Sensible Musik, sensibel vorgetragen

Das Regensburger Orchester am Singrün setzt in Wöllershof mit einem interessanten Programm musikalische Akzente

Mit einem anspruchsvollen Programm gastiert das Orchester am Singrün in Wöllershof.
von Reinhold TietzProfil

Im Orchester am Singrün spielen 91 Musiker. Damit ist es ein Klangkörper in normaler Orchestergröße. Dirigent ist neuerdings nicht mehr Lutz Landwehr von Pragenau, sondern Michael Falk. Im gut besuchten Festsaal des Bezirksklinikums eröffnet am Samstag ein Werk von Claude Debussy die Vortragsfolge. "Prélude à l'après-midi d'un faune" heißt die Tondichtung, also "Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns". Nymphen beschäftigen die Gedanken eines verliebten Fauns, der diese im Spiel auf seiner Flöte zum Ausdruck bringt.

Diese Stimmung, die im Gedicht von Stéphane Mallarmé empfindsam in Worten dargestellt wird, schildert Debussy musikalisch: Liebe kann in besänftigende Glückseligkeit münden und diese Entwicklung dem Zuhörer durch klangliche Vielseitigkeit in schwebenden Rhythmen vermitteln. Das ruhige, seelisch ergreifende Musikstück stellen die Instrumentalisten durch das Dirigat von Falk eindringlich berührend dar.

Anschließend erklingen die "Vier letzten Lieder" AV 150, die Richard Strauss im Jahr vor seinem Tod komponiert hat. Auch hier färbt das große Orchester die von der Sopranistin Sonja Maria Westermann intensiv vorgetragenen stimmlichen Eindrücke. Zunächst wird im "Frühling" von Hermann Hesse die Wirkung dieser "seligen Jahreszeit" auf den Menschen musikalisch gefeiert, dann aber folgt der "September" vom gleichen Autor, worin der "Sommer schauert still seinem Ende entgegen". Ebenfalls von Hesse stammt das Gedicht "Beim Schlafengehen", in dem der Mensch "freundlich die gestirnte Nacht" erwartet, weil dann "die Seele unbewacht will in freien Flügen schweben". Das letzte Gedicht "Im Abendrot" ist von Joseph von Eichendorff und vermittelt "stillen Frieden", allerdings mit der Einschränkung, mit der der Mensch immer leben muss, denn "wandermüde" könnte auch bedeuten "Ist das etwa der Tod?". Die Sängerin gestaltet diese Stimmungen mit einer Klangvermittlung, welche die Aussagen einfühlsam verdeutlicht.

Nach der Pause folgt ein äußerst selten gehörtes Werk: Die "3. Symphonie E-Dur" op 51 von Max Bruch, einem Komponisten aus Köln, dessen 1. Violinkonzert g-moll op 26 weltberühmt ist, der aber wesentlich mehr Musikwerke geschrieben hat. Eine romantische langsame Einleitung eröffnet den Anfangssatz. Im weiterführenden "Allegro molto vivace" werden unterschiedliche liedhafte Themen in freier Sonatenform einander gegenübergestellt. Flott spielt das Orchester die diversen Motive, präzise leitet der Dirigent das tonliche Geschehen. Das anschließende "Adagio" gewährt in seiner hymnischen Gestaltung weitere Eindrücke von der Schöpferkraft des Komponisten. Das tänzerische "Scherzo" schließt sich in Rondoform an.

Das "Allegro" des Finalsatzes ist ebenfalls rasch angelegt, erreicht im vollen Klang des großen Orchesters rhythmisch packenden Schwung. Dieses positive Lebensgefühl in Tönen vermögen die Ausführenden glaubhaft vorzuführen. Es ist außerdem sehr verdienstvoll, in Vergessenheit geratene Musikwerke erneut aufzuführen, damit Musikbegeisterte weitere Lieblingswerke entdecken können. Als Zugabe ertönt die "9. Variation" aus den "Enigma-Variationen" op 36 von Edward Elgar. Damit geht ein sehr ansprechender Musikabend zu Ende.

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