Chopin und Liszt hautnah

Pianistin Alkesandra Mikulska begeistert bei den Wurzer Sommerkonzerten

Höchst konzentriert zeigt sich die polnische Pianistin Aleksandra Mikulska bei ihrem Konzert im Marstall des historischen Pfarrhofs in Wurz.
von Autor ZCHProfil

Man hat es sich gerade im Innenhof des historischen Pfarrhofs in Wurz bequem gemacht udn freut sich auf das angesagte Klavierkonzert, da fallen doch fünf Minuten vor Beginn die ersten Tropfen. Schnell wird der Flügel in den ehemaligen Marstall geschafft und kurz darauf drängen sich 200 Konzertbesucher in dem Gewölbe. Unter dem Titel "Liebestraum" ist am Samstag die Ausnahmepianistin Aleksandra Mikulska bei den Sommerkonzerten zu Gast.

Draußen gießt es mittlerweile in Strömen und drinnen sitzen die Zuhörer nur wenige Zentimeter um den Klavierstuhl herum und füllen den Raum bis in den hintersten Winkel. Doch die Pianistin lässt sich von den sehr beengten Verhältnissen nicht beeindrucken. Erfrischend sympathisch gibt sie einige Informationen zu den Komponisten des Abends. Und dann gibt es Chopin und Liszt hautnah zu erleben, wie es nur in Wurz möglich ist. Der erste Teil des Konzertes ist Frédéric Chopin gewidmet. Drei Mazurken eröffnen den Abend, die Aleksandra Mikulska mit ausdrucksvollster Dynamik und Agogik, differenzierten Anfangstönen und wunderbar hervorgehobenen leidenschaftlichen Melodien präsentiert.

Das anschließende Scherzo in b-Moll op. 31 ist ein beliebtes Werk in dem romantische Poesie und effektvolle Virtuosität nebeneinander stehen. Die Pianistin verbindet mit wunderbar gefühlvollen Übergängen Lyrik und feurig drängende Akkorde zu einem genussvollen Hörerlebnis, das das Publikum mit begeistertem Beifall und Bravo-Rufen quittiert.

Vor der Pause gibt es noch die hochvirtuose Grande Polonaise brillante in Es-Dur op. 22 mit dem vorangestellten Andante spianato. Eigentlich ist dieses Stück mit Orchesterbegleitung, aber diese ist durchaus als spärlich zu bezeichnen und wird meist vom Pianisten mitgespielt. Mikulska schwelgt in den bestrickenden Melodien des Andante, die sie auf das feinste und zarteste wiedergibt. In der Polonaise selbst häufen sich effektvolle virtuose Abschnitte. Feine, lyrische Passagen werden genussvoll-empfindsam zelebriert. Die ausladende brillant-rasante Coda zeigt die technische Brillanz der Pianistin und das beeindruckte Publikum belohnt die Künstlerin mit langanhaltendem Beifall und wiederum Bravo-Rufen.

Die zweite Konzerthälfte gehört Franz Liszt, der zu Lebzeiten auf zahlreichen Konzertreisen ein gefeierter "Tasten-Löwe" war. Es beginnt mit der vergleichsweise "harmlosen" Suite "Glanes (Ährenlese) de Woronince", von Liszt 1847 auf dem Gut Woronice der Fürstin Wittgenstein geschrieben. Poetisch und melodiös sind die drei Stücke, doch auch hier kann Liszt nicht auf beeindruckende Virtuosität verzichten. Der Valse-caprice Nr. 6 ist ein scherzhaft-kapriziöser Walzer mit ausgelassenen Rhythmen und Melodien, die die Pianistin mit sichtbarer Freude spielt. Nicht fehlen darf eines der brühmtesten Stücke Liszts, Notturno Nr. 3, "der" Liebestraum. Gefühlsgeladen und ausdrucksstark spielt sie die kraftvollen Oktaven und rasanten Rhythmen und macht das Werk zu einem emotionalen Feuerwerk.

Als "sportlich" bezeichnet die Künstlerin die Ungarischen Rhapsodien. Das sind sie auch. Kraftvoll, virtuos und mit technischen Höchstleistungen, die in der geradezu rasenden Stretta, der zwölften Rhapsodie, gipfelt, lässt Mikulska das Publikum atemlos staunen. Der Beifall nach dem letzten Akkord will nicht enden und die Pianistin bedankt sich mit einer nicht minder virtuosen Zugabe von Karol Szymanowski.

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