Zöllner als Schreibtischtäter: Die Paket-Fahnder aus Weiden

Der Versandhandel wächst und wächst und wächst. Und mit ihm der Versand von Drogen, Waffen und anderer Darknet-Produkte. Die Sicherheitsrisikoanalyse des Zollkriminalamts in Weiden hat diese im Fokus.

Wenn in Leipzig die Frachtflieger ankommen, dann wurde die Ladung vorab aus Weiden kontrolliert
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Wir sind eine Säule der deutschen Sicherheitsarchitektur", beschreibt Peter Mühlbauer, Leiter der Außenstelle dieser Bundesbehörde die anspruchsvolle Aufgabe der rund 80 Zollbeamten in Weiden. Eine Säule, von der sich die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesfinanzministerium, Christine Lambrecht, beeindruckt zeigt. "Die Sicherheitsrisikoanalyse hat eine besondere Bedeutung im Gesamtgefüge", begründet Uli Grötsch den gemeinsamen Besuch mit Abteilungsleiter Werner Turek vom Hauptsitz des Zollkriminalamts in Köln und Jürgen Wamser von der Generalzolldirektion in der Moosbürger Straße.

3,5 Millionen Sendungen

3,5 Millionen Sendungen im Monat haben die Oberpfälzer Risikoanalytiker am Schirm. "Rund 50 Prozent aller Pakete aus Nicht-EU-Staaten kommen nach oder über Deutschland", erklärt Mühlbauer. "Deutschland mit seinen großen Flug- und Seehäfen ist Dreh- und Angelpunkt auch für Lieferungen, die etwa vom Nahen Osten weiter in die USA verbracht werden." Einen Blick auf diese Waren können die Oberpfälzer natürlich nicht werfen. Ihre Ausrüstung: "Ein PC-Arbeitsplatz", erklärt der 52-Jährige aus Luhe.

"Wir gleichen die Anmeldedaten mit unseren Risikoprofilen ab und achten auf Auffälligkeiten." Die Risikoprofile ändern sich mit der politischen Großwetterlage: "Klar, dass derzeit Lieferungen aus Syrien anders betrachtet werden als aus Kanada,", erklärt Mühlbauer. Die Weidener Profis unterstützen die lokalen Zollstellen, die weder die Zeit noch den Zugriff auf entsprechende Software haben, um etwa festzustellen, dass der Empfänger eines Päckchens bereits mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt geraten ist. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche sichten und vergleichen die Beamten seit dem 1. Januar 2012 die außereuropäische Warenflut. Die Gründung dieser in Deutschland einmaligen Institution geht auf ein Datum zurück, das sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat: "Nach 9/11 hatte die EU-Kommission beschlossen, dass alle außereuropäischen Sendungen einer Prüfung unterzogen werden müssen", blickt Mühlbauer zurück. Nach der Grenzöffnung zu den damals neuen Mitgliedsstaaten in Mittelosteuropa bemühten sich Politiker aus der Region, die Behörde hier anzusiedeln - als Kompensation für die aufgelösten Grenzstationen.

Und so könnte die Arbeit in der Praxis aussehen - soweit sich Mühlbauer aus ermittlungstaktischen Gründen in die Zollkarten sehen lässt: Am Flughafen in Köln fällt ein Fedex-Paket mit einem gebrauchten Drucker ins Auge, der vom Nahen Osten über Deutschland in die USA geschickt werden sollte. "So einen Fall hatten wir tatsächlich einmal, das Paket wog 50 Kilo und der Preis für die Fracht stand in keinem Verhältnis zum Wert der Ware." Und tatsächlich: "Im Gerät war Sprengstoff versteckt." Die Plausibilitätsprüfung führte zum Erfolg. "Und wir verfeinern unsere Methoden ständig."

Drogen und Waffen

Ähnlich könnte ein Hinweis an die Kollegen in Leipzig ausgesehen haben, wo der Versender einer Tasche aus Pythonleder in einem DHL-Paket gegen das Artenschutzgesetz verstoßen hat. Der Empfänger eines UPS-Päckchens mit Grundstoffen zur Herstellung synthetischer Drogen aus dem Darknet musste einige Wochen warten, bis ein Labor des Zolls die Substanzen analysierte - und anstelle der Rauschmittel eine Anzeige in Empfang nehmen. Die Ladung einer halben Tonne in Frankfurt stach einem Kontrolleur ins Auge - die Waffenteile für ein Bürgerkriegsland wurden beschlagnahmt.

"Der Warenverkehr aus Drittländern steigt", stellt Mühlbauer fest - legale Waren genauso wie illegale. "Natürlich ist es einfacher, heiße Ware im Internet zu bestellen als sie im Park um die Ecke zu kaufen." Der Ehrgeiz der Weidener: "Wir versuchen mit möglichst vielen Ansätzen, relevante Daten zu bewerten." Weiden wird so zum virtuellen Nadelöhr für brisante Ware aus aller Welt.

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