Wechselspiel zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion

Der Würzburger Künstler Stephan Pfeiffer stellt seine "Zwischenwelten" bis 29. März im Kunstbau Weiden aus. Die Collagen des Malers scheinen auf den ersten Blick keinerlei Sinn zu ergeben. Deswegen lohnt ein zweiter Blick.

Stephan Pfeiffer vor Arbeiten von seiner Ausstellung "Zwischenwelten" im Kunstbau Weiden.
von Helmut KunzProfil

Es waren Kubisten, eher noch die schlimmen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg, mit seiner zerstückelten Hinterlassenschaft, die den Nährboden für die Collage-Kunst gelegt haben. Ihre zerrissene Welt, die Menschen damals vorgefunden haben, die Entfremdung, Desillusion, ihre ganz persönliche Erfahrung damit, veranlasste Kunstschaffende eine völlig neue Bildsprache zu entwickeln.

Die elf Arbeiten des oberfränkischen Künstlers Stephan Pfeiffer, die seit Samstag unter dem Titel "Zwischenwelten" im Kunstbau Weiden zu bewundern sind, kombinieren Räume, Figuren und Dinge in einem Kaleidoskop der Farben und Strukturen. Den Betrachter zieht es dabei in eine rätselhafte und poetische Bilderwelt, die mit einem Wechselspiel zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion dazu einlädt, das Unbekannte zu begrüßen.

Der in Würzburg geborene Künstler ist studierter Sozial- und Verhaltenswissenschaftler und ausgebildeter Maler. Er nähert sich der Kunst somit aus unterschiedlichen Blickwinkeln, was man an seinen Arbeiten auch deutlich sieht. Übergänge, sanfte Schnittstellen und das Miteinander mehrerer Ebenen, schaffen einen Freiraum, der, wie vom Künstler erwünscht, neue Entdeckungen ermöglicht.

Pfeiffers Collagen scheinen auf den ersten Blick keinerlei Sinn zu ergeben. Pauschal lassen sich seine Werke auch nicht beschreiben. Da ragen zum Beispiel Hände aus Papiertüten mit nackten Füßen, die sich wiederum auf der Wasseroberfläche halten. Daneben steuert ein Rad den Wasserdruck. Fantasie oder Realität?

Die Arbeit, die der Künstler „Er denkt Etwas“ nennt, ist das gestalterische Ergebnis einer Ausschreibung des von längerer Trockenheit geplagten Landkreises Haßberge zum Thema Wasser und Lebensqualität. Auch bei anderen seiner Bildern beschäftigt sich der Künstler mit der Wasser-Thematik.

Gleich das erste Exponat neben der Tür zeigt den „Wassergott“ mit einem Fisch im Mantel. Der Kopf ist Gesicht eines von Pfeiffers r Söhnen, den er in der Collage als Wassergott dargestellt hat. „Ich stelle hier Papierarbeiten aus, die alle aus eigenen Fotos, Katalogen, Modezeitschriften oder gesammelten alten Fotobüchern stammen.“ Pfeiffer liebt die Arbeit mit Collagen. Vor drei Jahren hat er damit intensiv begonnen. Er macht das, weil diese Kunstform sehr viele Ausdrucksmöglichkeiten ermöglicht und die Technik heute nicht mehr so eingeschränkt ist, wie in den Urzeiten der Collagen.

Seine Bilder haben allesamt symbolischen Charakter aus seinem privaten Umfeld. Sind somit nicht für Jedermann sofort verständlich. "Ich kann assoziieren. Ich kann aber niemals eindeutig das Kunstwerk erschließen", sagte Ausstellungsleiterin Irene Fritz. Der Künstler mischt seine Bilder je nach Thema. „Interessant dabei ist, dass immer wieder neue, eigenständige Sachen entstehen, die mit den ursprünglichen eigentlich gar nichts mehr zu tun haben", erzählt er bei der Vernissage. Das bedeute nicht, dass die Bilder keine Aussagekraft hätten. „Jedes Bild hat einen Titel, was ja schon mehr oder weniger einen Hinweis darauf gibt, womit sich das Bild beschäftigt.“

Wer sich auf Pfeiffers Collagen einlässt, erkennt ihre starke Aussagekraft und Präsenz. Auch, wenn der eine oder andere Titel irreführend ist, spiegelt sich darin wider, was er in seinem persönlichen Umfeld oder auf politischer oder natürlicher Ebene wahrnimmt. Auf der ästhetischen Spielwiese der Tonwerte, Muster und linearen Elemente entstanden Kombinationen, die berühren und bei aller Ferne das Fremde vertraut machen. Die Ausstellung dauert noch bis zum 29. März.

Stephan Pfeiffer vor seiner Collage "Er denkt Etwas", eine Arbeit anlässlich einer Ausschreibung des Landkreises Haßberge, der zu dieser Zeit von einer längeren Trockenheit geplagt war.
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