Unter Weidener Regie: Schleuserring zerschlagen

Unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Weiden ist ein internationales Schleusernetzwerk zerschlagen worden. 78 deutsche Bundespolizisten und 65 rumänische Polizisten waren im Einsatz. Die Ermittlungen richten sich gegen 36 Personen.

Blick in einen der Schleuser-Lkw.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Diese sollen für die Schleusung von mindestens 580 Menschen nach Deutschland verantwortlich sein. Die Ermittler gehen von einem Schleuserlohn von über zwei Millionen Euro aus. Beim "Common Action Day" am Mittwoch wurden 13 Wohnungen in Rumänien sowie in Bayern und Nordrhein-Westfalen durchsucht. In Rumänien erfolgten vier Festnahmen.

Fünf Staaten beteiligt

"Mit den heutigen Maßnahmen ist es gelungen, das Netzwerk zu zerstören", meldet das Bundespolizeipräsidium Potsdam. "Die Strafverfolgungsbehörden der beteiligten Staaten haben die richtige Antwort gefunden: Der Mensch ist keine Ware", wird Präsident Dieter Romann zitiert. Auch der Erfolg ist international: Seit 2018 bilden Ermittler aus Großbritannien, Ungarn und Rumänien ein JIT (Joint Investigation Team) mit der Bundespolizei, unterstützt von Europol und Eurojust. Zusammenarbeit bestand zudem mit der türkischen Polizei.

Ausgangspunkt waren Schleuserfahrten über die tschechische Grenze nach Waidhaus. Syrer, Iraker und Iraner waren auf den Ladeflächen von Lkw ins Land gebracht worden. Die vier rumänischen Fahrer sind dafür vom Weidener Land- und Amtsgericht schon zu Haftstrafen bis zu 5 Jahre 3 Monate verurteilt worden. Ein fünfter Fahrer wurde in Ungarn verurteilt. Die Migranten waren über die Türkei und Griechenland ins rumänische Timisoara gebracht worden. Dort startete die letzte Etappe nach Deutschland. Bis zu 40 Geschleuste, darunter Frauen und Kinder, kauerten rund 17 Stunden auf engsten Raum, teils auf der jeweiligen Ladung. Die Bundespolizei Waidhaus/Bärnau ermittelte.

Hintermann in London

Im März 2019 war es gelungen, einen Drahtzieher in London festzunehmen: Rayan S. (39), ein Brite, der aus dem Nordirak stammt. Er befindet sich in Auslieferungshaft in Großbritannien. Weitere vier mutmaßliche Helfer des Schleuserrings wurden im März in Österreich festgenommen, zehn in der Türkei.

Die deutschen Behörden stimmten sich im September mit der Hauptabteilung zur Bekämpfung der Schleuserkriminalität der türkischen Nationalpolizei ab. Im Ergebnis schlug das Polizeipräsidium Istanbul zu: Dabei wurde von 14 Zielpersonen 9 aufgegriffen und 2 verhaftet. Der Schwerpunkt lag in Istanbul, aber auch in den Provinzen Mardin, Batman und Hatay. Sichergestellt wurden gefälschte Pässe, Silikonstempel, ein 3-D-Drucker für Reisepassfälschungen und Geld.

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