"Hurz in Wurz" mit Mamlock-Musik

Die Reaktionen des Publikums in Wurz können nicht unterschiedlicher sein. Die "Klangmalereien" in impressionistischer Manier machen viele Zuhörer beinahe fassungslos, mancher schmunzelt verstohlen, einige sind begeistert.

Gesa Hoppe und Klaus Schöpp präsentieren mit ihrer Kollegin Katharina Hanstedt (nicht im Bild) Kompositionen von Ursula Mamlock.
von Susanne KempfProfil

Mit Mezzosporanistin Gesa Hoppe, Harfenistin Katharina Hanstedt und Flötisten Klaus Schöpp waren zweifelsohne hervorragende Musiker zu Gast, die das ausgewählte Programm brillant darboten. Es fehlte vielleicht die Seele, manche Stelle wirkte ein wenig verkrampft. Trotz der entspannten und sehr persönlich-einfühlsamen Moderation von Bettina Brand, Geschäftsführerin der Mamlock-Stiftung, die den Besuchern die schwierigen Kompositionen von Ursula Mamlock erläuterte, waren sicher nicht wenige Gäste im Marstall des Wurzer Pfarrhofs vor das Problem gestellt, sich in die in Wurz höchst ungewöhnlichen Klänge einzufühlen. Der Nachmittag sollte dem Publikum Besinnlichkeit bieten, versprach Rita Kielhorn, Veranstalterin der Wurzer Sommerkonzerte. Die Möglichkeit zu Entspannung durch die Musik attestierte ein Besucher in der Pause: "Ich konnte vollkommen abtauchen, die Musik entführt in einen geistigen Kokon."

In vielen Gesichtern war ein Anflug von Fassungslosigkeit und Unverständnis, wenn nicht gar Empörung zu erkennen: "Ich habe schon unzählige Konzerte hier in Wurz erlebt, war immer begeistert. Die Bayreuther Festspiele besuche ich regelmäßig, bin es also gewohnt, mich mit anspruchsvoller Musik auseinanderzusetzen. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt, das war mir wirklich zu viel." Andere amüsierten sich, lobten die Leistung der Künstler, lachten nach dem Konzert über die ungewöhnliche Darbietung. Manch einer wagte es, von "Hurz in Wurz" zu sprechen. Das Konzert war ein Wagnis, das manchem Kabarettisten eine Steilvorlage geboten hätte.

Nicht alle Stühle im Marstall waren besetzt, als das Konzert mit zwei Impressionen für Flöte und Harfe von Eugène Bozza begann. Sofort war für die Zuhörer, die zuvor nicht geahnt hatten, was sie erwartet. Sehr anspruchsvoll. Mit Klängen, denen sich wohl nur wenige außerhalb eines Konzertsaales nähern würden.

Es folgten "Haiku Settings für Stimme und Flöte" von Mamlock, die von Brand hervorragend erklärt worden waren. So hatten auch diejenigen Zuhörer, die sich bislang nicht mit dem Werk der gebürtigen Berlinerin beschäftigt hatten, eine gute Chance, die mitunter schrill anmutenden Töne in einen Kontext einbetten zu können. Mamlock hatte als Jüdin Deutschland 1939 verlassen, war nach Ecuador, dann in die USA emigriert und setzte dort ihre in Berlin begonnene musikalische Ausbildung fort. Sie wurde Professorin für Komposition und avancierte zu einer der bedeutendsten Komponistinnen der USA. Die letzten Jahre bis zu ihrem Tod 2016 verbrachte sie in Berlin.

Den Musikern Hoppe und Schöpp gelang es, ihr Werk einfühlsam darzubieten. Dennoch war eine ratlose Fassungslosigkeit beim Publikum zu spüren. Harfenistin Hanstedt gelang dann für einen Moment die Stimmungswende. Mit ihrem Stück "Reflets dans l'eau für Harfe solo" von Jacques Ibert zauberte sie manches dankbare Lächeln in die Gesichter.

In der Pause gab ein Film einen Einblick in das Leben Ursula Mamlocks. Die Spaltung des Publikums in den Gesprächen war deutlich hörbar: "Meiner Schwester gefällt es ausnehmend gut, ich finde es mehr als schwierig", sagte ein Zuhörer. Im zweiten Teil des Konzerts lag der Schwerpunkt auf der Mamlocks "Der Andreasgarten", eine Vertonung eines Gedichtes ihres Ehemannes Dwight Gerald Mamlock.

Eines ist den Künstlern gelungen: Die Verbindung zwischen Poesie und Musik in ausnehmend guter Form darzubieten. Die Wirkung war unterschiedlich, nicht jeder muss es verstehen, nicht jedem gefallen. Einen Versuch war es wert.

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