11.07.2019 - 13:17 Uhr
WindischeschenbachDeutschland & Welt

Holz zum Singen bringen

Stefan Köllner ist Bassbauer. Das Instrumentebauen hat sich der Quereinsteiger selbst beigebracht. Im Nordosten Bayerns ist der 51-Jährige der Einzige, der solche Unikate in Handarbeit herstellt und anbietet.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Aus Liebe zur Musik und zum Holz wurde vor ein paar Jahren für Stefan Köllner mit der eigenen Bassmanufaktur ein Traum wahr: Angefangen hat alles mit einem Bass, bei dem dem Windischeschenbacher die Potiknöpfe nicht gefielen. "Das passte nicht", fand der Musiker und fertigte selbst welche aus Ebenholz zu seinem Instrument. Aber irgendwie passte der Korpus nicht recht zu den selbst gemachten Knöpfen. "Dann bau ich eben einen Bass zu den Knöpfen", dachte sich Köllner. Diese ersten Gehversuche startete er 2010 und merkte: "Das wird was." Besonders stolz war er, dass sein erstes selbstgebautes Instrument gleich spielbar war. Vor sieben Jahren stellte er dann mit dem Modell "Arcona" seinen ersten marktfähigen Bass her. Im Oktober 2012 folgte in der Kellerwerkstatt die Gründung seiner Firma "Köllner Bass-Instruments".

Dass die Einzelstücke qualitativ hochwertig sind und der Quereinsteiger ordentlich Talent hat, erkannte das Fachpersonal bei BTM-Guitars in Nürnberg. Dort stellte er sein Modell "Arcona" vor. Im Musikgeschäft waren die Mitarbeiter nicht abgeneigt das "mordsmassive Teil" zum Probespielen dazubehalten. Dort bekam ihn der damalige Chefredakteur der Fachzeitschrift "Bassquaterly" in die Hand. Einen seiner Redakteure ließ er einen Testbericht über das Unikat schreiben. Das Lob der Fachleute motivierte den 51-Jährigen zum Weitermachen.

Absoluter Geheimtipp

Dennoch blieben die Einzelstücke des Windischeschenbacher Bassbauers ein Geheimtipp. Über sich selbst sagt Köllner: "Ich bin ein guter Bassbauer, aber ein schlechter Geschäftsmann." In sieben Jahren hat er insgesamt 15 Bässe gebaut. Verkauft sind allerdings erst zwei.

"Das Geschäft auf dem Musikinstrumentemarkt ist hart", sagt der handwerkliche Musiker und spezialisierte sich deshalb auf maßgeschneiderte Bassgitarren. Auf einem von Köllners Unikaten spielt etwa der in Musikerkreisen bekannte Studio- und Tour-Bassist Ulli Schmutzer. Der Musiker stand schon mit Howard Carpendale, Nicki, Michele und weiteren Promis auf der Bühne. Köllner fertigte das Instrument genau nach den Wünschen des Musiker-Kollegen. Die gemeinsame Arbeit am Instrument machte dem Erbauer viel Spaß - mehrere Monate intensive Zusammenarbeit und Nachbessern steckten im Fünfsaiter. Feinheiten, wie die Halsstärke, passte der Bassbauer exakt an die Bedürfnisse des Spielers an. Mehrmaliges Probespielen während des Fertigungsprozesses war dazu nötig. "Die Bässe, die ich baue, sind absolute Maßanfertigungen." Darin sieht Köllner seine Stärke. "Ich kann dem Spieler das Instrument auf dem Leib schneidern!"

Talente vereinen

Er selbst fing mit 15 Jahren an, Gitarre zu spielen. Später kam der Bass dazu. Aus langjähriger Erfahrung weiß er, worauf es bei einem guten Instrument ankommt. Als Quereinsteiger profitiert der Bassbauer von den verschiedensten Berufen, die er bereits ausübte. In der Metall- und Holzverarbeitung sowie in der Keramikbranche sammelte und optimierte er seine handwerklichen Fähigkeiten. Ob Holzarbeit oder Löten: Das Bassbauen ist sehr vielseitig. All seine Talente, sein Können und seine Leidenschaft fließen in den Bau.

Wo er seine Materialien herbekommt, musste der Oberpfälzer mühevoll recherchieren. Lesen, schauen, googeln, probieren, lernen. Der Kontakt zu Händlern und Spezialisten ist dem langjährigen Musiker wichtig. Er besucht sie gerne, sucht das persönliche Gespräch. Eine herausragende Rolle spielt dabei das Holz.

Klimatisiertes Holz

Köllner verwendet bestimmtes "Tonholz", das sich zum Instrumentebau eignet. "Jedes Holz ergibt in der Summe einen anderen Klang", weiß der Windischeschenbacher. Ahorn etwa habe einen eher höheren Klang, Nusshölzer klingen eher tief. Es muss gut abgelagert sein, damit es weniger als zehn Prozent Feuchtigkeit hat. Bei Eschenholz dauert das gut 70 Jahre. "Je länger, desto besser", sagt der musikalische Handwerker. Wichtig ist auch die gut klimatisierte Lagerung der verschiedenen Hölzer.

