"Hello, I'm Johnny Cash!" Diese Begrüßung durch das "Original" gibt es seit fast auf den Tag genau 16 Jahren nicht mehr, 2003 ist der US-Musiker nach schwerer Krankheit im Alter von 71 Jahren verstorben. Dass am Freitagabend dennoch auch eine große Anzahl jüngerer Zuhörer den Weg in die Max-Reger-Halle zur Musical-Biographie "The Johnny Cash Show" findet, beweist die Qualität der Musik des Künstlers, der generationenübergreifend geschätzt wird.
In einer gelungenen Mischung aus historischen Bildaufnahmen mit Erläuterungen, kurzen schauspielerischen Parts auf der Bühne und rund 40 live dargebotenen Songs entsteht ein Kaleidoskop, in dem nicht nur die Erfolge von Johnny Cash gefeiert werden, sondern auch dessen Schattenseiten und Probleme im Leben nicht weggelassen werden - Alkoholprobleme, Medikamenten-Missbrauch, Affären, Krankheiten.
Eine Musical-Biographie steht und fällt mit den Hauptdarstellern: Mit viel Leidenschaft und auch Akribie interpretiert Tom Parsons "seinen Cash", im Gestus und im Gesang durchweg überzeugend. Ihm zur Seite steht mit nicht weniger Leidenschaft und unbändiger Bühnenpräsenz Miss Rhythm Sophie als June Carter, die immer wieder eigene musikalische Akzente setzen kann. Zusammen demonstrieren die beiden mit enormem Potenzial, warum Johnny und June als Bühnen-Traumpaar in die Musik-Geschichte eingegangen sind.
"Ring of Fire", "Jackson", "I walk the line", "I still miss somone", "Hey Porter" "Folsom Prison Blues", "A boy named Sue", aber auch Songs des Alterswerkes wie "Hurt" - der wohl anrührendste Song des Abends -, "Redemption" oder "The Man comes around" lassen einen Mann (und seine Frau) lebendig werden, die Maßstäbe setzten, die bis heute gelten. Szenen der Show spielen unter anderem im "Memphis Recording Service", in der "Grand Ole Opry" und bei dem Gefängniskonzert im Folsom State Prison. Es wird deutlich, dass Johnny Cash ein Mann war, der in keine musikalische Schublade passte - auch wenn viele es immer mit der "Country"-Ecke versucht haben. Immer wieder hat er mit seinen Songs und seinen Auftritten überrascht und ist den Nischen entflohen - auch in den 90er Jahren, in denen er sich Dank des Produzenten Rick Rubin mit den "American Recordings" neu erfunden hat.
Unterstützt durch eine formidable Live-Band - sogar mit kleinem Bläser-Ensemble - und einer dreiköpfigen Damen-Formation als "Carter Family" gelingt allen Beteiligten eine fulminante Retrospektive, in der sich nicht nur jeder Johnny-Cash-Fan äußerst gut aufgehoben fühlen darf, sondern jeder Freund guter Musik. Die Standing Ovations belegen dies.















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