03.08.2018 - 15:19 Uhr
WunsiedelDeutschland & Welt

Eine Stadt wird nass

Natürlich dreht sich im Sommer in Wunsiedel viel um die Luisenburg-Festspiele. In diesem Jahr ist das etwas anders: Noch bis 16. September kann die Innenstadt mit den künstlerisch außergewöhnlichen „Wunsiedler Wasserspielen“ aufwarten.

Ganz lapidar „Sauschwänzlesbrunnen“ hat Richard Klein-Hollerbach aus Bretzfeld seine Wasserinstallation genannt.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Warum steht Wasser im Zentrum des Projekts? "Die Geschichte der Stadt wurde durch das Wasser schicksalhaft geprägt, meist auf segensreiche Weise zu ihrem Gedeihen. Manches Mal auch durch katastrophale Überschwemmungen", betont Stefan Frank. Er ist einer der Organisatoren des Projektes "Wunsiedler Wasserspiele", das vom Bürgerforum Wunsiedel e.V. initiiert worden ist. Etwa 20 Künstler sind nach einer Ausschreibung eingeladen worden, um ihre Werke an unterschiedlichen Orten in der Stadt auszustellen: An Brunnen, Straßen und Plätzen, im Inneren von Gebäuden, auch leerstehenden, an prominenten Orten und in verschwiegenen Ecken. "Zum einen möchten wir den Blick aufs Wasser schärfen und zugleich mit Hilfe der Kunst verborgene Orte und Häuser öffnen und so auf das große Potenzial der Altstadt aufmerksam machen", erklärt Annette Hähnlein, Co-Organisatorin des Projekts.

Entstanden ist auf diese Weise ein Rundweg durch Wunsiedel, der in zwei bis zweieinhalb Stunden zurückgelegt werden kann und insgesamt 14 Stationen umfasst. Da es keine Vorgaben gegeben hat hinsichtlich der künstlerischen Disziplin dürfen sich die Interessierten auf eine große Vielfalt an Darstellungen freuen. "Alleiniges Leitmotiv war Wasser in der Kunst", so Frank. So präsentiert beispielsweise Anne Nissen, die in Hannover lebt und arbeitet, eine Videoinstallation mit dem Titel "Zwischen den Zeiten", die in einem Gewölberaum eines leerstehenden Gebäudes gezeigt wird. Auch die Oberpfalz ist bei den Wunsiedler Wasserspielen vertreten: Jeff Beer aus Gumpen (Kreis Tirschenreuth) zeigt zum Beispiel seine künstlerischen Sichtweisen auf die Waldnaab.

Auch der gebürtige Weidener Florian Meier, der in Creußen lebt und arbeitet, hat sich in die Wasserspiele eingebracht und mit der Gestaltung der Fassade des alten Bahnhofs für einen absoluten "Eyecatcher" in der Öffentlichkeit gesorgt. "Logistik" hat er sein Kunstwerk genannt, das sich aus verschiedenen Stilmitteln der künstlerischen Gestaltung zusammensetzt.

Auch im ehemaligen Bahnhof ist für Kunst gesorgt worden - fast schon auf experimentelle Art und Weise: Der gebürtige Unterfranke und heute in Berlin lebende Albrecht Fersch hat ein "Wassertropfenorchester" installiert, das nicht nur optisch, sondern auch akustisch seine besondere Faszination entfaltet. Einen regionalen Touch hat die Wassertropfen-Fotografie des Stuttgarter Michael Mordo: Er hat sich für seine Aufnahmen die Egerquelle, die Weißmainquelle und die Fichtelnaabquelle vorgenommen. Wer sich in Wunsiedel auf den Weg macht, wird faszinierende, unbekannte und mitunter auch skurrile Wasserwelten entdecken. "Durch solche Projekte sollen auch Berührungsängste zu Kunst abgebaut werden", sagt Stefan Frank. Dass dieses Ansinnen erste Früchte trägt, kann auch Annette Hähnlein bestätigen: Man merke, dass die Bevölkerung dem Thema sehr aufgeschlossen gegenüber stehe. Ein Beispiel dafür kann man im Schaufenster der "Projekt-Zentrale" in der Ludwigstraße erkennen: Die Initiatoren hatten dazu aufgerufen, eine Sammlung von "Allerweltswasser" zu schaffen - und die Bevölkerung war tüchtig dabei, entsprechende Proben abzugeben. Deswegen sieht man flaschenweise nun unter anderem textiles Wasser, Gewitterregenwasser, Wasser aus dem Canal Grande oder auch aus dem Indischen Ozean. "Da ist für jeden etwas dabei", so Frank.

Finanziert wird das Projekt aus verschiedenen Fördertopfen - von der Oberfrankenstiftung über den Kulturfonds Bayern bis hin zur Euregio Egrensis: Letzteres wurde dadurch möglich, dass Teile der Wasserspiele auch in Wunsiedels Partnerstadt Ostrov nad Ohrí präsentiert wurden.

Die Waldnaab – so wie sie Jeff Beer wahrnimmt.
Stefan Frank und Annette Hähnlein gehören zum harten Kern des Organisationsteams.
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