Warum die Probleme in der Türkei auch eine Chance sind

Die türkische Lira verfällt im Eiltempo. Die Krise am Bosporus eröffnet Europa auch neue Möglichkeiten, meint Frank Werner.

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, schüttelt in der Schwarzmeerstadt Trabzon die Hände von Anhängern.
von Frank Werner Kontakt Profil
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Bummeln am Bosporus, Shoppen in Side: Urlauber sind die großen Gewinner der Lira-Krise. Der Trip in die Türkei wird immer billiger. Und das ist für viele Touristen das einzige, was zählt. Menschenrechte? Meinungsfreiheit? Egal, Hauptsache das All-inclusive-Buffet ist reich bestückt und die falsche Rolex am Sandstrand noch einen bisschen billiger.

Man muss sich allerdings schon zurückhalten, um nicht ein wenig Schadenfreude für die Probleme der Wirtschaft und damit für Recep Tayyip Erdogan zu empfinden. Der türkische Präsident reagiert auf die Währungskrise, wie man ihn kennt: kraftmeierisch, despotenhaft. Kritiker des ökonomischen Kurses werden als "Verräter" gebrandmarkt. US-Präsident Donald Trump, seit der Einführung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte Erdogans neuer Top-Feind, wird mit verbalen Attacken überhäuft. Da hat sich der türkische Machthaber den richtigen Gegner ausgesucht, ein Egozentriker wie er selbst.

Auch wenn die deutschen Unternehmen den Turbulenzen in der Türkei recht gelassen entgegenblicken: An einer weiteren Destabilisierung des Nato-Partners kann niemand Interesse haben. Die Krise am Bosporus ist deshalb auch eine Chance. Europa kann wirtschaftliche Unterstützung anbieten - verbunden mit klaren politischen Botschaften. Russlands Präsident Wladimir Putin wird bei einem Zerwürfnis mit dem Westen Gewehr bei Fuß für Ankara stehen. Auch das muss Motivation für Europa sein, den türkischen Karren möglichst schnell aus dem Dreck zu ziehen.

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