Klangmöglichkeiten vom fast unhörbaren dreifachen Piano bis zum gravitätischen Fortissimo wie kein zweiter und reizt sie mit außerordentlich feinsinniger Registrierkunst und reichem Gebrauch der Schwellwerke aus, Crescendo-Effekte gelingen hervorragend organisch. Immer gibt Kaiser der Durchhörbarkeit Vorrang, nie verschüttet er die zahlreichen Zuhörer durch klangliche Erdrutsche. Das souverän, mit Verve und großem Atem gespielte 80-Minuten-Programm erschließt Erkenntnisse über Reger und seine Kollegen.

Für König Max und Kaiser Hanns-Friedrich gibt es verdienten Applaus mit lang gehaltener Fermate.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.