01.11.2019 - 21:52 Uhr
WindischeschenbachDeutschland & Welt

"Vereinskollegen kommen mir sprachlich entgegen"

Bei einem Betriebsausflug kam Harald Krapf nach Windischeschenbach – und blieb. In unserer Kolumne "Zugroast" erzählt der Hesse, was er in seine alte Heimat regelmäßig mitbringt.

Harald Krapf stammt aus Hessen und lebt in Windischeschenbach.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Der Zufall hat Harald Krapf nach Windischeschenbach (Kreis Neustadt/WN) gebracht. Der Informatiker, der aus Wildeck bei Bebra (Hessen) stammt und viele Jahre in München gearbeitet hat, kam bei einem Betriebsausflug in die Oberpfalz - und verliebte sich prompt in Windischeschenbach. Danach verbrachte er zwei Wochen Urlaub in der Region, bis klar war: "Hier will ich bleiben." Der 66-Jährige baute ein Haus und zog zum Rentenbeginn mit seiner Frau ein.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Harald Krapf: Für die meisten Windischeschenbacher trifft das nicht zu. Ich erlebe sie aufgeschlossen und freundlich Fremden gegenüber.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Im Prinzip haben mich Bekannte darauf hingewiesen, dass hier gebellt wird. Aber diejenigen, die das gesagt haben, waren noch nicht hier. Ich kann das jedenfalls nicht bestätigen.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Ich habe mich bewusst für Windischeschenbach entschieden. Die Landschaft hier ist so ähnlich wie in meiner alten Heimat in Nordosthessen. Ich fahre etwa drei bis vier Mal zu Festlichkeiten zurück und bringe immer ein kleines Zoiglfässchen mit.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Ich erzähle als erstes von den Zoiglstuben, von der Aufgeschlossenheit und Geselligkeit, die dort herrschen. Wenn Besuch kommt, plane ich einen Ausflug ins Waldnaabtal und zur Blockhütte, auch ins Waldnaabtalmuseum in Neuhaus. Das ist sehr schön.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Bier geht gar nicht, hier muss man Zoigl trinken. Meine Vereinskollegen kommen mir sprachlich entgegen, damit ich mich mit ihnen unterhalten kann.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Ich fühle mich in Windischeschenbach aufgenommen. Es ist aber auch schön, wenn ich im Ort der Hesse bleibe.

Serie "Zugroast":

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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