05.04.2019 - 21:02 Uhr
WeiherhammerDeutschland & Welt

"Oberpfalz? Ich dachte, das muss nördlich von Kaiserslautern sein"

Eine Verwechslung spülte den Österreicher Charly Schlömmer in die Oberpfalz. Weil es ihm hier gefiel, blieb er. In unserer Rubrik "Zugroast" erzählt der 61-Jährige, warum er sich nicht als Oberpfälzer sieht - und wo "Bayerisch-Kongo" liegt.

Charly Schlömmer will hier nicht mehr weg:
von Julian Trager Kontakt Profil

Der Österreicher Charly Schlömmer (61) stammt aus Radstadt im Salzburger Land und lebt seit 1978 in der Oberpfalz, aktuell wohnt er in Weiherhammer. Früher war er in der Gastronomie tätig, später betrieb er die Kult-Disco "Burgblick" in Oberviechtach, heute hat er einen Foodtruck. Schlömmer erzählt, wo Bayerisch-Kongo liegt, warum er sich nicht als Oberpfälzer sieht und wie er überhaupt in die Oberpfalz kam.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Charly Schlömmer: Nein, überhaupt nicht. Ich habe schon in vielen verschiedenen Regionen in Deutschland gearbeitet. Warum der Oberpfälzer als Sturkopf gilt, verstehe ich nicht. Ich kenne Regionen, wo die Leute viel komischer sind.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich bin ja nur durch ein Versehen in die Oberpfalz gekommen. Ich habe in deutschen Kaufhäusern gearbeitet, bei Karstadt, Quelle und so. Ich wollte viel von Deutschland sehen, war in Düsseldorf, Gießen, in der Nähe von Bremen. Dann bekam ich ein Angebot von Hertie, in Weiden in der Oberpfalz. Ich dachte damals, das muss die Region nördlich von Kaiserslautern sein – und habe den Vertrag unterschrieben. Danach habe ich im Atlas nachgeschaut, aber die Stadt nicht gefunden. Als ich die Postleitzahl sah, wusste ich, dass Weiden in Bayern liegt. Da hat’s mich schier getroffen – war ja direkt am Eisernen Vorhang. Aber scheiß drauf. Mir hat es von Anfang an gefallen, habe coole Leute und ein Mädel kennengelernt. Dann bin hier ich hängengeblieben.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Eigentlich nicht. Mir reicht es, wenn ich im Jahr ein paar Mal zum Skifahren runter fahre – aber nicht da, wo ich herkomme. Da ist mir zu viel los. Aber ganz zurück will ich nicht mehr, meine Freunde sind hier.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Ich brauch da gar nicht viel erzählen. Die sind vor allem überrascht, wie günstig es hier ist. In Salzburg kostet ein bier fünf Euro, bei uns in den Kneipen zahlst die Hälfte. Die finden die Gegend hier cool, haben einen sehr positiven Eindruck. Es sei nicht der Arsch der Welt. Nur eins wurde mal bemängelt: Dass der ganze Wald kaputt ist, durch die Borkenkäfer.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Total, da brauchen wir nicht drüber reden. Meine Frau ist aus Rötz, das ist Bayerisch-Kongo, viel mehr als in Weiden. Viele Oberpfälzer meinen, wenn sie mich reden hören, dass ich aus Niederbayern bin. Das meinen die Leute in Österreich übrigens auch. Mein Österreichischer und Oberpfälzer Dialekt müssen sich vermischt haben.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Wahnsinnig schwierige Frage. Eher nicht, weil ich im Vergleich zu einem Oberpfälzer doch viel unterwegs bin. Der Oberpfälzer ist für mich sehr heimatverbunden, und ich bin einer, der mal auch für zwei, drei Monate wo anders sein kann. Trotzdem ist die Oberpfalz meine Heimat.

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Serie "Zugroast":

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, aus dem Ruhrpott oder aus Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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