15.05.2020 - 10:47 Uhr
WinklarnDeutschland & Welt

Geisterspiele auch für Pinsel und Leinwand

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Zwölf Spiele, zwölf Bilder: Die Künstlerin Katharina Gierlach aus Winklarn (Kreis Schwandorf) folgt dem Fußball beim 1. FC Köln mit dem Pinsel. Doch jetzt schleicht sich das Coronavirus auch in die Welt aus bunten Farbtupfern.

Zwölf Mal anders, und doch ähnlich: So hat Künstlerin Katharina Gierlach die Heimspiele des FC Köln gemalt. Doch erst mit fünf weiteren Partien ist das Projekt komplett, und dabei fehlt ihr ein reizvolles Element:
von Monika Bugl Kontakt Profil

Zwölf Spiele hat Katharina Gierlach in dieser Bundesligasaison schon auf Leinwand gebannt. Szenen auf dem Rasen, die Atmosphäre in den dicht gedrängten Zuschauerreihen im vorgegebenen Rahmen der Stadion-Architektur: Das findet die Künstlerin mit Wohnsitz in Winklarn und Köln schon seit Jahren faszinierend. Im Rhein-Energie-Stadion hat sie eine Dauerkarte, kreuzt dort mit einer 30 mal 24 Zentimeter großen Leinwand, Ölfarbe und Pinsel auf, um in der Tradition der Pleinairmalerei (Freilichtmalerei) ein Erlebnis einzufangen, das so nur vor Ort zu haben ist. Doch damit ist jetzt Schluss.

Online-Katalog zum Kunstprojekt:

"Jetzt werde ich wohl Geisterspiele malen müssen", seufzt die Künstlerin. Das Coronavirus hat ihr FC-Köln-Plein-Air-Projekt infiziert: Von eigentlich 17 Heimspielen konnten so wie ursprünglich geplant direkt im Stadion nur zwölf Bilder gemalt werden. "Die letzten fünf Heimspiel-Bilder werden wohl vor der TV-Übertragung entstehen", bedauert die 37-Jährige. Das bedeute nicht nur ein verändertes Motiv aufgrund des leeren Stadions: "Im Fernsehen wechseln ständig Kameraeinstellungen und Bildausschnitte." Da werde es schwer die tatsächliche Atmosphäre beim Geisterspiel in die Bilder zu übertragen. Aufgeben mitten in der Saison, das will sie aber genauso wenig wie Fußballer und Funktionäre. Aber Fußball ohne Fans, ohne Menschenmassen und die Choreografie von Gesang, wedelnden Schals und La-Ola-Welle, so findet die Malerin ihr Motiv deutlich weniger reizvoll. "Da fehlt das Bombatische eines Massenspektakels", bedauert sie.

So sah die Atmosphäre aus Sicht der Künstlerin beim letzten Heimspiel des FC Köln vor einem Publikum am 29. Februar aus. Jetzt muss auch sie sich mit Geisterspielen arrangieren.

"Ich hab' extra noch mal an den FC geschrieben, ob ich nicht doch ins Stadion darf, aber das ist nur engsten Mitarbeitern erlaubt", bedauert die Künstlerin, die nun vor allem auf die Zuschauerränge gespannt ist. "Manche Vereine planen Aktionen mit Aufstellern aus Pappe", berichtet sie. Der FC Köln habe seine Fans angeschrieben und um Maskottchen oder Trikots für triste Sitzreihen gebeten. "Wie das jetzt optisch wirken soll, ich weiß es nicht", zweifelt Gierlach, deren Spezialität dicke Farbkleckse sind. Die wirken aus der Nähe recht abstrakt, aus der Ferne gaukeln sie fast realistisch ein Publikum vor. In einem Online-Katalog hat sie ihre Ergebnisse ihrer Bundesliga-Saison beim FC Köln bis zum vorerst letzten Heimspiel am 29. Februar festgehalten. "To be continued...?" heißt es am Ende der bisherigen Sammlung aufgrund der fraglichen Fortsetzung.

Jetzt werde ich wohl Geisterspiele malen müssen.

Katharina Gierlach

Katharina Gierlach

Das erste, was die Künstlerin normalerweise auf die Leinwand bringt, ist die Architektur des Stadions. "Die gibt den Rahmen vor." Und was ist mit den Treffern? "Manchmal sehe ich tatsächlich ein Tor, aber das ist Glücksache", gesteht die Malerin mit einem Schmunzeln. Anders als für die Teams auf dem Rasen gibt es für sie in der Halbzeit keine Verschnaufpause, schließlich soll beim Schlusspfiff auch das Gemälde komplett sein. Der letzt Pinselstrich gilt der Anzeigetafel: Da hält die Malerin in ihrem Bild tatsächlich das jeweilige Endergebnis fest.

Künstlerin Katharina Gierlach verpasst meistens die Tore, dafür bringt sie ganz viel Atmosphäre auf die Leinwand.

Am Ende bleibt ihr nur noch, die frisch aufgetragene Farbe unversehrt durch das Gedränge am Ausgang zu bringen. "Das ist manchmal schon ein Drahtseilakt", erinnert sich die Künstlerin, deren Bilderserie inzwischen auch eine Art Andenken-Sammlung an einen Dauerkartenplatz ist. Anders als Corona ist diese Gefahr jetzt nicht mehr relevant. Zwiespältig sieht die Künstlerin jetzt den viralen Einfluss auf ihre Bilderserie: "Einerseits hat die Pandemie mein Projekt unterbrochen, andererseits betrifft das Virus ja alle weltweit", überlegt sie. "Dagegen bin ich nur ein Sandkorn."

In Gierlachs Bildern dominieren nicht so sehr die Szenen auf dem Rasen, vielmehr findet hier das komplette Panorama Platz.

Weitere Infos zu Ausstellungen von Katharina Gierlach:

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