Volksbegehren: Leser spricht von "einseitiger Berichterstattung"

Ein Leser ärgert sich, wendet sich an die Redaktion, diese antwortet ihm. Danach ist für ihn wieder "alles okay".

Da dürfte auch diese Wollbiene zufrieden sein: Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" wurde zum Erfolgs-Begehren.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Die Studenten der Höheren Landbauschule in Almesbach hatten natürlich auch eine Meinung zum Volksbegehren "Rettet die Bienen". Und so gab Redakteurin Stephanie Hladik aus der Weidener Lokalredaktion in der Samstagsausgabe vom 9. Februar wieder, was die Junglandwirte zu sagen haben. Leser G. B. missfiel dieser Artikel.

"Sehr enttäuscht"

Er schrieb: "Ich finde Ihren heutigen Artikel im Neuen Tag unverantwortlich. Es ist natürlich richtig und notwendig und gehört zum Stil des guten Journalismus, dass man die Argumente beider ,Seiten' darstellt, so dass man natürlich auch die Gegner des Volksbegehrens zu Wort kommen lässt. Jede Meinung ist in einer Demokratie zu akzeptieren. Es geht mir hier gar nicht in erster Linie um Inhalte. Aber dass man hier, unreflektiert, einigen Leuten eine Plattform bietet, ohne auch nur ansatzweise die andere Seite darzustellen, kurz vor Ende der Eintragungsfrist, ist schon ein starkes Stück. Zumal der Kommentar auch noch voll in die gleiche Kerbe schlägt."

"Tatsache ist", so meinte der Leser weiter, "dass wir ein nie gekanntes, beschleunigtes Artensterben haben, das beispiellos ist, und ich bin der letzte, der dem einzelnen Bauern eine Schuld zuweist. Aber an den Fakten kommt man eben nicht vorbei, und seitens der Bauernschaft immer so zu reden, ,alle wollen was von uns, und wir machen doch schon so viel', ändert nichts an den Fakten." Er lese gerne unsere Zeitung, fügte der Beschwerdeführer am Ende hinzu. Doch nun sei er "sehr enttäuscht und fast wütend über diese einseitige Berichterstattung, das auch noch in der Samstagsausgabe".

In ihrer Antwort rief Autorin Stephanie Hladik in Erinnerung, dass seit Beginn der Eintragungsfrist mehrere Artikel erschienen seien, "die die Argumente für oder gegen das Volksbegehren unterschiedlich beleuchtet haben". Dabei achte die Redaktion darauf, "alle Seiten zu Wort kommen zu lassen, damit sich jeder Leser selbst eine Meinung bilden kann. In diesem Fall waren es die Jungbauern, die ihre Sicht darlegten. Ihnen ging es in erster Linie darum, dass die Bürger sich den Gesetzentwurf genau anschauen sollen, bevor sie ihr Kreuz machen. Daran kann erstmal nichts falsch sein."

"Dass Sie mein ,Angemerkt' nicht teilen", schrieb die Kollegin dem Leser außerdem, "ist Ihr gutes Recht. Dafür ist es ja auch ein Kommentar, eine subjektive Meinungsäußerung." Bis zum Ende der Eintragungsfrist würden mit Sicherheit noch weitere Artikel erscheinen. "Ich hoffe, diese finden vielleicht mehr Ihre Zustimmung", schloss die Redakteurin ihre Mail. Von dem Leser, der Kritik geübt hatte, erhielt sie eine Rückmeldung. Dieser habe sich "bedankt und gesagt, dass alles okay sei".

Alle Seiten gehört

Auch Redaktionsleiter Stefan Zaruba wandte sich an den Leser und teilte ihm mit: "Was das Volksbegehren anbelangt, ist die gesamte Berichterstattung ein laufender Prozess mit mehreren Beiträgen. Die allermeisten und frühesten handelten naturgemäß vom Ansinnen der Befürworter, das Volksbegehren zu starten und zu einem Erfolg zu machen. Der Beitrag über die jungen Landwirte und deren Anmerkungen war eigentlich die andere Sicht der Dinge, die für eine ausgewogene Berichterstattung fehlte. Und auch eine einordnende Kommentierung war zu diesem Zeitpunkt angebracht."

Würde man nach Ende der Eintragungsfrist eine Gesamtschau aller Veröffentlichungen zu den zahlreichen Terminen vornehmen, so Zaruba, dann ließe sich feststellen, "dass der weit überwiegende Anteil sich mit den Argumenten der Befürworter befasst hat".

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