Speditionen gehen die Lkw-Fahrer aus

Geringer Lohn, lange Tage, schlechte Arbeitsbedingungen – der Beruf "Lastkraftfahrer" ist für junge Menschen nur wenig attraktiv. Die Folge: Tausende Fahrer fehlen. Die Konsequenzen könnten bald auch die Verbraucher zu spüren bekommen.

Mit dem Laster durch die Republik zu fahren, ist für viele junge Menschen nicht mehr attraktiv. Mittlerweile fehlen Zehntausende Lastkraftfahrer.
von Mona-Isabelle Peter Kontakt Profil

In Deutschland gibt es nicht genügend Lkw-Fahrer. Laut Sebastian Lechner, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Landesverbands Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT), fehlen deutschlandweit rund 45 000 Fahrer. Das entspricht in etwa acht Prozent des Gesamtbedarfs. Auf die Wirtschaftsregion Bayern entfallen davon schätzungsweise 15 Prozent, also rund 6800 Stellen, die nicht besetzt werden können. Auf Dauer könnte das zum Problem werden. Denn Lastwagen sind im Güterverkehr das wichtigste Transportmittel. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes lag der Anteil der Lkw 2018 bei knapp 72 Prozent, Tendenz steigend. Die Folge von immer weniger Lastkraftfahrern könnten Lieferverzögerungen oder Preiserhöhungen sein.

Auch in der Oberpfalz ist der Fachkräftemangel in der Transportbranche zu spüren. „Uns fehlt der Nachwuchs für Fernfahrer“, sagt Fritz Gollwitzer, Inhaber der gleichnamigen Spedition mit Hauptsitz in Weiden. Nur etwa 2,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig angestellten Lastwagenfahrer sind jünger als 25 Jahre – und der Großteil ist männlich. Dem gegenüber stehen knapp 30 Prozent an Fahrern, die in den nächsten drei bis fünf Jahren in den Ruhestand eintreten. Ein erschreckendes Ungleichgewicht. „Es gibt keine Reserven, wenn ein Fahrer mal ungeplant ausfällt.“

Zeitdruck, wenig Pausen, Risiko: Das Leben von Lastwagenfahrer

LBT-Präsidiumsmitglied Lechner nennt neben den verhältnismäßig schlechten Arbeitsbedingungen die allgemein gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt als Grund für den Fahrermangel: „Junge Leute haben viel mehr Möglichkeiten beim Berufseinstieg.“ Gollwitzer kritisiert in diesem Zusammenhang auch das Ende der Wehrpflicht. Bei der Bundeswehr machten jedes Jahr Tausende junge Männer kostenlos ihren Lkw-Führerschein. „Die sind nach dem Wehrdienst automatisch in die freie Wirtschaft gekommen und Fahrer geworden“, sagt der Weidener Speditionsunternehmer. „Die fallen jetzt weg, weil der Lkw-Führerschein mit Kosten von 5000 bis 6000 Euro vielen Privatpersonen zu teuer ist.“

Lechner beurteilt die Situation kritisch: „Je weniger Fahrer es gibt, desto schwieriger wird es, die Dienstleistungen zu erfüllen.“ Das bedeutet im Klartext, dass es mittelfristig zu Versorgungsengpässen kommen wird. „Das betrifft zum einen den Lebensmittelbereich, aber auch die Bau- und Tankstellenbelieferung oder den Onlinehandel.“ Sollte sich nicht bald etwas in der Logistikbranche ändern, so vermutet der 61-Jährige, dass die Verbraucher die ersten Auswirkungen bereits in eineinhalb bis zwei Jahren spüren werden.

Aktuell versuchen viele Spediteure und Transportunternehmer, den Fahrermangel mit ausländischen Kräfte auszugleichen. „Vor allem aus Mittel- und Osteuropa, Rumänien und Bulgarien“, bestätigt Lechner. Allerdings könnten auch diese die Lücke nicht dauerhaft schließen. Langfristig wird es nur helfen, das Berufsbild des Lastwagenfahrers für junge Menschen attraktiver zu gestalten. Vor allem Frauen sollen gezielt angesprochen werden. Das Konzept beinhaltet nicht nur mehr Lohn, sondern auch verbesserte Arbeitszeiten und sicherere Parkplätze. Gollwitzer hat den ersten Schritt in die richtige Richtung schon gewagt. „Wir nehmen Rücksicht auf die privaten Angelegenheiten unserer Mitarbeiter und haben unsere Touren so angepasst, dass die Fahrer mehrmals in der Woche bei ihren Familien sind.“

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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Interessant finde ich ja, dass da von den Fuhrunternehmern wieder der steinzeitlichen Wehrpflicht nachgetrauert wird, die nichts anderes als eine Freiheitsberaubung war.
Warum sollte der Staat den Führerschein subventionieren? Damit die Straßenfuhrunternehmerschaft noch mehr Wettbewerbsvorteile hat?
Und wieso wird gejammert dass viele die Führerscheinkosten nicht zahlen wollen?

Das ist doch Aufgabe der Fuhrunternehmer. Angebot und Nachfrage. Da darf man jetzt nicht jammern wenn das Pendel in die andere Richtung schlägt (endlich mal). Wenn man zu wenig Nachwuchs hat, muss man attraktiver werden, aber eben auch den Lkw-Führerschein bezahlen, das ist doch Aufgabe der Unternehmen.

Schön dass man Touren bei Fuhrunternehmen jetzt anpasst, aber wieso wurde das früher nicht gemacht? Das haben doch viele nicht vergessen. Da wurde gesagt, entweder du machst das oder ich hab schon 10 andere vor der Tür die auf deine Stelle warten.
Familienfreundlichkeit war früher auch schon ein Thema, hat nur niemanden interessiert und jetzt interessiert die jungen Leute eben was anderes als diese Tätigkeit. Da müsste noch viel attraktiver werden und so lange man in der Industrie mehr verdient, wird man Probleme bekommen im Kampf um die immer weniger werdenden Nichtakademiker.
Klar gehen dann die Kosten hoch, aber das verhindert viele Sinnlostransporte zur rollenden Lagerhaltung. Ökologisch gesehen ist ein Gesundschrumpfen auf das absolut notwendige sinnvoll. Damit werden auch Fuhrunternehmen entweder fusionieren müssen oder vom Markt verschwinden, aber das ist eine Entwicklung die nicht aufzuhalten ist und von der wir langfristig profitieren.

21.06.2019
Tho mas

Vielleicht hilft ja der Fahrermangel, dass das EU-subventionierte spazierenfahren von Gütern innerhalb Europa weniger wird. ich bin auch der Hoffnung, dass die verkehrspolitische Fehlerentwicklung der letzten Jahrzehnte wieder umgekehrt und wieder mehr auf der Schiene transportiert wird. Die Tiroler tun sich derzeit auch positiv hervor und zieht endlich die Notbremse. Und wurde nicht gestern erst veröffentlicht, dass Deutschland Schlusslicht ist, was die Investitionen in den Schienenausbau angehen? Die Deutschen müssen endlich kapieren, dass so viel Güter wie möglich von der Straße runter müssen.

18.06.2019