Jede einzelne Nuance stimmt

Pro-Arte-Trio spannt bei Wurzer Sommerkonzerten Bogen von Kodály zu Weinberg

Das Pro-Arte-Trio präsentiert sich äußerst facettenreich bei den Wurzer Sommerkonzerten.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Wurz.Einerseits sind die Temperaturen natürlich eher dazu angetan, den Nachmittag im Freibad oder zu Hause im kühlen Keller zu verbringen. Andererseits ist es natürlich auch optimales Open-Air-Wetter für Konzerte. Und wer sich am Sonntagnachmittag für die Musik entscheidet, hat mit dem schattigen Garten des Historischen Pfarrhofs in Wurz die richtige Priorität gesetzt. Mit dem Pro-Arte-Trio aus Tschechien gastiert ein Ensemble, das mit viel Spielwitz ein attraktives Programm zu Gehör bringt.

Hierfür muss sich das Trio - bestehend aus Jitka Vlasánková am Cello, Zbynek Padourek an der Viola sowie Marie Fuxová an der Geige - auch gar nicht "warm" spielen, denn bereits beim Auftakt wird all dies deutlich, dass das Programm prägend wird: Präzise Melodieführung, konzentriertes Aufeinander-Abstimmen und eine offensichtliche Spielfreude. Zoltan Kodálys "Intermezzo for String Trio"haben sich die Instrumentalisten ausgesucht, ein vergleichsweise relativ kurzes Stück, das einerseits in einem eleganten und leichten Stil daherkommt, das andererseits aber auch den ungarischen Ursprung durchklingen lässt. Grazil, fast schon federleicht serviert das Trio dieses Werk, ganz ohne Härten und Schärfen. Mit Hingabe holen die drei Tschechen die Unbeschwertheit, den Charme und die Verspieltheit dieses Stückes heraus. Gerade einmal 23 Jahre alt, bringt Kodály, der später als Vater der ungarischen Moderne gelten wird, dieses Stück zu Papier. Dem Pro-Arte-Trio gelingt an diesem Nachmittag ein ganz wunderbarer Spagat: Einerseits ist die Streichtriobesetzung klein genug, um jeder einzelnen Stimme eine solistische Bedeutung zukommen zu lassen. Andererseits reichen die Instrumente aber aus, einen farbenreich wechselnden Klangkörper mit Substanz zu ergeben. Was sich auch in der Interpretation von Antonín Dvoráks "Miniatures" niederschlägt.

Nichts ist einfacher, als hier den tschechischen Komponisten kennenzulernen - durch das Schmachten dreier Streichinstrumente in berückend schönen Klangfarben. "Elegia", "Romanza" - die Namen dieser "Miniaturen" halten, was sie versprechen. Kurz gesagt: einfach wunderschön. Jede einzelne Nuance stimmt, in den Pausen kann man eine Stecknadel fallen hören, so gebannt ist das Publikum.

Dies alles gilt auch für beiden weiteren Werke des Nachmittags - das Trio op.48 von Mieczyslaw Weinberg und schließlich nach der Pause für Wolfgang Amadeus Mozarts "längstes" Kammermusikwerk "Divertimento KV 563. Viel Applaus belohnt die Ausführenden für eine glanzvolle musikalische Reise.

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