07.02.2020 - 14:57 Uhr
WinklarnOberpfalz

Künstlerin aus Winklarn bringt "Flower Power" nach Wiesbaden

Katharina Gierlach steht auf Seerosen. In Paris, New York und Krumau sichtet sie die Wasserpflanzen. Ein Foto bei Oberpfalz-Medien führt die Malerin aus Winklarn nach Gleiritsch. Das Ergebnis zeigt nun eine Galerie in Wiesbaden.

Katharina Gierlach wagt sich an ein Sujet, das den Vergleich mit Claude Monet herausfordert. Die Ausstellung "Flower Power" der Künstlerin aus Winklarn ist noch bis 7. März in Wiesbaden zu sehen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Flower Power" titelt die Ausstellung in der Davis-Klemm-Galerie in Wiesbaden. Eineinhalb Stockwerke hat die Künstlerin Katharina Gierlach hier mit recht unterschiedlichen Formaten zum Erblühen gebracht. Die Versuchung ist groß, über Blüten und Blätter zu streichen, denn der dicke Farbauftrag verleiht den Bildern eine reliefartige Struktur. Das ist schon mal ein Aspekt, in dem sich die 36-Jährige von den Hobbymalern unterscheidet, die das Sujet Blumen fast vollständig für sich requiriert haben.

"Gerade wenn man Seerosen malt, gibt es schon Leute, die mit den Augen rollen", gesteht die Malerin, die sich von Vorurteilen in der Kunstszene nicht beirren ließ. Und auch nicht von den Vorlagen berühmter Vertreter der Kunstgeschichte, im Gegenteil. Eine erste Begegnung mit Seerosen hatte die Künstlerin aus Winklarn bei einem Gast-Aufenthalt 2015 in Krumau (Cesky Krumlov): Sie stieß dort auf ein Seerosen-Bild von Egon Schiele, konnte aber auch ein paar Schnappschüsse von den Wasserpflanzen in einem Barockgarten mit nach Hause nehmen. Zwei Jahre später ließ sie sich von Claude Monets impressionistischen Teichen im "Moma" in New York und in Paris beeindrucken und sah sich echte Exemplare im botanischen Garten von Brooklyn an.

Doch auch in der Nähe der Heimat wurde sie fündig: Ein Foto in der Zeitung "Der neue Tag" brachte sie auf die Spur der schillernden Schönheiten in einem Weiher bei Gleiritsch. Statt mit Skizzenblock zog sie mit der Kamera los, um Details fotografisch festzuhalten. "Meine Bilder sind wie eine Collage, zusammengesetzt aus mehreren Aufnahmen", erklärt Katharina Gierlach ihre Arbeitsweise. Dick trägt sie die Ölfarbe auf Leinwand auf, eine Untermalung ist da überflüssig, jeder Pinselstrich sollte schon auf Anhieb sitzen. Weil so viel Farbe zwar bald eine Haut bildet, aber nur langsam trocknet, "duften" ihre Seerosen noch lange - allerdings eher nach Lösungsmitteln. "Ich wollte meine eigene Version von Seerosen", so der Standpunkt der 36-Jährigen, die bei aller Ehrfurcht vor den "Pfeilern der Kunstgeschichte" die berühmten Vorbilder nicht einschüchternd sondern anspornend fand.

Immerhin, so annähernd dreidimensional gibt es die beliebten Wasserpflanzen nicht. "Die meisten Leute sind deshalb erst so richtig beeindruckt, wenn sie die Bilder im Original gesehen haben", so die Erfahrung der Malerin. Einige Bilder beanspruchen mit einer Breite von über zwei Metern eine ganze Wand in der Wiesbadener Galerie, aber es gibt auch kleinere Formate. Für einige Seerosen hat die Künstlerin zunächst eine Holzplatte in Form einer Blüte zurecht gesägt, um dann darauf in Öl Blütenblätter und Staubgefäße mit dem Pinsel zu modellieren. In den bunten Strauß haben sich auch ein Tulpen- und ein Pfingsrosenbild "eingeschmuggelt".

