„Über allen Gipfeln ist Ruh‘": Zumindest optisch gilt das Goethe’sche Motto aktuell für das Gelände der Luisenburg-Festspiele. Denn gearbeitet wird trotzdem intensiv, wie ein Treffen mit der Künstlerischen Leiterin Birgit Simmler beweist. Ziemlich eingeschneit liegt das Betriebsgebäude der Festspiele oberhalb der Stadt Wunsiedel da: Der Zugang ist mit einem Bauzaun abgesperrt, lediglich ein schmaler geräumter Pfad führt zum Eingang. Auch Bühnen- und Zuschauerraum sind mit Schnee bedeckt: Das Dach ist abgebaut, ebenso die Bestuhlung, und die Bühne wirkt wie die „normale“ Fichtelgebirgs-Natur mit schneebedeckten Bäumen und Felsen.
Finanz-Loch in vergangener Saison
„Den eigentlich geplanten Spielplan des Jahres 2020 haben wir glücklicherweise ins Jahr 2021 verschieben können“, erzählt die Künstlerische Leiterin Birgit Simmler während einer Wanderung durch die oberfränkische Winterlandschaft der Oberpfalz Medien-Kulturredaktion. Nur das geplante Konzert von „Los Dos y Compañeros“ musste abgesagt werden, bei den Eigenproduktion werde es kleinere Veränderungen in der Besetzung geben.
Eigentlich würde sich Birgit Simmler gerne ausschließlich über Kultur und Kunst auf der Luisenburg unterhalten. Dass die Realität aber auch 2021 die Themen Corona und – unmittelbar damit verbunden – Finanzen in den Fokus rückt, kann sie nicht vermeiden. Nicht nur vom kulturellen, sondern auch vom wirtschaftlichen Blickwinkel aus sei die ausgefallene Saison natürlich ein Desaster gewesen. „Das Finanz-Loch, das in der vergangenen Saison entstanden ist, können weder die Festspiele noch die Stadt Wunsiedel aus eigener Kraft stopfen“, erinnert Simmler.
Weihnachtsgeschäft überschaubar
Hier falle besonders in Gewicht, dass sich die Luisenburg-Festspiele zu etwa 85 Prozent aus dem finanzieren, was an der Kasse eingenommen wird, und die staatliche Förderung im Vergleich zu Stadt-, Landes- und Staatstheatern natürlich bescheiden ausfalle. Seitens der Staatsregierung habe man aber die Zusage bekommen, so Simmler, beim Defizit im Betriebshauhalt 2020 finanzielle Unterstützung zu bekommen.
„Für 2021 heißt das aber auch, dass wir eine Auslastung in der gewohnten Höhe brauchen, sonst kommen wir wieder in eine Schieflage“, warnt die Theatermacherin. Mit Blick auf die verkauften Karten bewegt man sich hier auch in der richtigen Spur. „Aktuell liegen wir hier bei über 90.000 Tickets“, betont der Kaufmännische Theaterleiter Harald Benz. Als erfreulich wertet er es, dass über 90 Prozent der Ticketinhaber aus der „ausgefallenen“ Saison ihre Karten für das laufende Jahr auch behalten haben. Dass das Weihnachtsgeschäft dieses Mal überschaubar ausgefallen sei, habe ihn nicht überrascht: „Viele wollen einfach abwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt!“
"Wir planen ganz fest"
Fast genau 1900 Zuschauer kann der Zuschauerraum bei einer ausverkauften Vorstellung fassen. Ob es dazu kommen wird, kann zum derzeitigen Zeitpunkt noch niemand seriöser Weise sagen. „Aber natürlich analysieren wir alle denkbaren Szenarien“, erläutert Benz. Er bittet aber auch um Verständnis, dass man mit der Entscheidung für ein konkretes Szenario bis zum spätmöglichsten Zeitpunkt abwarten wolle, um auch die maximale Offenheit zu erhalten.
Große Hoffnungen setzt Benz unter anderem auf die kürzlich vorgestellten Ergebnisse einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt, in der die Aerosole-Ausbreitung im Zuschauerraum des Konzerthaus Dortmund untersucht wurde. Darin sieht er eine „echte Perspektive für die Wiedereröffnung der Kulturstätten nach dem Lockdown“. Definitiv verspricht er: „Wir werden vorbereitet sein – welche Rahmenbedingungen auch immer kommen werden!“
„Wir planen ganz fest“, sagt auch Simmler. Mit Blick auf mögliche Hygienevorgaben für das Geschehen auf und hinter der Bühne ist sie zuversichtlich, dass dies kein Problem werden wird. „Wir haben viel Platz auf der Bühne, es gibt Schnelltests und hoffentlich dann auch eine Impfung“, so Simmler. Auch für den Backstage-Bereich mit beispielweise Maske und Kostümen werde an Hygiene-Lösungen gearbeitet. Mit den Proben für „Der Name der Rose“ soll voraussichtlich Anfang Mai, für „Pinocchio“ bereits Mitte April begonnen werden. Die Künstlerische Leiterin erinnert auch an die Ankündigung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, dass man für die Zeit ab 1. Juli Großveranstaltungen planen solle und es für Corona-bedingt fehlende Ticketumsätze staatliche Gelder geben werde.
Potenzial in der Region
Nichtsdestotrotz ist es ein großes Anliegen Simmlers, dass die Festspiele finanziell insgesamt besser ausgestattet werden. Sie sei sehr froh darüber, dass der 2020 neu gewählte 1. Bürgermeister der Stadt Wunsiedel Nicolas Lahovnik sehr engagiert sei bei der Suche nach neuen Geldmitteln. „Ich denke, dass es da auch in der Region noch einiges Potenzial gibt“, so Simmler. Die Pandemie habe deutlich gezeigt, dass die finanziellen Strukturen der Festspiele im landes- und bundesweiten Kontext eben nicht krisensicher seien. „Für kontinuierlich künstlerisch hochwertige Festspiele muss eine individuell angepasste Sonderlösung gefunden werden“, hofft Simmler. Und sie verhehlt nicht, dass sie dabei auch den Freistaat im Blick hat.
Die Aufführungen 2021
Folgende Eigenproduktionen stehen in diesem Jahr auf dem Luisenburg-Spielplan:
- „Pinocchio“ (Premiere 19. Mai),
- „Der Name der Rose“ (Premiere 11. Juni)
- „Der Watzmann ruft“ (Premiere 18. Juni)
- „Der Brandner Kaspar 2 (Premiere 25. Juni)
- „Zucker“ (Premiere 22. Juli)
Zu Gastspielen werden die Operette „Die Fledermaus“ (Premiere 19. August) sowie die Oper „Hänsel und Gretel“ (Premiere 27. August) erwartet. Außerdem stehen Konzerte unter anderem von Beth Hart, Chris de Burgh und Haindling auf dem Spielplan. Weitere Infos unter www.luisenburg-aktuell.de

















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