Wissenschaftstag der Metropolregion Nürnberg: So arbeiten wir morgen

Arbeit und Bildung 4.0 ist eines der zentralen Themen des Wissenschaftstages der Metropolregion Nürnberg am 19. Juli in Weiden. Das Digitale verändert die Arbeitswelt - schon jetzt. Auch in der Oberpfalz

Arbeit im Würfel:Bei S@ON-Mitarbeiterinnen Julia Urban (links) und Lena Kraus denkt man nicht an Sparkasse.
von Siegfried BühnerProfil

Die Chefs im Stockwerk oben, nur übers Vorzimmer erreichbar. Im Labyrinth der Einzelbüros darunter verirrten sich die Besucher. Schalter waren dann geschlossen, wenn die Kunden Zeit hatten. Und kaum jemand hat sich darüber beschwert. Heute ist das längst unvorstellbar. Die Digitalisierung hat auch die Bürowelt revolutioniert.

Eine Bankfiliale benötigt auch im digitalen Zeitalter Mitarbeiter, doch "wir haben bei S@ON keine fest zugeordnete Arbeitsplätze" sagt Martina Birner, Bereichsleiterin Privatkunden und stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Oberpfalz Nord. Der Teamleiter sei längst nicht immer vor Ort, "die Verantwortung ist auf das Team verlagert", jeder Mitarbeiter entscheidet selbst, wie er den Wunsch des Kunden erfüllt und wann er in der Zeit zwischen 9 Uhr und 19 Uhr anwesend ist, sagt Birner.

Ohne Papier

Architektur, Einrichtung und Ausstattung der im E-House in Weiden vor achtzehn Monaten eröffneten ersten digitalen Bankfiliale S@ON Deutschlands lassen an keiner Stelle erkennen, dass dort Bankkunden betreut werden. Abgeschlossene Räume gibt es im 250 Quadratmeter großen Erdgeschoss nicht. Sitzecken, Hocker, Besprechungsnischen und ein Versammlungstisch bestimmen das Bild. Der Blick fällt auf umrahmte Sitzbereiche, sogenannte Cubes, in denen Mitarbeiter am Laptop arbeiten oder mit Kunden online kommunizieren. Gearbeitet wird völlig papierlos, Visualisierungen sind an der "Idea Wall", der digitalen Wand, möglich. S@ON liefere die Vorlage für die Umgestaltung der Geschäftsstellen, betont Birner. Kunden- und Mitarbeiterbedürfnisse sollen im Mittelpunkt stehen.

Das gilt auch im Space Office der Samhammer AG: Arbeitsumgebungen aus dem Silicon Valley fast eins zu eins nach Weiden übertragen. Mitarbeiter, die "kreativ und leistungsaktiv" sein wollen, wechseln laut Gründer Norbert Samhammer ständig die Umgebung. Freizeit- und Arbeit gehen ineinander über.

Die Arbeitsumwelt bei der Sammhammer AG.

Der "Walk'n Talk- Raum" ist voller High Tech Video- und Telefonsysteme". Wer gerne im Gehen telefoniert, kann das auf den im Teppichboden integrierten Ovalen tun. Eine "loungige Atmosphäre" bietet der schneckenförmige "Scrum-Room". "Cinema" mit Moderationswand, Projektionstechnik und Gestenbedienung, Surroundsysteme, zahlreiche White- und Magnetboards sind weitere Ausstattungselemente. Licht, Farbe und natürliche Wandmoosflächen sollen fürs Wohlbefinden der Mitarbeiter sorgen. Praktiziert werde "agile Führung" für "handlungsfähige Mitarbeiter und Teams gepaart mit Vertrauenskultur" als Grundvoraussetzung zur Lösung komplexer Aufgabenstellungen. Um sich zurechtzufinden müsse bereits in der Ausbildung gruppenorientiertes Denken geschult werden.

Diese Thematik greift das Panel Arbeit und Bildung am Wissenschaftstag der Metropolregion am 19. Juli in Weiden auf. Panelleiter Professor Bernt Mayer warnt "mancher ist mit agiler Führung überfordert". Erforscht werden müsse, was zu tun ist, damit der durchschnittliche Mitarbeiter kreativ wird. Die Wirtschaftspsychologie müsse bei der Entwicklung und Einführung digitaler Technik eingebunden sein. "Technik wird immer verhaltensorientierter", sagt Mayer. Den Mitarbeitern müsse Angst und Unsicherheit genommen werden. Die Forschung stehe hier erst am Anfang. Damit Behinderte eingegliedert werden können, verweist der zweite Panelleiter Professor Gerald Pirkl auf die Entwicklung geeigneter Assistenzsysteme. Auch hier gibt es noch wenig fertige Lösungen.

Aktuell und Wissenswert

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