Zurück zu den Ursprüngen

Die Max-Reger-Tage starteten am Freitag mit Highlights: Dem grandiosen Auftritt der Pianisten Markus Becker und Hinrich Alpers, mit deren exquisitem Programm und der brillanten Einführung durch Prof. Susanne Popp vom Max-Reger-Institut.

Den Auftakt der Max-Reger-Tage bestritten die beiden Pianisten Hinrich Alpers (links) und Markus Becker (rechts).
von Peter K. DonhauserProfil

Sie vermittelt launig-locker elementare Informationen zu den Werken, ihrer Entstehung, ihren Strukturen, sie knüpft Querverbindungen zu Geschichte, Kultur und natürlich auch zum Motto „Schlüsselwerke“ (von und für Reger) unter dem die Tage stehen. Dieses anspruchsvolle Referat trägt viel zum Verständnis und intensiveren Erleben der ebenso anspruchsvollen Musik bei.

Achtung: Urknall!

Mit einem wahren „Urknall“ beginnen Becker und Alpers dann das Konzert mit Regers Introduktion, Passacaglia und Fuge op. 96, sie wuchten die sieben einleitenden chromatischen Fortissimo-Akkorde des ersten Takts über die Rampe, zwei introvertierte Pianissimo-Takte folgen und schon wird klar: Die beiden gestalten die kleinsten Details: die extrovertierten Klänge erschlagen nicht, sie führen, die leisen zeigen eine unerwartet verletzliche Innigkeit. Diese Gleichgewichtigkeit von rationaler Durchdringung der Musik Regers, der Klarlegung ihrer Strukturen, ihrer schroffsten Kontraste, ihrer packenden Emotionen hat man selten so gekonnt, überzeugend, packend, mitreißend erlebt. Die Spannung trägt mit langem Atem das ganze Stück hindurch, sie vermittelt ein faszinierendes Reger-Erlebnis, das Bravorufe provoziert.

Humor trifft Esprit

Es geht zurück ins Jahr 1874, zu den Beethoven-Variationen op. 35 von Camille Saint-Saens, die Reger in seiner Wiesbadener Zeit 1890 gehört hat. Der französische Komponist hat dazu das Thema des Trio aus der Klaviersonate op. 31/3 von Beethoven gewählt mit seinen kuriosen Sprüngen um neun Töne nach oben („None“), die sich mit dem Anschein falscher Töne maskieren. In Hochachtung vor dem Meister wählt Saint-Saens eine geradezu klassizistische Sprache, scheint sich mit hintergründigem Humor an den Non-Sprüngen zu amüsieren, auf die er oft mit witzigem Esprit reagiert. Becker und Alpers servieren das Opus virtuos, mit der nötigen Leichtigkeit, mit humorigem Spaß am Spiel, an den vielen sich ergänzenden Dialogen der beiden Klaviere, mit Innigkeit, aber ohne die „Bedenker-Stirn“ philosophisch grübelnd zu runzeln.

B-A-C-H, Anfang und Ende aller Musik

Das dritte Stück ist die Passacaglia c-Moll BWV 582 für Orgel des von Reger so geschätzten Johann Sebastian Bach. Die Fassung für zwei Flügel von Isidore Philippe passt den Klang den Klaviermöglichkeiten an, Stimmen werden je nach Bedeutung beleuchtet oder in den Schatten gerückt, Transpositionen und Oktavierungen feiern fröhliche Urstände, manche Motive gewinnen an romantischer Expression, Vieles wirkt aber doch ganz schön pathetisch aufgedonnert. „Hört, wie ich für Bach glühe“ scheint Philipp immer wieder beteuern zu wollen. Als Zugabe Bach-Rheinberger-Reger, aus den Goldberg-Variationen.

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