06.11.2020 - 15:05 Uhr
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"Der Dritte Weg" geht nicht: Rechte sagen Marsch durch Wunsiedel ab

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Sie wollten durch Wunsiedel marschieren und ihren "Helden" gedenken. Daraus wird dieses Jahr nichts - die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg" hat ihre Demo abgesagt, wegen der Corona-Auflagen des Landratsamts. In der Stadt atmet man auf.

Diese dunklen Bilder wird es dieses Jahr nicht geben. Die rechtsextreme Partei „Der Dritte Weg“ hat den Marsch durch Wunsiedel abgesagt.
von Julian Trager Kontakt Profil

Von Matthias Bäumler

Darüber werden sich viele Wunsiedler freuen: Die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg" sagt das für den 14. November geplante "Heldengedenken" ab. Auf der Homepage der Splitterpartei heißt es, dass das Landratsamt massive Auflagen wegen des Coronavirus erlassen habe. "Unter anderem soll es nur eine Standkundgebung geben, die lediglich in der Zeit von 15 bis 17 Uhr stattfinden soll. Außerdem muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten und eine Mund- und Nasenbedeckung getragen werden. Auch eine Teilnehmerbegrenzung wurde festgesetzt. Diese Punkte sind für uns in keinster Weise akzeptabel", heißt es auf der Webseite. Außerdem befürchtet der "Dritte Weg" Bußgelder, wenn Sympathisanten aus mehreren Hausständen mit Privatautos anreisen würden. Erstmals seit Jahren wird es daher im Wunsiedler Nordosten ruhig bleiben.

Für die Mitglieder des Netzwerks "Wunsiedel ist bunt" ist die Absage der Neonazis zwar erfreulich, aber kein Grund, die eigene Demonstration ebenfalls abzusagen. "Wir haben unser Konzept in den vergangenen Jahren verändert und reagieren nicht auf Nazis, sondern treten für etwas ein, und zwar für Demokratie, Toleranz und Mitmenschlichkeit", sagt Sprecherin Svenja Faßbinder auf Nachfrage unserer Redaktion.

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Trotzdem "bunte" Demo

"Wunsiedel ist bunt" wird daher am Nachmittag des 14. Novembers am Marktplatz demonstrieren. "Wir haben ein striktes und sehr umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet. Auf dem großen Marktplatz können wir auch die nötigen Abstände problemlos einhalten", sagt Svenja Faßbinder. Das Motto der bürgerlichen Veranstalter lautet passender Weise "Wunsiedel ist bunt - wir sind bunt. Abstand halten - erst recht gegen rechts". Sollten die Corona-Infektionszahlen allerdings enorm in die Höhe schnellen, müsse man die Demonstration noch einmal überdenken und mit den Zuständigen im Landratsamt absprechen.

Svenja Faßbinder geht davon aus, dass nach aktuellem Stand das gesamte breite bürgerliche Bündnis an den Demonstrationen und dem ökumenischen Gottesdienst festhält.

"Heldenstadt" für Neonazis

Für die Neonazis der Partei "Der Dritte Weg" ist Wunsiedel laut Homepage eine "Heldenstadt". Damit nehmen sie Bezug auf den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß. Dessen sterbliche Überreste lagen einige Jahre auf dem Wunsiedler Friedhof begraben. In den vergangenen Jahren ist es den Vertretern des rechten Spektrums nie gelungen, in der Innenstadt zu demonstrieren. Das Netzwerk der bürgerlichen Kräfte, das von Gewerkschaften über Parteien bis hin zu Vertretern der Großkirchen reicht, war zudem jeweils zahlenmäßig weitaus stärker vertreten.

Das Netzwerk "Wunsiedel ist bunt" hat in den vergangenen Jahren den Generationenwechsel ohne Probleme bewältigt. Auf Pfarrer Jürgen Schödel, der mittlerweile in Weißdorf lebt, sowie Karl Rost folgten Christine Lauterbach und Svenja Faßbinder als Sprecherinnen, die die Arbeit fortführen.

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