Wernberg-Köblitz
13.12.2018 - 19:55 Uhr

Milchbauern fordern faire Verträge

Nicht alles, was die Wirtschaft regelt, ist marktwirtschaftlich. In der Milchwirtschaft legen Genossenschaften Preise im Nachhinein fest - zu Lasten der Erzeuger. Die wollen das mit einer EU-Novelle ändern. Die Industrie wehrt sich.

Keine Selbstverständlichkeit: Albert Pröpster (rechts), Vorstand der MEG Milch-Board w.V., und dessen Geschäftsführer Philipp Groteloh plädieren für Verträge, in denen Preis und Menge klar definiert sind. Bild: jrh
Keine Selbstverständlichkeit: Albert Pröpster (rechts), Vorstand der MEG Milch-Board w.V., und dessen Geschäftsführer Philipp Groteloh plädieren für Verträge, in denen Preis und Menge klar definiert sind.

In einer sozialen Marktwirtschaft sollte es fair zugehen. Faire Löhne für gute Leistung. Theoretisch. In der Praxis finden mächtige Marktteilnehmer immer wieder Wege, schwächere Glieder in der Nahrungskette zu übervorteilen. "Bei kleinen Genossenschaften, die demokratisch funktionieren, haben die Milchbauern noch Einfluss auf die Ausrichtung", erklärt Albert Pröpster, Vorstand der MEG Milchboard w.V., bei einer Info-Veranstaltung des Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) in Wernberg-Köblitz. "Bei vielen läuft es so", bringt es BDM-Vertreter Hans Mois auf den Punkt, "du lieferst alles an mich, den Preis sage ich dir später." Andienungspflicht nennt man das, und immerhin 70 Prozent der Milcherzeuger sind genossenschaftlich gebunden.

"Studien zeigen, dass dies den Wettbewerb ausschließt", ergänzt Pröpster. Vielen Genossenschaften könne die Liefermenge egal sein: "Sie verdienen dann eben über die Masse." Dieses Dilemma will der Wirtschaftsverein auflösen. "Das Bundeskartellamt schreibt im Sektorbericht ,Milch', dass diese Situation eine automatische Preisspirale nach unten auslöst." Nach dem Ende der Quote gerät bei anhaltend niedrigen Preisen die Andienungspflicht der gesamten in Deutschland erzeugten Milch in die Kritik. "Mit den Milcherzeugungskosten hat das nichts zu tun", kritisiert Milch-Board-Geschäftsführer Philipp Groteloh die gängige Praxis. Und es kommt noch schlimmer: "Die schlechteste Molkerei gibt das Preisniveau vor", zitiert er aus einer vom Verein in Auftrag gegebenen Studie zur Wertschöpfung der Molkereien.

"Diejenigen, die im großen Stil den Billigmarkt mit Milchpulver versorgen, diktieren den Niedrigpreis." Wer Milchprodukte veredelt und gut vermarktet, könne auch mehr bezahlen. Das dokumentiere die Wertschöpfungsstudie: "Bisher haben alle immer nur die Deckungsbeiträge der Milchbauern ausgerechnet", kritisiert Pröpster, "noch nie hat jemand geschaut, was die Molkereien daraus machen." Das Fazit sei eindeutig: "Milliardenkonzerne, die sich noch immer Genossenschaften nennen, diktieren Niedrigpreise durch die Konzentration auf Billigprodukte wie Milchpulver."

Billiger Rohstoff

Gegen dieses Monopol sieht die Gemeinsame Marktorganisation der EU mit dem neu gestalteten Artikel 148 ein Instrument vor: "Die bisherige Andienungspflicht gibt Milchbauern keinen Einfluss auf Preis und Menge", sagt Pröpster, "aber solche Verträge können angeordnet werden und die Politik scheint das aufzugreifen." Noch sei es zu früh für Zweckoptimismus: "Die Industrie wehrt sich mit allen Mitteln dagegen und das Ministerium kann einen Vertrag anordnen, muss aber nicht." Die Milchindustrie stehe auf dem Standpunkt: "Wie es jetzt ist, ist es perfekt", erläutert Pröpster, "wir bekommen einen billigen Rohstoff und haben kalkulatorisch keine Rohstoffkosten."

Mit Unterstützung des Kartellamts:

2007 gründen Landwirte die Milcherzeuger Gemeinschaft Milch-Board w.V. (wirtschaftlicher Verein) auf der Grundlage des Agrarmarktstrukturgesetzes – genehmigt von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Ziel ist, mit der bundesweiten Vertretung den Milcherzeugern einen fairen Marktzugang zu ermöglichen. Der Zusammenschluss wird vom Bundeskartellamt, der Europäischen Kommission und dem EU-Rechnungshof begrüßt, damit die Milchviehwirtschaft einen kostendeckenden Rohmilchpreis erwirtschaften kann.

 
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