Weiden in der Oberpfalz
03.12.2018 - 21:34 Uhr

So werden Oberpfälzer Hotels im Netz sichtbar

Der Urlaub in Heimatnähe boomt - zumindest beim verlängerten Wochenende. Und der Oberpfälzer holt gegenüber Platzhirsch Bayerischer Wald auf. Der Tourismusverband Ostbayern (TVO) sorgt für mehr Sichtbarkeit der Region und ihrer Angebote.

Malerisches Panorama vor Pleystein: Der Bocklradweg ist bei Touristen beliebt. Nur in Sachen Gastwirtschaft und Hotellerie ist noch Luft nach oben. Bild: jrh
Malerisches Panorama vor Pleystein: Der Bocklradweg ist bei Touristen beliebt. Nur in Sachen Gastwirtschaft und Hotellerie ist noch Luft nach oben.

Die Kurve bei den Übernachtungszahlen kennt nur eine Richtung: nach oben. Seit über zehn Jahren steigen die Gästezahlen in Deutschland im Allgemeinen und in Bayern im Besonderen. "Besonders beim Zweit- und Drittkurzurlaub werden Ziele in der Nähe immer beliebter", sagt TVO-Chef Michael Braun.

Die Zuwachsraten von 2017 können sich sehen lassen: "Ein Plus von 1,7 Prozent bei Übernachtungen in Ostbayern und von 7,5 Prozent im Oberpfälzer Wald", ergänzt Presse-referentin Ulrike Eberl-Walter. Dank positiver Wirtschaftsdaten sei Geld da für Freizeitaktivitäten wie Wandern oder Radfahren, und Sparen lohne sich derzeit nicht. "Fürs verlängerte Wochenende wollen die Gäste kurze Anfahrtszeiten", erklärt er den Trend zur Nähe. "Die meisten Gäste kommen aus Bayern, danach aus benachbarten Bundesländern."

Möglich mache das Wachstum aber auch eine zunehmende Professionalisierung des Gastgewerbes. "Der Wellnessbereich wächst, der Standard wird besser", nennt Braun als Beispiel das Projekt einer Seiteneinsteigerin: "Eine Bankkauffrau in Stefling bei Nittenau hat vier 4- bis 5-Sterne-zertifizierte Ferienwohnungen hingestellt - die sind sensationell gut ausgelastet, obwohl sie völlig ab vom Schuss sind." Städtereisende würde die Entfernung zu Regensburg nicht stören, wenn das Ambiente passe. "Und das hat sie im Internet gut präsentiert."

Michael Braun (rechts), Vorstand des Tourismusverbandes Ostbayern, und Pressereferentin Ulrike Eberl-Walter im Redaktionsgespräch. Bild: Gabi Schönberger
Michael Braun (rechts), Vorstand des Tourismusverbandes Ostbayern, und Pressereferentin Ulrike Eberl-Walter im Redaktionsgespräch.

Preiswürdig

Noch so idyllische Bildergalerien würden aber nichts nützen, wenn das Angebot nicht gefunden wird. In puncto Internet-Vermarktung hat sich der TVO, seit er 2011 mit der ersten Content-Managerin begann, zum erfolgreichen Experten gemausert: "Heute betreuen 15 Mitarbeiter unser Mehr-Kanal-Buchungssystem für Ostbayern. Und wir bedienen als Dienstleister inzwischen auch 13 von 16 Tourismusregionen für Franken", freut er sich. "Wir wickeln derzeit 8000 bis 9000 Buchungen im Monat ab." Den Erfolg erklärt Braun mit dem Win-win-Gedanken des Geschäftsmodells: "Wir ermöglichen mittleren und kleinen Betrieben, ihren Online-Vertrieb einfach zu handhaben." Der Lohn der Mühen: Der TVO räumt Auszeichnungen ab wie den ADAC-Tourismuspreis Bayern oder den Deutschen Tourismuspreis.

Der TVO streut das Angebot der Pensionen und Hotels nicht nur auf eigenen Websites, sondern auch auf denen der großen Anbieter wie HRS oder Booking.com. "Den Betrieben entstehen erst Kosten bei einer Buchung", erklärt Braun. Dann wird eine Betriebsprovision von 15 Prozent fällig. "Sie bekommen nur eine Rechnung von uns, wir wickeln alles auch mit den Drittanbietern ab."

Der Mehrwert für die Oberpfälzer Hotellerie kann sich sehen lassen: "Wir bieten die Datenpflege an, spielen Buchungs- und variable Daten wie Buchungszeiten auf das große Netzwerk kooperierender Portale von Orten, Landkreisen, dem Oberpfälzer Wald und natürlich unsere eigene." Demnächst soll auch Airbnb bespielt werden. "So erreichen wie eine maximale Reichweite", freut sich Braun. 2400 Betriebe sind bereits im wachsenden TVO-Netz. "Drei unserer Mitarbeiter machen nichts als Akquise", schildert er die TVO-Mission, "50 bis 60 Übernachtungsmöglichkeiten kommen pro Monat dazu."

Trotzdem dauert das, bis bei allen Vermietern der Aha-Effekt ins Bewusstsein sickert: "Wenn ich bei Versammlungen in die Runde frage, melden sich 27 von 30, dass sie selbst ihre Reisen online buchen", schildert Braun das Paradox, "aber erst 3 von 27 sind online buchbar."

Kommentar von Jürgen Herda:

Ex-Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer hatte große Pläne mit dem Tourismus in Bayern. In Hof sollte eine zweite Säule zur „Akquise innovativer und hochwertiger Tourismusinvestitionen im ländlichen Raum“ entstehen. Die Landtagswahl in Bayern machte ihm einen Strich durch die Rechnung – jetzt ist Hubert Aiwanger gefordert.

Der Bauer aus Ergoldsbach hat allen Grund, Land- und Gastwirte bei der Suche nach neuen Erwerbsquellen zu unterstützen. Ob Bocklradweg, Goldsteig, Geschichtspark, begehbare Holzkugel am Steinberger See oder Zoigl-Kultur – was nützen die schönsten Freizeitangebote, wenn potenzielle Gäste oft nur Zimmer und Ferienwohnungen im Charme der 70er Jahre vorfinden.

Natürlich gibt es auch leuchtende Beispiele, wie die schmucken Ferienwohnungen im ehemaligen Bauernhaus des Müllner-Hofes in Schwarzach. Oder die Hollerhöfe in Waldeck, wo die Dorf-idylle mit einem Essbare- Wildpflanzen-Park bereichert wird.

Der Tourismusverband Ostbayern macht Ideen sicht- und buchbar. Und das Wirtschaftsministerium tut gut daran, Eigeninitiative dort zu fördern, damit nicht nur das Wirtshaus im Dorf bleibt – und der Freie-Wähler-Slogan, mit dem Aiwanger ins Ministerium einzog, auch am Dorf Wirklichkeit wird: „#SpitzenWirtschaft“ statt Wirtshaussterben.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.