Expressives Spiel kombiniert mit sattem Klang

Hochklassiges Mettis-Quartett aus Litauen bei den Wurzer Sommerkonzerten

Das Mettis-Quartett sorgt bei den Wurzer Sommerkonzerten am Samstagabend für einen musikalischen Hochgenuss.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Von Holger Stiegler Wurz.Es gehört wohl zu den verzeihlichen Sünden, wenn man im ersten Moment und spontan mit dem Namen Mikalojus Konstantinas Ciurlioni nicht viel anfangen kann. Die diesjährigen Wurzer Sommerkonzerte sorgen allerdings am Samstagabend dafür, dass die Zuhörer den litauischen Komponisten, der von 1875 bis 1911 lebte, kennen und vermutlich auch lieben gelernt haben. Es konzertiert das Mettis-Quartett aus Litauen, die vier Musiker verstehen es dabei außerordentlich gut, nicht nur ihren Landsmann, sondern auch andere Meister musikalisch in Szene zu setzen.

Auf dem Programm steht Ciurlionis Streichquartett c-moll, das 1902 in Leipzig als Examensarbeit entstanden ist und als das erste Streichquartett der litauischen Musikgeschichte gilt. Das Werk mit einem sehr breiten Melodienbogen klingt vertraut für die Ohren. Hier und da mag man an manchen Passagen vielleicht sogar einige Dvorák-Anleihen heraushören. Dass Ciurlioni ein Komponist ist, in den man sich gerne hineinhört und von dem man künftig noch mehr hören möchte, liegt aber auch an dem glänzend aufgelegten Ensemble des Abends. Erst 2011 gegründet, haben Kostas Tumosa (1. Violine), Bernadas Pertauskas (2. Violine), Karolis Rudokas (Viola) und Rokas Vaitkevicius (Violoncello) bereits zahlreiche nationale und internationale Preise gewinnen können.

Ein Umstand, der sicherlich nicht überrascht, denn alle vier Musiker studierten an der Litauischen Akademie für Musik und Theater in der Klasse von Augustinas Vasiliauskas. Der wiederum ist ein guter Bekannter bei den Wurzer Sommerkonzerten mit mehreren Gastspielen seines "Vilnius Quartetts" in der Vergangenheit. Die Spielfreude, gepaart mit einer enormen Sicherheit und einem "blinden" Verständnis füreinander, zeichnet das Mettis-Quartett aus. Das Zusammenspiel des Ensembles ist so elegant und elastisch, dass es zu einem echten Hochgenuss für die versammelten Musikfreunde wird. Expressives Spiel kombiniert mit sattem Klang.

Der Auftritt ist übrigens zweigeteilt: Der erste Teil des Abends wird in aufgrund der unsicheren Witterung ins Innere verlegt, nach der Pause geht es dann im Garten unter freiem Himmel weiter. So wie das Ensemble an das Ciurlioni-Werk herangeht, so begegnen die vier Musiker auch den anderen Stücken des Abends - selbstbewusst, aber auch mit dem nötigen Respekt vor der Arbeit der Komponisten. Joseph Haydns "Lerchenquartett" steht ebenso auf dem Programm wie Beethovens "Streichquartett Nr. 4 c-moll" und Schostakowitschs "Streichquartett Nr. 3 F-Dur". Ja, und auch den Zuhörern gefällt es, was sie hier zu hören bekommen. Auch wenn es eigentlich verpönt ist, zwischen die einzelnen Sätze eines Quartetts hineinzuklatschen, dürften diesen Umstand wohl auch die Musiker an diesem Abend als Anerkennung ihrer hochklassigen Leistungen sehen. Ein wirklich außerordentlich gelungenes Konzert!

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