Täglich fehlen 50 Blut-Spender

Krankheiten und Unfälle machen keinen Urlaub - Blutspender schon. Der BRK-Blutspendedienst steckt im Sommerloch. Täglich fehlen fünf bis zehn Prozent an Blutkonserven - auch in Weiden bleiben einige Liegen leer. Es fehlen rund 50 Spender.

von Maria Oberleitner Kontakt Profil

(olr) 29 Grad zeigt das Thermometer vorm Rotkreuzhaus. Drinnen macht es sich Thomas Schmid gerade auf einer der Liegen bequem. Er ist Erstspender - einer von wenigen. Der 18-Jährige ist hier, weil er weiß, dass sein Blut Leben retten kann. Erst kürzlich, so erzählt er, hat er sich auch als Knochenmarkspender registriert. Den Blutspende-Termin hat er in der Zeitung gefunden.

In seiner rechten Armbeuge steckt nun eine Kanüle. Durch den Schlauch rinnt sein Blut in einen Beutel neben der Liege. 159 Milliliter zeigt die Waage. Nun fischt der Weidener sein Handy aus der Hosentasche, knipst ein Foto vom Arm. 172 Milliliter.

Täglich unter Plan

"Es ist schwierig", sagt Christian Kohl. Er ist Sprecher des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). "Wir sehen uns gerade jeden Tag die Zahlen an. Die Bayern machen Ferien - die Krankenhäuser brauchen aber trotzdem rund 2000 Blutkonserven täglich." Von einem Engpass, einer Notsituation möchte Kohl nicht sprechen, trotzdem sei der Blutspendedienst täglich unter Plan, je nach Region und Tag fehlen fünf bis zehn Prozent.

Eine Blutspende kann Leben retten - wie das von Gela Allmann

Knick in der Statistik

358 Milliliter. Doktor Fredy Grabowski sieht auf die Uhr. 15.30 Uhr, rund 80 Weidener haben in den vergangenen vier Stunden gespendet. "Das ist ein guter Schnitt." Sieben der elf Spende-Liegen sind gerade besetzt - nach Flaute sieht es nicht aus. Trotzdem fehlen am Ende des Tages 45 Blutspenden. 240 Spenden waren eingeplant, 212 spendenwillige Weidener waren da, 195 durften abgezapft werden - davon 15 Erstspender.

Besuch bei einem Blutspendetermin in Amberg

Die Fenster sind gekippt, die Rollos geschlossen, zwei Ventilatoren laufen auf Hochtouren. Die hohen Temperaturen machen es weder den Blutspendern noch dem Dienst leicht. Prinzipiell unterscheide sich eine Spende im Sommer jedoch nicht von einem Aderlass im Winter. Hat man zuvor ausreichend gegessen und getrunken, brauche man keine Angst vor Kreislaufproblemen haben, beteuert Grabowski. Vor allem aber die Urlaubszeit sei verantwortlich für den Knick in der Statistik .

Doch selbst, wenn die Bayern von ihren Reisen zurückkommen, dürfen sie teils nicht zur Nadel gebeten werden, berichtet Markus Zimmermann, Blutspende-Leiter beim BRK-Kreisverband Weiden/Neustadt. "Für etliche Länder gelten gerade Sperrfristen, da es dort ein gewisses Risiko für Virusinfektionen gibt", erklärt er. War man in Wien, Sevilla, Izmir oder Bologna, muss man beispielsweise vier Wochen warten - nach einer Thailand-Rundreise fällt man im schlechtesten Fall sogar sechs Monate als Spender aus.

Ein kleiner Pieks

Welche Kundschaft Markus Zimmermann am liebsten ist? "Jemand, der regelmäßig Blut spendet - also zwei- oder dreimal im Jahr", sagt er. Jemand wie Marina Kraus. Die 32-Jährige Weidenerin ist selbst Krankenschwester und weiß, wie dringend das Blut benötigt wird. "Sollte ich selbst eines Tages Blut brauchen, möchte ich schließlich auch welches haben", sagte sie. "Außerdem geht es mir nach einer Spende besser. Mag sein, dass ich mir das aber nur einbilde." Sie lacht. An ihre erste Spende erinnert sie sich noch gut. "Damals hatte ich totalen Respekt vor dem kleinen Pieks bei der Bestimmung des Hämoglobin-Wertes - das habe ich schlimmer in Erinnerung als die ganze Spende."

480 Milliliter. Die Waage, auf der das Blut-Beutelchen von Thomas Schmid liegt, schlägt Alarm. Er hat seine erste Spende überstanden. Für ihn gibt's jetzt Wiener mit Kartoffelsalat.

Info:

Oberpfälzer Spenderblut: Die Zahlen

Beim Thema Blutspende driften Vorstellung und Realität weit auseinander: 94 Prozent der Deutschen finden Blutspende wichtig, doch nur 3,5 Prozent spenden regelmäßig. Bayernweit spenden 5,3 Prozent derer, die als Blutspender in Frage kämen.

