13.07.2021 - 13:54 Uhr
KölnDeutschland & Welt

Wolfgang Niedecken: Bob-Dylan-Verehrer und Oberpfalz-Kenner

Nur wenige Musiker bekennen sich so offensiv zu ihren Vorbildern: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken macht aus seiner Hommage sogar eine ganze Tour. Ein Gespräch mit dem Kölner.

Auftritt von Wolfgang Niedecken mit BAP bei den Luisenburg-Festspielen 2016
von Holger Stiegler (STG)Profil

2021 war und ist für Wolfgang Niedecken ein bemerkenswertes Jahr – und das nicht nur wegen des eigenen 70. Geburtstages vor wenigen Monaten. Ziemlich viel seiner aktuellen künstlerischen Tätigkeit dreht sich um Bob Dylan, der ebenfalls einen runden Geburtstag – seinen 80. – vor wenigen Wochen feiern konnte. Am 18. Juli startet Niedecken in Kulmbach seine Deutschland-Tour mit dem Titel „NIEDECKEN liest & singt BOB DYLAN“.

Verbindung zu Bob Dylan

Wer sich mit der Biographie Wolfgang Niedeckens beschäftigt, kommt an Bob Dylan nicht vorbei. Im zarten Alter von 15 Jahren ist er der Musik Dylans erstmals begegnet – und das hatte weitreichende Folgen. „Ich bereitete mich damals mit meiner Schülerband, in der ich Bassist war, auf einen Auftritt beim Schulfest vor. Unser Sänger sagte uns, dass dies sein letzter Auftritt sei, aber er hatte eine Single von „Like a Rolling Stone“ dabei. Die haben wir mal laufen lassen und das war so extrem geheimnisvoll und poetisch: Für mich war das, als ob ein Blitz eingeschlagen hat“, erinnert sich Niedecken im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Am selben Abend habe er noch zu einem Kumpel gesagt, dass er ab jetzt solche Texte schreiben und singen möchte wie dieser Typ mit der Sonnenbrille. „Von da an war es um mich geschehen. Ohne diese erste Begegnung mit Bob Dylan wäre nach der Schülerband für mich wohl Schluss mit Musik gewesen“, bekennt der Kölner.

Kölsche Texte

Dylan war aber nicht nur der Auslöser für dieses fast schon musikalische Erweckungserlebnis Niedeckens, sondern er ist seitdem kontinuierlicher Inspirator für den BAP-Frontmann. Besonders markant wurde dies 1995 mit dem Album „Leopardefell“, auf dem Niedecken 17 Songs seines Vorbilds mit kölschen Texten versah und diese mit eigener Note musikalisch in Szene setzte. Aus „A Hard Rain’s A Gonna Fall“ wurde beispielsweise „Unfassbar vill Rään“, „It’s All Over Now, Baby Blue“ übersetzte Niedecken zu „Jeder’s manchmol einsam“ und „Just Like A Woman“ wandelte sich in „Als ob se’n Frau wöhr“ um. „Das auf Hochdeutsch zu machen, war nie ein Thema. Da würde mir der Stallgeruch fehlen und es wäre austauschbar. Ich denke, dass es besser ist, in der Sprache meiner Seele zu singen – und das ist nun einmal Kölsch.“ Ob es noch ein weiteres Cover-Album mit kölschen Dylan-Songs geben wird? „Da ist nichts Konkretes in Planung, aber darüber nachgedacht habe ich schon. Ausschließen will ich es nicht“, so Niedecken.

Die Bezugspunkte des 70-Jährigen zu seinem zehn Jahre älteren Kollegen sind eindeutig: Unter anderem hat Niedecken die Biographie Dylans „Chronicles. Volume One“ auf Deutsch eingelesen, in diesem Jahr ist Niedeckens ganz persönliche und subjektive Betrachtung des US-Sängers in Buchform erschienen, das es mittlerweile auch als Hörbuch gibt. Zweimal haben sich der Meister und sein Bewunderer auch schon Backstage bei Konzerten in Köln und Saarbrücken persönlich getroffen. Für eine fünfteilige ARTE-Dokumentation hatte Niedecken 2017 in den USA auch Orte aufgesucht, an denen der Singer und Songwriter Spuren hinterlassen hatte.

