27.08.2018 - 13:02 Uhr
WunsiedelDeutschland & Welt

Tragische Liebe mit viel "Amore"

Ausfälle sind in einem Ensemble kurzfristig meist nur schwer zu ersetzen. Manchmal erweist sich der Ersatz dann aber als mehr als erhofft.

Noch versucht Violetta (Anna Erxleben) das Liebeswerben Alfredos (Carlos Moreno Pelizari) zu ignorieren.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Italienisch ist die Sprache der Liebe und auch der klassischen Oper. Dass sie bei letzterer noch überraschen kann, würde wohl kaum ein Operngänger für möglich halten. Doch bei Giuseppe Verdis "La Traviata" bei den Luisenburgfestspielen sorgt das Belcanto für eine außergewöhnliche Note.

Als am Abend Carlos Moreno Pelizari kurzfristig für den erkrankten Kay Frenzel als Hauptfigur Alfredo Germont einspringt, ist das alles andere als eine einfache Auswechslung: Die Inszenierung der Landesbühnen Sachsen wird zweisprachig. Der glänzend aufgelegte chilenische Tenor singt seine Parts nämlich in italienisch - in einer sonst rein deutschsprachigen Aufführung.

In dieser fast experimentellen Version von "La Traviata" - ohnehin eine der ergreifendsten Opern überhaupt - erfährt die tragische Handlung basierend auf der "Kameliendame" von Alexandre Dumas' d. J. eine weitere emotionale Aufwertung. Denn so ernten die aufrichtig-italienischen Liebesschwüre Alfredos immer wieder deutsch-kalte Abfuhren durch den vorsichtigen Kopfmenschen Violetta (Anna Erxleben). Die Edel-Kurtisane der Pariser Oberschicht hat sich zwar auch in ihren jungen, naiven Verehrer verliebt, glaubt aber nicht an eine gemeinsame Zukunft. Denn wenn nicht an gesellschaftlichen Konventionen, Vorurteilen oder Einmischungen wie durch Alfredos Vater (stark: Paul Gukhoe Song) muss ihre Liebe an ihrer tödlichen Krankheit scheitern.

Regisseur Hinrich Horstkotte stellt Violetta mit weißem Kleid und cleverer Beleuchtung als reine Lichtgestalt dar, was im krassen Gegensatz zur ihrem Ruf als "Gefallene" steht. Auch sonst lebt die bewegende Inszenierung von ihren Extremen. Wie die bigotte Pariser Gesellschaft, die ausufernd Orgien feiert, aber eine Liaison der Protagonisten ablehnt.

Anna Erxleben spielt die verzweifelte Violetta eindringlich. Ihr Sopran lässt stets etwas Melancholie mitschwingen und antwortet so perfekt auf Pelizaris fordernden Tenor (stark beim feurigen "Libiamo ne'lieti calici"). Die Chemie stimmt, beide finden einen gesanglich außergewöhnlichen deutsch-italienischen Dialog. Unter Verdis gnadenlos wunderbarer wie tragischer Komposition - interpretiert von der Elbland Philharmonie Sachsen um Hans-Peter Preu - leiden sich die beiden durch Missverständnisse, Intrigen und Demütigungen. Der zweisprachige Gleichklang findet im dramatischen Schlussakt beim genialen Duett "Parigi, o cara" seine Vollendung. Die sterbende, "vom Wege Abgekommene" (La traviata) hat in einem letzten, kurzen Moment des Glückes ihren Pfad wiedergefunden. Kein Happy-End - aber "wunderbar tragico".

Die bigotte Pariser High-Society feiert ausgelassen. Nur den beiden Protagonisten ist nicht nach feiern zumute.

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