Alle Kreise in der Nordoberpfalz kommen über diese Quote – wenn auch nur knapp, wie Schwandorf mit 5,5 Prozent. Spitzenreiter ist der Kreis Tirschenreuth mit 10,85 Prozent. „Damit ist Tirschenreuth sogar der sechstbeste Landkreis in Bayern“, informiert Christian Kohl, Sprecher des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). In Weiden-Neustadt (7,2 Prozent) sowie Amberg-Sulzbach (7,46 Prozent) ist die Quote mehr als doppelt so hoch als in Regensburg (3,2 Prozent).

Es zeichnet sich ein Schema ab: „Am Land wird fleißiger gespendet als in der Stadt. Ich vermute, dass die Blutspende am Land eher ein soziales Event ist. Oft sitzt man hier danach noch zusammen, trinkt etwas gemeinsam, tauscht sich aus – in der Stadt ist das viel anonymer“, weiß Kohl.

Er wirft einen Blick auf die Hochrechnungen – die Prognosen für die Zukunft sehen nicht gerade blutrot aus: Bis 2035 rechnet der Blutspendedienst mit einem drastischen Einbruch der Zahlen. In Schwandorf erwartet Kohl dann 10 Prozent weniger Spender, in Tirschenreuth sogar einen Schwund von 20 Prozent. Und das, obwohl jeder Dritte Deutsche laut Statistik einmal in seinem Leben auf eine Blutspende angewiesen ist.

Das Problem: Die Gesellschaft wird immer älter, viele Spender kommen 2035 für eine Blutspende wegen ihres Alters oder bestimmter Krankheiten nicht mehr in Frage. Und gerade in Tirschenreuth gebe es eine gute Basis an langjährigen Spendern – aber nur wenige junge Erstspender.

Rainer Endres, Gebietsreferent des Blutspendedienstes für die Oberpfalz, setzt seine Hoffnung auf Wattwürmer. Im Blut jener Würmer befände sich ein Hämoglobin. Das sei der Stoff, der unser Blut rot färbt, erklärt Endres. „Das könnte unsere Zukunft sein: künstliches Blut aus Wattwürmern.“

Info:

Was passiert mit dem gespendeten Blut?

Ein Blutspendetermin dauert zwischen vier und sechs Stunden, im bayerischen Durchschnitt sammelt der Blutspendedienst dabei 121 Beutelchen. Weiden, Schwandorf und Regensburg liegen durchschnittlich unter diesem Schnitt, Amberg (134) und Tirschenreuth (137) drüber.

Nach und nach bringen die Helfer die roten Beutelchen mit je einem halben Liter Blut in den Lastwagen, wo sie bei 20 Grad auf den Transport nach Wiesentheid bei Würzburg warten. Dort, in der „zentralen Produktion“ angekommen, wird das Blut innerhalb von 24 Stunden auf Krankheiten geprüft. Danach werden zunächst die Leukozyten, also weiße Blutkörperchen, herausgefiltert. Im eigenen Körper bekämpfen diese zwar Krankheitserreger, in fremden Körpern können sie aber Probleme verursachen. Aus einer Spende gewinnt der Blutspendedienst schließlich drei Präparate: Eine Zentrifuge trennt das Plasma von Thrombozyten und Erythrozyten. So bekommt jeder Patient genau das Blutpräparat, das er braucht. Nun ist das Blut 42 Tage haltbar.

Krankenhäuser können sich das benötigte Blut bei Bedarf abholen oder liefern lassen. „Bei Verbrennungen benötigt ein Patient zum Beispiel Plasma, Krebspatienten brauchen Thrombozyten“, erklärt Rainer Endres vom Blutspendedienst (BSD).

„Was in Bayern gespendet wird, bleibt auch in Bayern“, versichert Christian Kohl (BSD). „Wir verkaufen kein Blut ins Ausland, wie man es manchmal aus der Gerüchteküche hört. Lediglich einen Teil des Plasmas bringen wir ins Ausland.“ Daraus würden Medikamente hergestellt, zum Beispiel für Bluter. „Diese werden wieder hier eingesetzt.“

Info:

Checkliste Blutspenden

Blutspenden darf jeder, der über 18 und unter 73 ist und mindestens 50 Kilo wiegt. Ein Erstspender sollte nicht über 64 Jahre alt sein. Männer dürfen sechsmal, Frauen viermal im Jahr „angezapft“ werden. Zwischen zwei Blutspenden sollten allerdings mindestens 56 Tage liegen. Mitbringen sollte man den Personal- und den Blutspendeausweis. Doktor Fredy Grabowski vom bayerischen Blutspendedienst rät: „Wer die Spende langfristig plant, fängt am besten schon zwei Tage zuvor an, viel zu trinken.“ Bis zu zwei Liter Wasser am Tag sorgen für ein gesättigtes Blut.

Wann ist der nächste Blutspendetermin?

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