Vorwurf der "Lüge" - Rückzug der Vorstände von Karolina e.V.

Neues vom Karolina e.V.: Zum einen ist der Verein vor dem Oberlandesgericht mit seiner Klage gegen Oberpfalz-Medien gescheitert. Zum anderen erklärte das Vorstandsehepaar am Montag seinen Rücktritt.

Frei erfunden. Auch der Senat am Oberlandesgericht Nürnberg "hegt Zweifel", ob es die von Karolina-Vorständen geschilderten Missbrauchsfälle tatsächlich gegeben hat - so wie behauptet.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Zunächst zur Klage: Die Vorstände des "Vereins zur Unterstützung misshandelter Kinder in Deutschland" aus dem Landkreis Neustadt/WN hatten eine Unterlassung der Berichterstattung gefordert. Sie waren damit schon am Landgericht Weiden gescheitert. Der Richter in erster Instanz teilte die Zweifel am Verein. Die Vorstände warben damit, 53 misshandelten Kindern geholfen zu haben. Tatsächlich flossen nur geringe Beträge an betroffene Kinder. Die Fallbeispiele waren teilweise erfunden. Die Zivilkammer des Landgerichts sah "Lüge und Manipulation" durch das Vorstandsehepaar.

Gericht hat Zweifel

Nach wie vor ist unklar, in welcher Höhe Gelder eingingen und wofür sie konkret ausgegeben wurden. Aus Zeitungsberichten über Spendenübergaben ergeben sich Einnahmen von über 50 000 Euro. Auch gegenüber dem Gericht hatten die Vorsitzenden trotz mehrfacher Aufforderung keine Zahlen nennen wollen. Der Weidener Richter wies die Klage ab, er sah "keinen nachvollziehbaren Grund für das Mauern". Die Vorstände gingen in Berufung, mit der Begründung, dass ein Ermittlungsverfahren gegen sie laufe und sie deshalb die Aussage verweigern dürften.

Der Verein biss auf Granit: Auch der 3. Zivilsenat am OLG Nürnberg stört sich an der "fehlenden Bereitschaft, konkrete Angaben zur Verwendung von Spendengeldern zu machen". Die Erklärungsversuche zu Widersprüchen in Bezug auf die Missbrauchsfälle seien "offenkundig vorgeschoben". Die Berichterstattung sei – auch im Stadium eines Ermittlungsverfahrens – zulässig: Es bestehe der notwendige "Mindestbestand an Beweistatsachen" für Missstände im Verein. Der Senat riet zur Rücknahme der Berufung.

Dies ist nun erfolgt: Die Berufung wurde zurückgezogen. Allerdings nicht, weil die Vorstände ein Fehlverhalten einräumen. "Die Rücknahme erfolgt ausschließlich zwecks Vermeidung weiterer Kosten", so Anwalt Marvin Schumacher (Berlin).

Parallel dazu erklärten die beiden Vorsitzenden am Montag in einer Stellungnahme, veröffentlicht auf Facebook und der Vereinshomepage, ihren Rückzug. Wörtlich heißt es: "Nach langen Überlegungen haben wir uns dazu entschlossen, unsere Position als Vorstände von Karolina e.V. nur noch so lange zu begleiten, bis die von uns für den Verein getroffenen Zahlungsverpflichtungen vollständig abgegolten sind." Dabei handle es sich um "Zahlungen, die gemäß unserer Satzung geleistet werden". Der Verein ist damit nicht aufgelöst. Eine Weiterführung sei Entscheidung der Mitglieder.

Für "Öffentlichkeitsarbeit"

Im ersten Vereinsjahr sei ein Großteil der Spenden für "Öffentlichkeitsarbeit" ausgegeben worden, heißt es nun. "Hinter dieser Entscheidung stehen wir uneingeschränkt." Erst durch die Öffentlichkeitsarbeit habe der Verein Unterstützung erhalten und Kontakte knüpfen können, um an Informationen über Fälle und Kinder in Not zu kommen.

"Wir hatten große Ziele mit dem Verein", schreiben die Vorsitzenden. 2019 habe man mit der Planung eines "Familienzentrums" beginnen wollen. Um dies zu realisieren, "hätten wir noch weit mehr als 50000 Euro, wie uns vorgeworfen wurde, ,bunkern‘ müssen".

Damit spielen die Vorstände auf die Gerichtsverhandlung an, zu deren Ende die Vorsitzende zwei Zahlen nannte. Sie gab an, dass der Verein 50 000 Euro eingenommen und 2017 und 2018 je 10 000 Euro ausgegeben habe. Für den Richter stellte sich die Frage, "warum ein Verein, der klagt, dass für misshandelte Kinder zu wenig getan werde, Spenden in Höhe von 30 000 Euro bunkert, ohne sie für die Kinder zu verwenden".

Zufrieden mit dem Ausgang des Verfahrens ist auch der Vertreter von Oberpfalz-Medien, Anwalt Dr. Andreas Schröder (Nürnberg). "Es ist dem Kläger bis zum heutigen Zeitpunkt nicht ansatzweise gelungen, die augenscheinlichen Ungereimtheiten zu entkräften." Der Anfangsverdacht habe sich noch erhärtet.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern nach wie vor an.

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