Böhmische Beziehungen

Gerne pflegen die Wurzer Sommerkonzerte Beziehungen zu den östlichen Nachbarn, am Sonntag sind das Škampa-Quartett aus Prag und der Klarinettist Ib Hausmann zu Gast mit kultivierter, zum Teil selten zu hörender Kammermusik.

Konzert des Skampa-Quartetts Prag (von links nach rechts: Das Škampa-Quartett Prag (von links nach rechts: Helena Jiřikovská, Adéla Štajnochrová, Lukáš Polák, Martin Stupka) mit dem Klarinettisten Ib Hausmann (Mitte) bei den Sommerkonzerten Wurz
von Peter K. DonhauserProfil

Gerne pflegen die Wurzer Sommerkonzerte Beziehungen zu den östlichen Nachbarn, am Sonntag sind das Skampa-Quartett aus Prag und der Klarinettist Ib Hausmann zu Gast mit kultivierter, zum Teil selten zu hörender Kammermusik. Dazu zählt Musik tschechischer Komponisten wie die Meditation über den Choral "Svatý Václave" op. 35a vom Reger-Zeitgenossen Josef Suk (1874-1935), sie eröffnet das Rezital. Suk kleidet den mit einer a-Moll-Tonleiter aufsteigenden Choral in asketisch strenge Harmonien, beleuchtet das Motiv des Moll-Halbtons und setzt als Kontrast expressive, emotional erhitzte Partien dagegen. Sie lassen die Bedeutung des Liedes als tschechische Hymne spüren.

Der famose Klarinettist Ib Hausmann spielt nicht nur nach vorgedruckten Noten. Er improvisiert nach Suks Meditation ein Solo, greift dessen Mollstimmung und Halbton-Seufzer auf und leitet mit viel Feingefühl zu Janáceks erstem Quartett über. Faszinierend seine fast unhörbaren Piano-Pianissimo-Töne, das Spiel mit den Klappen-Geräuschen, sein melodischer Einfallsreichtum, die Spannung, mit der er das Publikum fesselt.

Nach der Pause musiziert er mit bestechender Klangkultur, in intensivem Dialog und bestem Einverständnis mit den Streicherkollegen Mozarts A-Dur-Klarinettenquintett KV 581, eines der großen Kammermusikwerke, dessen Ausdruckswelten immer wieder in den Bann schlagen. Tief bewegende Momente gelingen vor allem beim Larghetto, mit Spaß servieren die Fünf das eigenwillig auftrumpfende Menuetto mit seinen kontrastierenden Trios. Die eher konventionelle Interpretation legt mehr Gewicht auf fast romantische Farben und lange Bögen, die rhetorischen Gesten der Motive spielen nur eine geringere Rolle.

Hervorgehoben sei die fulminante Darstellung des 1. Quartetts von Leos Janáceks mit dem Beinamen "Kreuzersonate" - ein Bezug zur Novelle von Tolstoi. Die ersten Töne zeigen die Handschrift des Komponisten: Erdhafte Bindung zur mährischen Volksmusik, Ostinati, flirrende Klangflächen, psychologisch aufgeladene Emotionalität - immerhin kreist das Programm um Eifersucht und Mord. Helena Jicikovská und Adéla Stajnochrová (Violinen), Lukás Polák (Viola) und Martin Stupka (Violoncello) meistern das schwierige Werk mit seinen plötzlichen Tempoübergängen und schroffen Kontrasten souverän. Hier wie nach Mozart von Herzen kommender Applaus, als Zugabe das atmosphärisch-schwül auf den Punkt getroffene "Oblivion" von Astor Piazolla.

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