Bob Dylan viele Male auf der Bühne gesehen

Erlebt hat er Bob Dylan unzählige Male auf der Bühne: „Weil es immer heißt, dass es sehr gute und sehr schlechte Konzerte von ihm gibt: Ja, genauso sieht es aus! Vor allem zwischen 1985 und 1988 habe ich einige grottenschlechte Auftritte gesehen.“ Zwischendrin habe er echt gedacht: Das war es jetzt. „Da waren wirklich Alben dabei, die konnte auch ich mir nicht mehr schönhören“, erzählt Niedecken. Ab dem Album „Oh Mercy“ 1989 sei es dann wieder aufwärts gegangen. „Seitdem hat er nur noch gemacht, was er auch wollte“, so Niedecken. Ihm persönlich habe zwar beispielsweise die „Frank-Sinatra-Phase“ Dylans in der jüngeren Vergangenheit etwas zu lange gedauert, aber: „Wenn er damit glücklich ist, soll er es machen. Ich verdanke dem Mann so dermaßen viel, ich will, dass er glücklich ist!“

Eine eindrucksvolle - und auch witzige – Hommage lieferte Niedecken 2019 bei den „Liedern auf Banz“ ab: Dort stimmte er gemeinsam mit Werner Schmidbauer, Hannes Ringlstetter und Pippo Pollina eine kölsch-bayerische-italienische-englische Version des Songs „You ain’t going nowhere“ an. Was Dylan selbst dazu sagen würde? „Ich denke, der würde das mit Sicherheit super finden. Dylan hat Humor!“

Verbindung zur Oberpfalz

Niedecken hat übrigens auch eine spezielle Beziehung zur Oberpfalz: So war er mit einer Konzertlesung bei den 27. Weidener Literaturtagen 2011 zu Gast und natürlich 1986 mit BAP ein zentraler Anker des Anti-WAAhnsinns-Festival in Burglengenfeld. „Das war ein Glücksfall damals, dass sich die Leute mit unserem Management kurzgeschlossen haben“, erinnert sich der Kölner. Roland Temme („Balou“) habe damals mit Rat und Tat zur Seite gestanden. „Als Tschernobyl im April 1986 hochging, waren wir gerade auf Tour. Da kam die Anfrage, ob wir mithelfen bei dem geplanten Konzert. Von irgendwo her sind wir wenig später nach Burglengenfeld gefahren und haben uns angesehen, auf welchem Acker das denn stattfinden könnte“, blickt Niedecken zurück. Das alles sei dann im Schneeballverfahren gelaufen, er habe beispielsweise bei Udo Lindenberg und Wolfgang Ambros angerufen und ihnen gesagt, dass sie unbedingt in Wackersdorf spielen müssen. „Wir wussten „Jetzt oder Nie“. Wir mussten dieses Ding dort verhindern, den Leuten wurde immer klarer und bewusster, was für eine gefährliche Energie das ist. Und wir haben es glücklicherweise alle miteinander geschafft!“

Wolfgang Niedecken ist Großvater

Deutschland & Welt
Info:

Kartenverlosung

Zum Konzert von Wolfgang Niedecken am 18. Juli um 18 Uhr im Innenhof der Plassenburg in Kulmbach,

verlost Oberpfalz-Medien 2x2 Karten. Die Gewinner können die Karten an der Abendkasse abholen.

Rufen Sie an unter 01378/803218 * und nennen das Stichwort „Niedecken“ + Ihren Namen, Adresse und Ihre Telefonnummer, oder schicken Sie eine SMS an 32223** mit dem Stichwort OM ZEITUNG + Stichwort „Niedecken“, Ihrem Namen, Adresse und Telefonnummer. Teilnahmeschluss ist Freitag, 16. Juli 2021, um 9.00 Uhr. Der Gewinner wird von uns benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*Telemedia Interactive GmbH; pro Anruf 50 ct aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk teurer.

**SMS an die Kurzwahl 32223 (Telemedia Interactive GmbH); 49 ct/SMS, TD1 inkl. Transportkosten. / Datenschutz unter www.onetz.de/teilnahmebedingungen.

Wolfgang Niedecken:

Wolfgang Niedecken

  • Geboren am 30. März 1951 in Köln
  • 1976 Gründung von BAP
  • Aktuelle Termine in Bayern (Auswahl): 18. Juli, 18 Uhr, Innenhof der Plassenburg Kulmbach; 5. September, 14 Uhr, Gartenbühne Löwensaal Nürnberg; 6. September, 19.30 Uhr, Schlosspark der Katholischen Akademie München
  • Literatur: Wolfgang Niedecken über Bob Dylan (KiWi Musikbibliothek, Band 11), 240 Seiten, KiWi-Taschenbuch
    (auch als Hörbuch im Argon-Verlag erschienen)
  • www.bap.de
Info:
Zwei musikalische Wolfgangs in der Oberpfalz: Niedecken (r.) und Ambros im Backstage-Bereich des Anti-WAAhnsinns-Festival in Burglengenfeld 1986
Bei seiner aktuellen "Bob-Dylan-Tour" wird Wolfgang Niedecken von Mike Herting am Klavier begleitet.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.