Entstanden sind die rund 15 Werke in der neuen Heimat der Künstlerin in Köln. So etwa alle ein bis zwei Monate ist sie in Winklarn "auf Heimaturlaub", wo nach wie vor im Elternhaus ein Atelier auf sie wartet. Bekommen Kunstinteressierte diese Blütenwelt irgendwann auch hier zu Gesicht? "Vielleicht gibt es schon bald eine Einzelausstellung im Landkreis Schwandorf", informiert die Künstlerin. Sicher ist bislang auf jeden Fall eine Gruppenausstellung zum Jubiläum der "Freunde der Kunst", zu der Gierlach etwas beisteuern wird. Vernissage ist am 13. März um 19.30 Uhr in der Aula des Oberviechtacher Ortenburg-Gymnasiums, zu sehen sind die Bilder bis 15. März. Allerdings kann es durchaus sein, dass bei der Auswahl die "Flower Power" dem Fußball weichen muss. Denn die 36-Jährige schafft scheinbar mühelos den Spagat zwischen Sport- und Blütenwelt. Darauf hat bei der Ausstellungseröffnung in Wiesbaden auch Kunsthistorikerin Linda Traut hingewiesen. Der pastose Farbauftrag der den Seerosen so gut tut, hat auch so manchen Fußballfan überzeugt. Aktuell ist Gierlach übrigens beim FC Köln gelandet, wo sie sich als Langzeit-Projekt der aufregenden Freiluft-Malerei im Stadion verschrieben hat. "Das wird dann freilich nicht so exakt wie im Atelier, aber es ist immer spannend, was man für Nachbarn neben sich hat", gibt sie Einblick ihr künstlerisches Schaffen mitten im Stadion. "Da spritzt schon mal etwas Bier auf die Leinwand." www.davisklemmgallery.de

Winklarn
So sieht es aus, wenn Katharina Gierlach in Köln ein Fußballspiel aus dem Blickwinkel der Künstlerin verfolgt.
Diese Maskottchen des FC Köln hat die Künstlerin für eine Stiftung gestaltet.
Impressionistische Anklänge mit Tendenz zum Dreidimensionalen: Auch der Fußball liefert dafür ansprechende Motive.
Info:

Die Meisterschülerin und ihr Vorbild

Katharina Gierlach ist in Würzburg geboren. Nach dem Abitur am Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach im Jahr 2003 und einem Praktikum im Oberpfälzer Künstlerhaus studierte sie Freie Malerei und Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

2007 bekam sie ein Erasmus-Stipendium für die Accademia di Belle Arti di Urbino, 2009 folgte ein Stipendium des deutsch-französischen Jugendwerks für die École supérieure d' Art d' Aix-en-Provence in Frankreiche. 2011 wurde Gierlach Meisterschülerin. 2015 war sie Artist-in Residence am Egon Schiele Art Centrum in Cesky Krumlov (Krumau in Tschechien), 2016 verbuchte sie ein Internationales Stipendium des Oberpfälzer Künstlerhauses im Virginia Center for the Creative Arts in den USA für sich. Ihre Werke waren in fast 50 Einzel und Gruppenausstellungen zu sehen, beispielsweise in der Davis-Klemm-Galerie in München oder bei der Galerie Hafenrichter in Nürnberg.

Die Künstlerin lebt und arbeitet derzeit in Köln und in Winklarn. Sie ist dabei nicht auf ein Motiv wie Blumen eingeschworen, sondern wendet die ihr eigene Technik mit reliefartigem Farbauftrag genauso gut auf Wälder, Golfplätze, Fußballstadien oder Parklandschaften und nicht zuletzt auch in abstrakten Bildern an.

Was die Seerosen angeht, trifft die Künstlerin mit Claude Monet (1840 bis 1926) auf ein Vorbild, dessen gemalte Wasserpflanzen bei einer Versteigerung eine Summe über 50 Millionen Euro erzielt haben. Der bedeutende Vertreter des Impressionismus hatte allerdings auch einen eigenen Gärtner, der nur für seinen Seerosenteich in Giverny (Frankreich) zuständig war.

Die Seerosen, inspiriert von realen Pflanzen in einem Teich bei Gleiritsch, in voller Pracht.
Dieses Bild vermittelt einen Eindruck vom großzügigen Umgang der Künstlerin mit Ölfarbe.
Die intensive Auseinandersetzung mit Seerosen hat Früchte getragen.

Meine Bilder sind wie eine Collage, zusammengesetzt aus mehreren Aufnahmen.

Katharina Gierlach

Katharina Gierlach

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.