Richtig daneben: #allesdichtmachen zeigt, wie Kritik nicht funktioniert

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Dass die Aktion anders gedacht war, zeigt die Tatsache, dass eine Reihe Beteiligter längst am Zurückrudern sind. Das hätten sich die Damen und Herren Schauspieler auch früher überlegen können, kommentiert Holger Stiegler

Die Kombo aus einzelnen Video-Standbildern der Internetaktion #allesdichtmachen via Youtube zeigt Schauspieler, die sich an der Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen beteiligen: Obere Reihe l-r Jan-Josef Liefers, Nina Proll, Nadja Uhl, mittlere Reihe l-r Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet und untere Reihe l-r Katharina Schlothauer, Peri Baumeister, Richy Müller. Rund 50 prominente Film- und Fernsehschauspieler sorgen mit einer großangelegten Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen für Aufsehen.
von Holger Stiegler (STG)Profil
Kommentar

Satire und Ironie sollte man denen überlassen, die es können. Gerade wenn es um ein ernstes Thema wie Corona geht. Gut 50 Schauspielerinnen und Schauspieler haben mit #allesdichtmachen demonstriert, dass sie dies qua Berufsangabe nur äußerst bedingt können. Eindrucksvoll beweisen dies bekannte Fernsehgesichter wie Richy Müller, Nadja Uhl oder Martin Brambach mit ihren kurzen Videos.

Heike Makatsch hat ihren Beitrag mittlerweile zurückgezogen, weil ihr wohl irgendjemand gesagt hat, dass sie den falschen Weg eingeschlagen hat. Auch Meret Becker und Ken Duken dämmerte es noch im Laufe des Freitags, dass hier etwas ziemlich schieflief. Klar: Die Corona-Maßnahmen in Deutschland zu kritisieren und zu hinterfragen, ist legitim. Gerade Künstler dürfen und müssen das. Die Art und Weise allerdings, wie dies angesichts von über 80 000 Corona-Toten in Deutschland getan wird, ist nicht nur deplatziert. Es ist schäbig und primitiv.

Als Frontfigur der Video-Aktion gilt Jan Josef Liefers, vermutlich weil er als "Tatort"-Gerichtsmediziner Dr. Börne über die meisten Sympathien verfügt. Das hindert ihn aber nicht daran, in seinem Video den größten - sorry für die Wortwahl - Bullshit zu verbreiten. Sein zynischer Dank "an alle Medien unseres Landes, die seit über einem Jahr unermüdlich, verantwortungsvoll und mit klarer Haltung dafür sorgen, dass der Alarm genau da bleibt, wo er hingehört - nämlich ganz, ganz oben" passt perfekt in das starre Weltbild von Schwurblern, Verschwörungsphantasten und Corona-Leugnern.

"Die Medien" würden auch dafür sorgen, so Liefers, dass man sich von keinem "unnötigen kritischen Disput" ablenken lassen müsse. Da hätte er auch gleich von "Lügenpresse" und den "Systemmedien" reden können.

Auch wenn Jan Josef Liefers am Freitag bemüht war, zu erklären, zu rechtfertigen und zu beschwichtigen: Für AfD, Querdenker und sonstige "Aufgeklärte" ist er mit seinen Aussagen zum Helden geworden. Bleibt die Hoffnung, dass er daraus lernt und künftig nur noch macht, was er wirklich kann.

Das sagen Oberpfälzer Kulturschaffende zu #allesdichtmachen

Weiden in der Oberpfalz

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