23.11.2018 - 16:50 Uhr
WeiherhammerDeutschland & Welt

BHS Corrugated: Mit digitalen Lösungen gegen den Fachkräftemangel

Die Digitalisierung bietet Firmen in der Oberpfalz enorme Chancen. Denn mit ihrer Hilfe lassen sich drängende Probleme bekämpfen, zum Beispiel Fachkräftemangel. Wie das geht zeigen unter anderem die Bestrebungen von BHS Corrugated.

von tow Kontakt Profil

Die Firma hatte am Donnerstagabend Softwareentwickler, Maschinenbauer, Studenten und weitere Interessierte zu den "Lakeside Talks" in ihren Hauptsitz in Weiherhammer (Landkreis Neustadt/WN) geladen, um über den digitalen Wandel zu sprechen. Natürlich nicht ohne Hintergedanken. Denn BHS Corrugated ist einer der "Hidden Champions" aus der Oberpfalz, also eines jener Unternehmen, das Weltmarktführer in seinem Bereich ist, von dem Branchenfremde aber noch nie etwas gehört haben: Rund die Hälfte der Wellpappe in der westlichen Welt wird auf Maschinen des Anlagenbauers aus Weiherhammer produziert.

Die Nachfrage steigt, dem boomenden Versandhandel sei Dank. "Amazon ist weltweit der größte Kunde für Wellpappe", berichtet Christian Engel, Sprecher der BHS-Geschäftsführung. Pro Jahr werde weltweit so viel Wellpappe verbraucht, dass das Band von der Erde bis zur Sonne reichen würde. "Es ist eine Herausforderung, die Verfügbarkeit unserer Anlagen hoch zu halten und unsere Kunden vor Schaden zu bewahren."

Hier kommt die Digitalisierung ins Spiel. "Wir können keine innovativen Lösungen anbieten, wenn wir analog arbeiten", betont Engel. Christian Schieder ist bei BHS für die Digitalisierungsstrategie zuständig: "Digitalisierung ist eine riesige Chance für den ländlichen Raum, in dem wir hier sind", betont er. "Denn wir wachsen schnell - aber gute Leute sind schwer zu finden." Bei BHS Corrugated geht es dabei vor allem auch um Service-Techniker: Jeder Ausfall einer Wellpappen-Produktionsmaschine kostet Geld. "Unsere Abläufe müssen intelligenter und effizienter werden", sagt Schieder.

Ein Beispiel: Das Unternehmen hat nicht genügend Servicetechniker, die es ständig rund um den Globus zu den Kunden schicken kann. Also setzt sich ein weniger qualifizierter Techniker vor Ort in Spanien, in den USA oder in Indien ein Gestell auf den Kopf, in das eine Kamera und ein Kopfhörer integriert sind. Das Bild wird nach Weiherhammer übertragen. Die dortigen Spezialisten können den Technikern vor Ort konkrete Anweisungen geben. "Das ist nichts anderes, als Skype auf dem Kopf", beschreibt Schieder.

Ein anderer Anwendungsfall sind vorausschauende Wartungstechniken. Das Szenario ist hier folgendes: Zig Sensoren messen jeden Wert in einer Maschine, Kameras überprüfen jede Bewegung. Dass beim Erreichen einer Abnutzungsgrenze ein Alarm ausgelöst wird, ist klar. Spannender ist jedoch, dass auch Vorhersagen möglich sind. "Wir können durch Messungen die Abnutzung auch vorausberechnen und unseren Kunden rechtzeitig ein neues Teil zu Verfügung stellen", erklärt Schieder. Die Berechnungen beziehen dabei auch lokale Besonderheiten mit ein, also zum Beispiel Temperatur oder Luftfeuchtigkeit.

Auch das Thema "wearable devices" hat den Maschinenbau erreicht. Die Anlagen der BHS Corrugated stehen in riesigen Hallen. Wenn ein Servicetechniker hier nun ständig von A nach B laufen muss, ist das nicht sehr effizient. Hier kommt Technik der Softwareschmiede Maxsyma Automation and Data aus Floß zum Einsatz. "Die Information muss direkt zum Bediener der Anlage gebracht werden, egal wo er sich befindet", erläutert deren Gesellschafter Stefan Schönig.

Maxsyma setzt dabei auf Smartwatches. So können Bediener der Produktions-Anlagen Informationen wie die Restlaufmeter der Wellbahn, die Zeit bis zum nächsten Rollenwechsel oder die Stapelhöhe am Handgelenk ablesen. "Es lässt sich sogar die Wölbung der Wellpappe auf der Smartwatch verändern", sagt Schönig.

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