Was ist Herbstblues, was Depression?

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Morgens und abends ist es länger dunkel, tagsüber dann oft trüb und grau: Manchen Menschen schlägt der Herbst auf die Stimmung. Was können Betroffene dagegen tun? Und wie können sie erkennen, ob eine tiefergehende Depression vorliegt?

Wenn es draußen tagelang trüb und regnerisch ist, kann das die Seele belasten.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Was sind die typischen Symptome eines „Herbstblues“?

In leichter Form kennen die Verstimmung im Herbst viele Menschen, sagt Dr. Markus Wittmann, Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof (Kreis Neustadt/WN). Betroffene sind niedergeschlagen, haben weniger Antrieb und oft einen größeren Appetit, besonders auf Kohlenhydrate. Erst wenn die Symptome schlimmer werden, wenn Interessensverlust, Freudlosigkeit und ständige gedrückte Stimmung dazu kommen, spricht man von einer saisonalen Depression, einem „Herbstblues“.

Wie viele Menschen leiden unter einer saisonalen Depression?

Das ist schwer zu sagen. Etwa vier Millionen Menschen sind in Deutschland depressiv, sagt Dr. Wittmann. Nur ein Teil davon ist in Behandlung. Die saisonalen Depressionen sind dabei in der Minderheit. Der Mediziner verweist darauf, dass der Mensch – ähnlich wie Tiere im Winterschlaf – in der dunklen Jahreszeit genetisch bedingt gerne einen Gang zurückschalten würde. Das sei in unserer Leistungsgesellschaft aber nicht vorgesehen.

Was sind die Ursachen für das Stimmungstief im Herbst?

Auslöser ist das geringere Sonnenlicht. Der Mensch unterliegt einem strengen Tag-Nacht-Rhythmus, erklärt Dr. Wittmann. Wenn die Tage kürzer werden, verändert sich im Körper die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Das allein kann zu Beschwerden führen. Zusätzliche Alltagsbelastungen, eine genetische Veranlagung und auch die Zeitumstellung können diese verstärken.

Wer ist besonders anfällig für einen Herbstblues?

Das hängt von der genetischen Veranlagung und dem Lebensalltag ab. Schichtarbeitern kann die dunkle Jahreszeit zum Beispiel noch mehr zusetzen, wenn sie kaum noch Tageslicht abbekommen. Das Geschlecht spielt keine besondere Rolle, wohl aber das Alter, sagt Dr. Wittmann. Denn mit zunehmendem Alter nimmt das Hormon Melatonin im Körper ab. Das kann zu Schlafstörungen und damit zu schlechter Stimmung führen. In manchen Fällen kann in einer Kurzzeittherapie die Einnahme von Melatonin helfen.

Wann ist die problematischste Zeit im Jahr?

Sehr empfindliche Patienten spüren schon Ende August Auswirkungen, wenn die Tage wieder spürbar kürzer werden. Echte Beschwerden treten bei saisonalen Depressionen oft mit etwas Verzögerung im Dezember und Januar auf.

Was können Betroffene gegen das Stimmungstief tun?

Eine Lichttherapie kann helfen. Dabei wird der Patient einem hellen, für die Netzhaut ungefährlichen Kunstlicht ausgesetzt. Das entsprechende Gerät kann man sich zu Hause einfach auf den Tisch oder auch bei der Arbeit auf den Schreibtisch stellen. Hilfreich ist das vor allem am Vormittag, sagt Dr. Wittmann. Die Lampe kann man sich selbst anschaffen. Es sollte darauf geachtet werden, dass das Gerät für die Lichttherapie zertifiziert wurde. Bei festgestellter saisonaler Depression ist eine finanzielle Unterstützung der Krankenkasse im Einzelfall möglich. Wichtig ist, dass das Licht auf die Netzhaut des Auges trifft, betont der Mediziner.

Ein Besuch im Solarium bringe nichts. Helfen kann auch körperliche Bewegung, vor allem im Freien. Darüber hinaus sollten sich Betroffene nicht isolieren und weiter soziale Kontakte pflegen. Einem erhöhten Schlafbedürfnis sollten sie nicht unbedingt nachkommen, sondern lieber diszipliniert den gewohnten Tag-Nacht-Rhythmus einhalten. In schweren Fällen kommt auch eine medikamentöse Behandlung infrage.

Wie unterscheidet sich eine saisonale Depression von einer klassischen Depression?

Während eine klassische Depression von Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit gekennzeichnet ist, haben Betroffene bei einer saisonalen Depression eher mehr Hunger und ein größeres Schlafbedürfnis.

Wann sollten sich Betroffene Hilfe suchen?

Die Betroffenen entwickeln ein Gefühl dafür, ob sie ihren Zustand aushalten oder sich Hilfe suchen wollen. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, der den Patienten schon länger kennt und ihn einschätzen kann. Der Hausarzt kann selbst eine Therapie vorgeben oder in schwereren Fällen an einen Facharzt weiterleiten.

Erfahrungen eines an Depression Erkrankten

Sulzbach-Rosenberg

Das hilft bei einem Lagerkoller in der Quarantäne

Deutschland und die Welt
Dr. Markus Wittmann, Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof.
Depressive Episoden im Herbst und Winter:

Heißhunger und großes Schlafbedürfnis

  • Von „saisonal bedingter Depression“ wird gesprochen, wenn sich Symptome einer depressiven Episode ausschließlich und wiederholt zu einer bestimmten Jahreszeit, typischerweise im Herbst und Winter zeigen. Das schreibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe auf ihrer Internetseite.
  • Neben den klassischen Symptomen einer Depression treten atypische Symptome wie Heißhunger statt Appetitverlust und vermehrter Schlaf statt Ein- und Durchschlafstörungen auf.
  • Die saisonal abhängigen Depressionen sind laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe jedoch meist weniger schwer ausgeprägt und weniger häufig als andere depressive Störungen. (gib)

Das Glücksrezept gegen den Herbstblues

Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.