Ahorn, Esche, Pallisander, Zebrano sowie Harthölzer wie Wenge, Ovangkol oder Amaranth - das wegen seiner violetten Färbung auch Purpleheart genannt wird - kommen zum Einsatz. Aber auch Kastanie, Myrthe, Kampfer, Walnuss, afrikanische Wurzelhölzer, etwa wie "Black Limba", und geröstete Hölzer lagern im klimatisierten Nebenraum. Der Oberpfälzer probiert bei jedem Stück etwas Neues aus. "Das ist ja das Spannende!"

Unikate für Profis

Auch die Konstruktion des Fünfsaiters, so wie Köllner seine Einzelstücke baut, sei entscheidend. Er setzt dabei auf ein klares, modernes Design, verzichtet auf Schnörkel oder Zickzack. Neben dem Arcona designte der Musiker 2016 das Modell Spectra. Die Arbeitsstunden, die der 51-Jährige in seiner Werkstatt im Keller verbringt, zählt er nicht. Etwa drei Klangkörper baut er im Jahr. "Ich baue immer wieder abends nach der Arbeit an den Bässen, manchmal an mehreren gleichzeitig. Ich lasse mir Zeit", sagt er. Alles an seinen Instrumenten ist Handarbeit, außer die Tonabnehmer sowie die Elektronik oder die Saiten. Ein Unikat kostest zischen 2400 und 4300 Euro. Alleine für die Materialien zahlt Köllner rund 800 Euro. Von seiner Kundschaft her richtet er sich mit seinen Einzelstücken an Profi-Musiker und erfahrene Bassisten, an Spieler "die wissen was sie wollen".

Köllner spielt natürlich auch selbst einen seiner "Erstlingsbässe", wenn er als Mitglied der Band "Effi & Konsorten" auf der Bühne steht. Ein robustes Stück, wenn auch nicht das schönste, findet er. Der Musiker steht auf schwere, rockige Bässe. "Da muss man was in der Hand haben."

Lieber ohne Handschuhe

"Große Fehlversuche oder Rückschläge hatte ich nie", sagt der verheiratete Mann. "Toi, toi, toi! Ich hab mich noch nie versägt!", meint er und lacht. Und wenn, dann hätte er es noch richten können. "Spieße hab ich mir dafür schon oft eingerissen." Der Windischeschenbacher arbeitet dennoch lieber ohne Handschuhe. "Da hat man mehr Gefühl." Und Gefühl liegt viel in seiner Arbeit. Er ist für das Grobe ebenso zu haben wie für das Feine. Zärtlich streicht er mit dem Schleifpapier über den Korpus, bis er so aussieht, wie es sich der 51-Jährige vorstellt. Seine Lieblingsbeschäftigung: "Schleifen, schleifen, schleifen." Er könnte es sich auch leicht machen und das Instrument nur mit Maschinen bearbeiten. "Aber das macht mit am meisten Spaß, wenn man sieht, wie das Holz die Kanten verliert und die feinen Maserungen langsam zum Vorschein kommen - durch Menschenhand. Wenn man drüber schleift, hört man das Holz, wie es anfängt zu singen."

Die Maschinen, mit deren Hilfe Köllner das Holz zum Bass werden lässt, konstruiert er teils selbst. "Die kann man so nicht kaufen", sagt der Musiker. Mehrere Stationen macht der Bass durch. Der Hals wird extra gefräst und geschliffen, ebenso der Korpus. Dieser wird zunächst mit einer Schablone aufgezeichnet, ausgesägt und dann weiter bearbeitet. Die Fräsmaschine wandert von Arbeitsstation zu Arbeitsstation und wird in unterschiedliche Vorrichtungen gespannt. Damit die Einzelstücke auch glänzen, sprüht der Bassbauer zum Schluss einen speziellen Lack oder ein Holzöl zur Versiegelung auf das Instrument.

Außergewöhnliche Ideen

Seine Neugierde treibt Köllner an. "Ich bin noch nicht fertig", berichtet er von seinen Ideen. Eine ist schon umgesetzt: Ein Bass komplett aus Bambus - einer Gräsergattung. "Eigentlich denkt man, dass das Teil leicht sein sollte, aber der ist schon schwer." Das Instrument wiegt fünf Kilogramm - mehr als dessen hölzerne Kollegen. "Der Bambus-Bass klingt direkter und härter", sagt der Erbauer. "Wie bei jedem Unikat stellte sich das erst heraus, als er fertig war." Eine Idee für keramische Elemente in seinen Einzelstücken hat der Mann hinter "Köllner Bass-Instruments" auch schon.

Kontakt::

Stefan Köllner baut nicht nur Bässe, sondern hilft Musiker-Kollegen als „Bass-Doktor“ auch bei Problemen mit ihrem Instrument. Bei Interesse an einem maßgefertigten Bass oder zur Vereinbarung eines Termins zum Probespielen ist „Köllner Bass-Instruments“ in Windischeschenbach (Kreis Neustadt/WN) per E-Mail zu erreichen: info[at]koellner-bass[dot]de.

Zur Homepage von "Köllner Bass-Instruments"

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