Urknall von Max Reger

Die Weidener Max-Reger-Tage feiern 2018 ihren 20. Geburtstag, man darf ihnen nun Volljährigkeit bescheinigen. Zur Eröffnung am Freitag, 14. September (20 Uhr) in der Max-Reger-Halle stehen Werke für zwei Klaviere auf dem Programm.

Markus Becker, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Max-Reger-Tage.
von Peter K. DonhauserProfil

Sie schlagen einen Bogen von Bach zu Reger, sie beleuchten das Formprinzip „Variation“: Eine Bearbeitung der Orgel-Passacaglia BWV 582 „Pro Organo Pleno“ von Johann Sebastian Bach, die Beethoven-Variationen Es-Dur op. 35 von Camille Saint-Saens und Introduktion, Passacaglia und Fuge h-Moll op. 96 von Max Reger. Eine Einführung gibt Susanne Popp vom Max-Reger-Institut um 19 Uhr. Die Redaktion sprach mit den Pianisten Hinrich Alpers und Markus Becker.

ONETZ: Herr Becker, aus Regers Mund stammt der Satz „B-A-C-H ist Anfang und Ende aller Musik“. Sie stemmen mit BWV 582 eines von Bachs großen Orgelwerken (ein Frühwerk!) auf die beiden Klaviere. Sie wählen die Bearbeitung des Ungarn Isidor Philipp, nicht die von Reger.

Markus Becker: Reger hat eine schöne Version der Passacaglia geschrieben, nur eben für ein Klavier vierhändig. Wenn schon mal zwei Flügel auf der Bühne stehen, wollten wir das nutzen!

ONETZ: Herr Alpers, wie hat Philipp die Orgelfassung auf die Klaviere übertragen? Welche neuen Aspekte des Werks werden wir entdecken können?

Hinrich Alpers: Isidor Philipp hat durch seine Bearbeitung der Passacaglia eine eigene „Duftnote“ verpasst – er hat es durch einige Instrumentierungs-Kniffe geschafft, die Klangfarben der französisch-romantischen Orgel nachzuahmen und somit der französischen Bach-Rezeption einen Tribut zu zollen. Aus Bachs beinahe „quadratischem“ Orgelstück wird so stellenweise eine luftig-leichte Komposition, die aber in ihren Höhepunkten nichts von der Wucht des Originals einbüßt.

ONETZ: Als Saint-Saens 1874 die Beethoven-Variationen schrieb, zogen die Regers samt dem einjährigen Max mit dem Handwagerl von Brand nach Weiden, Regers Beethoven-Variationen op. 86 sollten erst 30 Jahre später folgen. Was verrät uns der Blick aus Frankreich auf Beethoven?

Hinrich Alpers: Saint-Saens war einer der wenigen Großen Frankreichs, der Beethoven gegenüber völlig aufgeschlossen war – man kann sagen, er verehrte ihn! Für seine Beethoven-Variationen wählte er ein Thema aus einer sehr versteckten Ecke: das Trio des Menuetts der Sonate op. 31/3 – eher ein Mauerblümchen-Stück und insofern eine herrlich subtile Wahl.

Markus Becker: Voller Frische, Humor und liebevoller Verehrung kommen die Variationen daher. Ab und zu klingen die zwei Klaviere aus dem „Karneval der Tiere“ durch!

ONETZ: Ein veritables Schlüsselwerk ist Regers op. 96. Handwerkliche Kunst in der Bach-Beethoven-Tradition, visionär rüttelnd an den Grenzpfosten der Tonalität. Was waren für Sie die größten Herausforderungen, was sind ihre interpretatorischen Hauptanliegen?

Hinrich Alpers: In Regers op. 96 haben wir beide natürlich einerseits – im wahrsten Sinne – alle Hände voll zu tun; dennoch gilt, Regers vielfach zitiertem Anliegen Genüge zu tun, dass in seiner Musik keine Note zu viel ist. Und das ist bei aller Klangfülle kein ironischer Widerspruch, sondern gestalterische Herausforderung!

Markus Becker: Scheinbar bekanntes musikalisches Vokabular, durchgeschüttelt und neu zusammengesetzt. Blick nach vorn und zurück, Transparenz und Fülle - op. 96 zeigt diese Doppelgesichtigkeit wie kaum ein anderes Werk Regers. Wirklich ein Urknall!

Der Pianist Hinrich Alpers

Service:

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/87290, www.nt-ticket.de und Abendkasse.

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