07.05.2020 - 16:41 Uhr
WindischeschenbachDeutschland & Welt

"Es mou gäi"

Die Corona-Krise hat den Kulturbetrieb kalt erwischt. In einer Serie fragt die Kulturredaktion bei Künstlern aus der Region nach, wie sie mit der Situation fertig werden. Diesmal: Norbert Neugirg, Kabarettist, Musiker.

Norbert Neugirg von der Altneihauser Feierwehrkapell’n sieht der Coronakrise gelassen entgegen und hält nicht nur zu seinen Mitmenschen, sondern auch zu seinem Kühlschrank Abstand.
von Anke SchäferProfil

Seinen berühmt-berüchtigten, hintersinnigen Humor hat der Kommandant der Altneihauser Feierwehrkapell´n in der aktuellen Corona-Lockdown nicht verloren. Und obwohl ein Zeitungsinterview in der gastspiellosen Zeit auch nichts einbringt, hat sich Norbert Neugirg dennoch die Zeit dafür genommen und verrät sogar ein paar ganz spezielle Strategien für die neue Häuslichkeit:

ONETZ: Herr Neugirg, wo erreiche ich Sie gerade?

Norbert Neugirg: Ich pflege mich vorzugsweise dort aufzuhalten, wo der Abstand zur Arbeit am größten ist: im Bett. Dort erreichen Sie mich aber nur persönlich, sofern Sie vorgelassen werden. Aktuell sitze ich vor einem Bildschirm mit Ihren Fragen und sauge an meinem Gehirn, um dieselben zu beantworten.

Hier gibt es noch mehr zur Altneihauser Feierwehrkapell´n

ONETZ: Im Kalender der Altneihauser reiht sich Termin an Termin. Wie gehen Sie jetzt mit dem Hagel an Absagen und Verschiebungen um?

Norbert Neugirg: Mein Gott, was war schon alles da:
Hussiten, Pest und Cholera,
Bischof Müller und die Schweden,
was soll man da groß reden.....

Nachdem ich meine Kindheit in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts damit verbracht habe, mich vor dem Russen zu fürchten, der dann doch nicht kam, ist meine Schulter soweit erkaltet, dass ich sie Ihrem Hagel getrost zeigen kann. Da sage ich mir als Oberpfälzer "Es mou gäi" und "Des wird aaas". Alle unsere Gastspiele werden verschoben, die Karten behalten Gültigkeit, wer am Ersatztermin nicht kann, bekommt sein Geld zurück, basta! Wer es mit so vielen Wahnsinnigen zu tun hat wie ich, der ist bereits so verrückt, dass er den nun ausbrechenden Gutscheinwahn nicht mehr braucht, um vollends verrückt zu werden.

ONETZ: Wie schwer machen Ihnen die zu befürchtenden wirtschaftlichen Einbußen zu schaffen?

Norbert Neugirg: Meine Altneihauser kommen durch. Die arbeiten alle noch etwas Gescheites. Behaupten sie zumindest. Ich mache seit Jahren nix Gescheites mehr. In erster Linie zu schaffen machen mir das Weiterlaufen der laufend auflaufenden Kosten, permanent fehlschlagende Versuche, Einkünfte wieder einmal mit etwas Gescheitem zu erzielen und Zeitungsinterviews, die ebenfalls nichts einbringen.

ONETZ: Und womit füllen Sie jetzt die Tage erzwungener Häuslichkeit?

Norbert Neugirg: Der Frau aus dem Wege gehen, um häusliche Gewalt vermeiden. Abstand halten, vor allem zum Kühlschrank. Altkleidersäcke im Keller nach Mundschutz-fähiger Unterwäsche durchforsten und mit Versuchen, mich bei alten Knabenchören visuell als Gründungsmitglied darzustellen.

https://www.altneihauser.de

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