06.09.2018 - 11:25 Uhr
Deutschland & Welt

Wohl keine Hetzjagd oder Pogrome, aber sehr viel klarzustellen

Sachsen hat ein Problem mit Rechtsradikalismus. Ministerpräsident Michael Kretschmer will angesichts der Geschehnisse in Chemnitz nun handeln. Aber nicht nur er sollte sich seine Gedanken machen. Ein Kommentar von Tobias Schwarzmeier

Von der Polizei sichergestellte Waffen und Symbole rechtsextremistischer Gruppen in einer Wanderausstellung in Schwerin. Das Problem rechtsradikaler Strömungen ist ein Gesamtgesellschaftliches.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

In einem hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer uneingeschränkt recht: Es gilt "klar zu sagen, was nicht geht, und wer was getan hat". Ein guter Rat. Denn die Aufarbeitung und Bewertung der Proteste und Übergriffe in Chemnitz verlangt eindeutig nach differenziertem Klartext.

Als dritten Punkt möchte man anfügen: Jeder sollte sich dabei an seine eigene Nase fassen. Angefangen bei Kretschmer, der berechtigt Widerstand aus der Mitte der Bevölkerung heraus fordert, aber vernachlässigt, was seine Landesregierung bisher eben nicht getan hat. An seinen Aussagen, was er tun will, wird er gemessen werden.

Die Hetzjagd-Aussagen von Angela Merkel und ihrem Sprecher sollten allen Beteiligten vor Augen halten, welche Gefahr in der zu schnellen Meldung in den Medien liegt. Klar, kommt das mit Fakten unterfütterte Statement nur etwas später, heißt es bereits übertrieben: "Er/Sie bricht sein/ihr Schweigen." Dennoch ist es wichtig, bei sensiblen Themen Sorgfalt walten zu lassen und Worte mit Bedacht zu wählen. Unabhängig davon, ob es sich noch herausstellt, dass es doch zu mobartigen Geschehnissen gekommen ist: So furchtbar das wäre, die Bilder vom "Trauermarsch", und selten hat ein Begriff so gut gepasst, sind verstörend genug.

Denn die AfD hat es dort getan - den Schulterschluss mit Hooligans, Pegida und Pro Chemnitz. Allen voran: Einpeitscher Björn Höcke. Viele Demonstranten beklagen, pauschal mit den "Nazis" in einen Topf geworfen zu werden. Wer aber mit Rechtsextremen demonstriert, muss damit rechnen. Und spätestens seit diesem Marsch muss er wissen, was er tut. Leugnen geht nicht mehr. Das muss klar gesagt werden.

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