Bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen zeigte sich der Geschäftsführer von CzechToll besorgt: "Die Gesamtzahl der Fahrzeuge, die sich für das neue Mautsystem registrierten, betrug zum 20. November rund 251 000, etwa 55 Prozent aller Lkws - bei den kleinen aber nur 25 000 oder 8 Prozent der geplanten Menge", bedauerte Matej Okáli.
Die erwartete Folge: Zig Kilometer lange Staus bei der Einreise in die Tschechische Republik, stundenlange Wartezeiten nicht nur für säumige Spediteure, sondern für den gesamten Grenzverkehr - auch für private Ausflügler mit dem Pkw.
CzechToll steuert gegen
Mittlerweile hat das Unternehmen reagiert und versucht gegenzusteuern: "Wir unternehmen die größtmöglichen Anstrengungen, um die Wartezeit und Verkehrsbehinderungen beim Start des Mautsystems einzudämmen", beteuerte Okáli. "Über unsere vertraglichen Verpflichtungen hinaus, haben wir mehr als 50 Millionen Kronen (1,69 Millionen Euro) investiert." Priorität aller Maßnahmen sei es, Pkw-Fahrern und Speditionen, die bereits mit der neuen Fahrzeugeinheit ausgerüstet sind, möglichst freie Fahrt zu gewähren.
Dadurch verkürze sich die Wartezeit an den Grenzübergängen beträchtlich. So habe CzechToll das Personal an den Verkaufsstellen deutlich aufgestockt (siehe Infokasten). Damit hofft das Unternehmen, die Situation an den neuralgischen Grenzübergängen zu entzerren: In Lanžhot - Kúty könne man den erwarteten Stau wohl von 44 auf 12 Kilometer verkürzen, in Bohumín - Gorzyczki von 40 auf 11 Kilometer und in Ceský Tesín - Cieszyn von 22 auf 5 Kilometer.
Spediteure nicht panisch
"Es ist nicht so, dass die bayerischen Spediteure panisch fragen, was sollen wir tun?", sagt Ulrich Pfaffenberger, Landesverband Bayerischer Spediteure (LBS)nach einer Sitzung des Fachausschusses zu Oberpfalz-Medien. "Die Spediteure, die das Geschäft im Griff haben, werden den Stau nicht verursachen, die stehen drin." Das Problem sei möglicherweise, dass viele Kleinunternehmer nicht so vorausschauend planen würden.
Die Regensburger Gewerkschaftssekretärin Nicole Rufinhält den enormen Preisdruck für eine möglichen Ursache: "Bei den Kleinen sind die Margen am unteren Level angesiedelt." Jede zusätzliche Ausgabe sei da ein Dorn im Auge. In diesem Konkurrenzkampf setzten immer mehr Speditionen auf leidensfähige osteuropäische Fahrer, die acht Wochen durchfahren, ohne in ein Restaurant zu gehen oder nach Hause zu kommen. "Da spart sich der Unternehmer natürlich viel Geld." Die Fahrer seien dadurch aber übermüdet.
Qualität bleibt auf der Strecke
Tariflöhne seien nicht allgemeinverbindlich, weil die beiden bayerischen Verbände, der LBS und der LBT Mitgliedschaften ohne Tarifbindung akzeptierten. Die Folge: "Kein Weihnachts- und Urlaubsgeld und viele Kollegen drücken auf Pause, während sie ent- und beladen." Insgesamt bleibe die Qualität auf der Strecke bleibe. Möglicherweise auch ein Grund dafür, dass sich niemand für die Anschaffung einer Maut-Unit zuständig fühle.
Maßnahmen zur Stauvermeidung
▪ Die kostenlose Zustellung von On-Board-Units per Post wurde auf Ungarn, Bulgarien, Litauen, Rumänien und Estland ausgeweitet.
▪ 11 zusätzliche Registrierungsarbeitsplätze wurden an ausgewählten, rund um die Uhr betriebenen Grenzübergängen eingerichtet, einige davon auf dem Gebiet der Slowakischen Republik.
▪ 15 mobile Registrierungsstellen an den Grenzübergängen sollen rund um die Uhr für Entlastung sorgen. Mobile Registrierfahrzeuge können bei Staubildung eingesetzt werden..
▪ Zusätzliche Koordinatoren, an gelber Weste mit CzechToll-Logo erkennbar, unterstützen die Fahrer an den Grenzübergängen Bohumín - Gorzyczki, Český Těšín - Cieszyn, Lanžhot - Kúty, Mosty u Jablunkova - Svrčinovec, Nachod - Kudowa Zdrój und Krásný les.
▪ Drohnen helfen beim Verkehrsmanagement.
▪ An Tankstellen, Rastplätzen und Parkplätzen mit Verkaufsstellen laden geschulte Teams die Fahrer zur Registrierung ein (5 Fahrzeuge mit Personal).
▪ An Orten mit hohem LKW-Aufkommen gibt es 7 mobile Registrierungsstationen mit Personal.
▪ Die Informationskampagne wurde ausgeweitet..
▪ Behörden in Deutschland (BAG), Polen (GDDKIA), Österreich (ASFINAG) und der Slowakei (NDS) werden über die Situation informiert.
▪ Die Krisenkommunikation wird zwischen dem Verkehrsministerium, der Straßen- und Autobahndirektion der Tschechischen Republik (RSD CR), der Zollverwaltung der Tschechischen Republik und der Polizei koordiniert.













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